Trockenheit bedroht Klima und Natur

Klimawandel setzt Mooren zu: Naturschützer schlagen Alarm

Der Klimawandel setzt den Mooren zu: Starkregen und Trockenheit schaden Flora und Fauna. Der Grundwasserpegel sinkt. Die Torfschicht schrumpft. Drohen auch in Oberschwaben Moorbrände?

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Von Autor/in Johannes Riedel

Mit dem Wurzacher Ried, dem Federseemoor und dem Pfrunger-Burgweiler Ried liegen die drei größten Moorgebiete Südwestdeutschlands in der Region Oberschwaben-Allgäu. Auch viele kleinere Moore prägen das Landschaftsbild. Sie sind nicht nur beeindruckende Naturkulissen, sondern auch wichtige CO2-Speicher und artenreiche Refugien.

Doch Hitze, Trockenheit und Entwässerung setzen den Mooren massiv zu. Torfschichten schrumpfen, Arten verschwinden, das Risiko für Moorbrände wächst.

Ein Graben im Ried
Der Hitzesommer 2026 hat in den Mooren wie hier im Federseeried Spuren hinterlassen: Ein Entwässerungsgraben, der kein Wasser mehr führt. Pressestelle NABU, Joshua Glaser

NABU am Federsee warnt vor Austrocknung der Moore

Das NABU-Naturschutzzentrum Federsee schlägt deshalb Alarm: Die Wetterextreme der vergangenen Jahre brächten das fast 5.000 Fußballfelder große Moor an seine Belastungsgrenze. Und der zurückliegende Hitzesommer habe alles bisherige in den Schatten gestellt, so Katrin Fritzsch, Leiterin des NABU-Zentrums in Bad Buchau (Kreis Biberach).

Dabei liege das Problem weniger im zentralen Bereich des Federseerieds direkt am Federsee. Das Wehr im Abflusskanal reguliere die Wasserstände seit 1972 gut. Es hält laut Fritzsch in der Regel ausreichend Wasser im Federsee und in den angrenzenden Moorwiesen. 

Trocken fielen dagegen die Moorwiesen im Außenbereich des Rieds, vor allem südlich von Bad Buchau. Sie liegen deutlich über dem Seeniveau, so dass sie sein Wasser nicht erreicht. Im Gegenteil: Entwässerungsgräben transportieren das Wasser dort ab. Solche Gräben dienten früher dazu, Moorböden für die Landwirtschaft oder den Torfabbau nutzbar zu machen.

Ein Entwässerungsgraben im südöstlichen Federseeried
Entwässerungsgräben wie hier im Federseeried transportieren Wasser aus den Moorböden. Johannes Riedel

Moor verliert Funktion als CO2-Speicher

Trocknen die Moore aus, werden große Mengen an Treibhausgasen freigesetzt. Torf enthält massenhaft gebundenen Kohlenstoff abgestorbener Pflanzen. Den bindet er nur, wenn er feucht ist. Reagiert er infolge Trockenheit und Hitze mit dem Sauerstoff aus der Luft, entsteht CO2, also Kohlenstoffdioxid.

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Die Torfschicht sei an manchen Stellen gerade noch zehn Zentimeter dick. Darunter befänden sich unfruchtbare Sedimentschichten. Die Vegetation verarme, so die Leiterin des NABU-Zentrums. Das Schließen von Entwässerungsgräben in den Außenbereichen sei dringend nötig, vor allem dort, wo es möglich sei und die Besitzer - oft Landwirte - dem zustimmen, sagt Kerstin Fritzsch. Der Grundwasserspiegel, von dem sich das Federseeried als Niedermoor ernähre, müsse steigen - auf idealerweise zehn Zentimeter unter der Oberfläche.

Naturschutzgebiet-Schild und Traktor
Nicht immer lassen sich die Interessen von Landwirtschaft und Naturschutz unter einen Hut bringen. Johannes Riedel

Weniger Wasser, weniger Leben: Insekten und Vögel verschwinden

Die Gräben dort seien im Sommer fast durchwegs trocken gewesen, das habe der NABU an seinen 120 im Ried verteilten Messstellen festgestellt. Unterschiedliche Zuständigkeiten in Fragen des Naturschutzes zwischen Land, Regierungspräsidium, Landratsamt und Kommunen machten die Gemengelage komplex, um Gräben zu schließen, sie höherzulegen oder sie aufzustauen.

"Von außen betrachtet bleibt das Federseeried ein Moor", sagt Katrin Fritzsch. Von innen verliere es aber seine Funktion. Wenn weniger Pflanzen wachsen, fehle Nahrung für Insekten, die wiederum die Vögel zum Überleben brauchen. Am Federsee sei das an Beständen von Faltern oder Braunkehlchen dokumentiert.

Auch Moorbrände seien hierzulande eine Gefahr, warnt Fritzsch. So hätten im Juli am Rand des Federseerieds bei Seekirch rund 90.000 Quadratmeter Ackerfläche gebrannt. Ein Mähdrescher hatte das Feuer ausgelöst.

Gefahr von Bränden auch im Hochmoor

Die Sorge vor jahrelang schwelenden Torfbränden treibt auch Siegfried Roth um. Der Leiter des Naturschutzzentrums Wurzacher Ried erinnert an den Torfbrand in diesem Frühjahr im Steinacher Ried zwischen Bad Waldsee und Aulendorf (Kreis Ravensburg).

Das Wurzacher Ried (Kreis Ravensburg) ist das größte intakte Hochmoor Mitteleuropas. Hochmoore litten unter Trockenheit mehr als Niedermoore wie das Federseeried, sagt Roth. Sie speisten sich von Regenwasser. Aktuell sei das Grundwasser 40 Zentimeter tiefer als in Normaljahren.

Normalerweise brauchen Sie im Wurzacher Ried Gummistiefel, aktuell reichen Turnschuhe.

Eigentlich bunte Torfmoose seien wegen Trockenheit bleich in Weiß- und Grautönen.

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Klimawandel bringt Ökosysteme aus dem Gleichgewicht

Viele Faktoren können sensible Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen. "Der Klimawandel spielt dabei eine riesige Rolle", so Fritzsch. Hitze und Trockenheit auf der einen Seite, Starkregen und Überschwemmungen auf der anderen, gefährdeten Böden, Pflanzen und Vögel.

Und extreme Sommer gab es zuletzt gehäuft: Zu nass mit Überschwemmungen und fatalen Auswirkungen auf Bodenbrüter in den Jahren 2021 und 2024, zu trocken und heiß war es 2018, 2020, 2023 - und jetzt das Hitzejahr 2026. "Es bräuchte jetzt einen richtigen Landregen", bilanziert Katrin Fritzsch.

Doch vereinzelter Regen wird das Problem nicht grundsätzlich lösen. Nur wenn Entwässerungsgräben geschlossen, Moore wiedervernässt und Klimaschutz ernsthaft vorangetrieben werden, können Moore und Riede ihre Rolle als lebendige CO₂-Speicher behalten.

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Johannes Riedel
SWR-Redakteur Johannes Riedel Autor Bild
Onlinefassung
Stefanie Baumann
SWR-Redakteurin Stefanie Baumann Autorin Bild

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