Wenn Name und Biografie keine Bedeutung haben

Das Kunsthaus Bregenz zeigt erstmals eine anonyme Ausstellung

Im Kunsthaus Bregenz ist erstmals eine Ausstellung zu sehen, bei der geheim gehalten wird, wer die Installationen geschaffen hat. Gezeigt wird die anonyme Ausstellung bis Mitte Januar.

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Von Autor/in Karin Wehrheim

Ein dicker schwarzer Balken wie auf geschwärzten Geheimdokumenten - das ist alles, was auf den Plakaten und Texten zur neuen Ausstellung im Kunsthaus zu finden ist. Das soll die Besucherinnen und Besucher darüber nachdenken lassen, wie sehr sie sonst auf den Namen und die Lebensgeschichte von Künstlerinnen und Künstlern setzen, um deren Werke zu verstehen. Dabei geht es dem renommierten Ausstellungshaus am Bodensee nicht darum, eine Art Jagd auf einen "Banksy am Bodensee" zu starten.

Es kommt nicht darauf an zu raten, wer die Person ist, sondern sich Fragen zu stellen, wie Autorschaft zustande kommt und was Autorschaft mit einem macht, wenn man Rezipient oder Rezipientin wird.

"Die Person" wird vom Kunsthaus Bregenz geheim gehalten

Zur Pressekonferenz vor der Eröffnung wird "die Person", wie Kunsthauschef Trummer ihn oder sie nennt, per Telefon zugeschaltet. Sie spricht Englisch, der Dolmetscher hört sie über Kopfhörer, damit niemand mit KI die Stimme identifizieren kann. Auch haben alle Mitarbeitenden des Kunsthauses unterschrieben, Stillschweigen zu wahren. Ob das viele Besucherinnen und Besucher anlockt, wenn kein bekannter Name, keine interessante Biografie hinter der Ausstellung steht? Trummer ist entspannt.

Vielleicht ist es weniger bedeutsam, diese Ausstellung zu sehen, aber Sie werden sehen, dass Sie zukünftige andere Ausstellungen ganz anders sehen werden.

Anonyme Ausstellung zeigt kleines Haus aus Aluminium

Zu sehen ist in der anonymen Ausstellung eine Art Tiny House im obersten Stockwerk: eine Ein-Raum-Wohnung aus Aluminium, dicke Wände, Toilette, Dusche, Küchenzeile und ein dicker weißer Futon in der Ecke. Das Haus im Kunsthaus ist wie ein Parasit, erklärt "die Person". Leitungen für Wasser, Abwasser und Strom verbinden beide Häuser. Nach der Ausstellung soll das Haus als Atelier oder Rückzugsort für Kunstschaffende dienen, irgendwo. Es darf nie archiviert oder verkauft werden.

Wenn das Kunstwerk nicht an die Identität einer Künstlerperson gebunden ist, wenn man dieses Kunstwerk nicht verkaufen kann, wenn dieses Kunstwerk nicht im normalen Kunstmarkt zirkulieren kann, was passiert dann? Es stellt sich die Frage, warum existiert dieses Ding und wie existiert es? Und für wen existiert das Kunstwerk?

Ein anonymer Kunstschaffender stellt im Kunsthaus Bregenz aus.
Wie ein Parasit hat sich das Tiny House des anonymen Kunstschaffenden im obersten Stockwerk des Kunsthauses eingenistet. Rechts und links sind Rohre für Frisch- und Abwasser angeschlossen. Karin Wehrheim Bild in Detailansicht öffnen
Ein anonymer Kunstschaffender stellt im Kunsthaus Bregenz aus.
Im Tiny House gibt es ein Klo, eine Dusche, einen Kühlschrank und einen Futon. Alles darf benutzt werden. Karin Wehrheim Bild in Detailansicht öffnen
Ein anonymer Kunstschaffender stellt im Kunsthaus Bregenz aus.
Auf dem Herd darf Kaffee gekocht werden. Es gibt auch einen Alu-Tisch, der elektrisch hoch- und runtergefahren werden kann. Karin Wehrheim Bild in Detailansicht öffnen
Ein anonymer Kunstschaffender stellt im Kunsthaus Bregenz aus.
Im Erdgeschoss steht ein großer Kopierer aus dem Bestand des Kunsthauses. Hier soll und darf das Handbuch für das Alu-Haus kopiert werden. Karin Wehrheim Bild in Detailansicht öffnen
Ein anonymer Kunstschaffender stellt im Kunsthaus Bregenz aus.
Im ersten Stockwerk stehen Aluwände. Sie sind mit Steinwolle und Folie bespannt. Sie können dem Alu-Haus als Isolation dienen. Karin Wehrheim Bild in Detailansicht öffnen
Ein anonymer Kunstschaffender stellt im Kunsthaus Bregenz aus.
Das zweite Obergeschoss ist leer. Ein Teil der Milchglasscheiben der Deckenverkleidung ist entfernt. So ist das Abwasserrohr zu sehen, das vom Alu-Haus oben bis in den Keller führt. Karin Wehrheim Bild in Detailansicht öffnen
Ein anonymer Kunstschaffender stellt im Kunsthaus Bregenz aus.
Bei der Pressekonferenz ist der anonyme Kunstschaffende per Telefon zugeschaltet. Ein Dolmetscher (Mitte) übersetzt seine Antworten auf die Fragen von Kunsthauschef Thomas Trummer (re.). Karin Wehrheim Bild in Detailansicht öffnen
Ein anonymer Kunstschaffender stellt im Kunsthaus Bregenz aus.
Statt eines Namens nur ein dicker schwarzer Balken - der Rest ist geheim. Karin Wehrheim Bild in Detailansicht öffnen

Bis Mitte Januar existiert das Kunstwerk für die Besucherinnen und Besucher in Bregenz. Sie sind aufgefordert, sich im Alu-Haus niederzulassen, zu duschen oder sich Kaffee zu kochen.

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Karin Wehrheim
SWR-Redakteurin Karin Wehrheim Autorin Bild

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