Neue Studie der Uni Konstanz

Bodensee: Motorboote schaden Tieren und Pflanzen im Uferbereich

Fahrgastschiffe und Sportboote beeinträchtigen das Öko-System von Binnenseen. Das ergab eine Studie der Uni Konstanz und des Landesamtes für Umwelt Brandenburg. Untersucht wurde auch der Bodensee.

Teilen

Stand

Der motorisierte Wassersport belastet die Ökologie der Seen in Deutschland. Das fanden Forscherinnen und Forscher des Limnologischen Instituts der Universität Konstanz und des brandenburgischen Landesamts für Umwelt heraus. Sie hatten die Auswirkungen des zunehmenden Motorbootsports auf Binnenseen unter die Lupe genommen, unter anderem am Bodensee.

Für mehr Ökologie: Höchstgeschwindigkeit und begrenzte Zulassungen

Die meisten Seen in Deutschland befänden sich in keinem guten Zustand, heißt es in der Studie. Eine Ursache sei der Wassersport, der bekanntlich durch Wellenschlag Pflanzen und Tieren im Uferbereich schade. Um den Schaden durch Schiffswellen zu begrenzen, empfehlen die Forscher, die Freizeitschifffahrt zu begrenzen sowie Höchstgeschwindigkeiten und Mindestabstände für Boote vorzugeben.

Ein Motorschiff verlässt einen Anlegesteg am Bodensee und wirbelt kräftig Wasser auf. Das belastet die Ökologie der Uferzonen.
Die Wellen und Schraubenturbulenzen großer Fahrgastschiffe können laut Forschungsbericht erheblich zur Erosion von Sedimenten in der Flachwasserzone von Seen beitragen. Das Foto zeigt das Motorschiff "Austria", ausgestattet mit zwei Voith-Schneider-Antrieben von zusammen 1.492 PS (1.097 kW), beim Verlassen des Anlegestegs in Kressbronn am Bodensee. Pressestelle Universität Konstanz/W. Ostendorp

Im Bereich besonders schützenswerter Flächen sollten zudem spezifische Fahrtrouten und maximale Fahrgeschwindigkeiten vorgeschrieben werden. Und Schiffe sollten ihre Geschwindigkeit deutlich vor Erreichen einer Schutzzone verringern müssen.

Studie: Freizeitschifffahrt verbraucht enorme Flächen und belastet die Umwelt

Doch auch wenn Sportboote und Fahrgastschiffe im Hafen liegen, erzeugen sie Umweltprobleme. So werden Schadstoffe aus herkömmlichen Antifouling-Anstrichen ins Seewasser eingetragen. Vor allem werden aber ökologisch wertvolle Lebensräume in der Uferzone verbraucht, so das Forscherteam.

Das sei besonders eindrücklich am Bodensee. Dort kommen statistisch gesehen auf jeden Quadratkilometer Seefläche 112 Wasserfahrzeuge. Oder anders: Würde man alle Boote gleichmäßig am Ufer des Bodensees verteilen, läge alle fünf Meter ein Boot. Und jeder genehmigte Liegeplatz verbraucht im Mittel 150 Quadratmeter Ufer- und Wasserfläche, für notwendige Infrastruktur wie Häfen, Werftanlagen und ähnliches.

Eine Karte zeigt, wo am Bodensee Boote stationiert sind. Die Sportboote belasten der neuen Studie zufolge die Ökologie von See und Ufer.
So viele Häfen, Bootsstege und Trockenliegeplätze gibt es am Bodensee (Übersicht). Pressestelle Universität Konstanz/J. und W. Ostendorp (Kartengrundlage: © OpenStreetMap contributors (OSM)/OpenStreetMap-Lizenz)

Die Autoren der Studie befürchten, dass eine Intensivierung der Fahrgast- und Sportschifffahrt auf Seen in Deutschland die Belastungen der Uferzonen erheblich steigern wird, wenn keine Maßnahmen zur Lenkung des Bootsverkehrs ergriffen würden.

Wir sehen eine Vielzahl negativer Einflüsse auf die aquatische Umwelt, die wir angesichts des wachsenden Wassertourismus nicht ignorieren können.

Die Studie wurde im Rahmen des Forschungsprojekts "SuBoLakes" (Sustainable Boating on Lakes in Germany) 2021 bis 2025 durchgeführt, das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert wurde. Für eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit von Sportmotorbooten und umweltfreundlichere Schifffahrt auf dem Bodensee setzt sich seit Jahren auch der Verein heurakaLago ein.

Hard
Ein Motorboot fährt mit hoher Geschwindigkeit über den Bodensee.

Was wurde aus Petition von heurekaLAGO? Verein kämpft weiter für verschärftes Tempolimit auf dem Bodensee

Am Bodensee kämpft ein Verein für eine umweltfreundlichere Schifffahrt. Er will ein schärferes Tempolimit für Motorboote. Eine Petition hatte noch nicht den gewünschten Erfolg.

Bodensee
Ein Elektro-Schiff fährt aus einem Hafen auf den Bodensee hinaus. Der Schiffsverkehr und Wassersport auf dem See sollen nachhaltiger werden.

Mehr Elektromotoren und weniger Müll Wie der Schiffsverkehr auf dem Bodensee nachhaltig wird

Wenn der Bodensee bis 2040 klimaneutral befahren werden soll, gibt es noch viel zu tun. Aber nicht nur CO2-Emissionen belasten den See.

Kressbronn
1.400 Liegeplätze für Segel- und Motorboote hat der Hafen von Kressbronn-Gohren. Dennoch sind sie Mangelware am Bodensee.

In Einzelfällen bis zu 40 Jahre Wartezeit Rar oder teuer: Liegeplätze für Boote am Bodensee sind Mangelware

Auf dem Bodensee sind fast doppelt so viele Motor- und Segelboote zur Nutzung zugelassen, wie es Liegeplätze gibt, im Wasser und an Land. Einen zu bekommen, dauert lange oder kostet viel Geld.