Die Kläranlagen in Radolfzell und Kressbronn stehen wie viele andere am Bodensee vor immer größeren Herausforderungen. Extremwetter, veraltete Technik und der Fachkräftemangel sorgen für hohe Belastungen. Dabei ist ihre Arbeit essenziell für den Umweltschutz und die Lebensqualität in der Region.
Starkregen bringt Kläranlagen an ihre Grenzen
Wie dramatisch die Lage werden kann, zeigte das jüngste Starkregenereignis in Radolfzell am Bodensee im August dieses Jahres. Die starken Regenfälle brachten die Kläranlage an ihre Belastungsgrenze. Die Wassermengen waren enorm. "Statt der üblichen 100 Liter pro Sekunde hatten wir plötzlich 1.200 Liter pro Sekunde", berichtet Mitarbeiterin Regina Eberle. Das führte zu einem Rückstau im Kanalsystem und einer kritischen Situation auf der Anlage.
Es war kurz davor, dass die Anlage überlastet wird.
Dank schneller Maßnahmen im Kanalnetz und auf der Kläranlage konnte eine Überflutung gerade noch verhindert werden. Doch viel länger hätte es nicht mehr regnen dürfen: "Dann hätten wir echte Schwierigkeiten bekommen."
Eine ähnliche Situation erlebte Ernst-Alexander Müller, Betreiber der Kläranlage in Kressbronn (Bodenseekreis). Im Juni 2024 regnete es dort so heftig, dass Kanaldeckel überquollen. Zudem konnten die Rückhaltebecken der Anlage die Wassermassen nicht mehr aufhalten. Er musste Teile der Kläranlage vorübergehend abschalten. Schäden im Betrieb oder der Umwelt entstanden glücklicherweise nicht. Die damalige Situation beschreibt er trotzdem als brenzlig.
Am Dienstag fand in Radolfzell die jährliche Tagung der Kläranlagennachbarschaft Bodensee statt. Auch die Themen Starkregen und Hochwasser waren Bestandteil von Vorträgen und Diskussionen. Die Betreiber der insgesamt 23 Kläranlagen im Bodenseeraum, darunter auch in Österreich und der Schweiz, wurden für solche Szenarien sensibilisiert. "Trotz aller Vorkehrungen, ein Restrisiko besteht immer", meint Kläranlagen-Chef Müller.
Veraltete Technik fordert Modernisierung von Kläranlagen
Neben den Extremwettern ist die veraltete Infrastruktur ein weiteres Problem. Wie viele Kläranlagen am Bodensee seien auch ihre in die Jahre gekommen, schildern sowohl die Betreiber in Radolfzell als auch in Kressbronn die Situation. So machen beispielsweise die Korrosion an der Schaltanlage und das veraltete Entwässerungssystem in Radolfzell eine umfassende Erneuerung nötig.
Zusätzlich fordert die neue Kommunalabwasserrichtlinie der EU, kurz KARL, neue Standards, die teilweise hohe Investitionen mit sich bringen. "Da sprechen wir von vielen Millionen Euro", erklärt Regina Eberle. Es brauche politische Entscheidungen, um die notwendigen Mittel bereitzustellen und die Kläranlage zukunftstauglich zu machen.
Fachkräftemangel bereitet Bodensee-Kläranlagen Sorgen
Neben den technischen und klimatischen Herausforderungen bereitet auch der Fachkräftemangel den Verantwortlichen Sorgen. "Wir wissen nicht, warum wir so einen schlechten Ruf haben", sagt Kläranlagen Betreiber Ernst-Alexander Müller. Insbesondere Elektriker würden dringend gesucht, da die Arbeit in der Kläranlage hochgradig von moderner Steuer- und Messtechnik abhänge.
"Es ist eigentlich erschreckend, dass wir so wenig Zulauf bekommen - gerade in Zeiten von Bewegungen wie Fridays for Future, wo alle sagen, wie wichtig der Umweltschutz ist", meint Müller weiter. Der Fachkräftemangel sei generell ein Riesenproblem bei allen Kläranlagen im Bodenseeraum, nicht nur bei ihm. Dabei sei die Arbeit in der Kläranlage eine direkte Möglichkeit, aktiv etwas für die Umwelt zu tun, so Müller.
Trotz Problemen sehen sich Kläranlagen gut aufgestellt
In einem Punkt sind sich die Verantwortlichen der Kläranlagen in Radolfzell und Kressbronn einig: Auch wenn immer wieder Probleme auftauchen, könnten stets passende Lösungen gefunden werden. "Die Anforderungen wachsen – und wir müssen mitwachsen", resümieren die Verantwortlichen. Sie sehen ihre Kläranlagen auch für die Zukunft gut aufgestellt.