Diesmal hat alles gepasst: Nach fast einer Woche Warten sind 30 junge Waldrappe am Sonntagmorgen in Binningen im Kreis Konstanz zu ihrer großen Reise aufgebrochen. Ihr Ziel liegt weit entfernt: das Winterquartier im spanischen Andalusien.
Die erste Etappe haben alle Vögel geschafft. Das teilten die Verantwortlichen auf Facebook mit. Vom Flugplatz Binningen ging es nach Hütten-Hotzenwald im Kreis Waldshut. Dort landeten die Waldrappe gemeinsam mit ihren menschlichen Begleitern.
Und sie waren schnell unterwegs: Für die Strecke brauchten die Waldrappe nach Angaben des Teams nur eine Stunde und neun Minuten. Ihre durchschnittliche Geschwindigkeit lag bei 61 Kilometern pro Stunde. In der Spitze erreichten sie sogar 75.
Geholfen habe dabei ausgerechnet der Wind. Auf passende Bedingungen hatte das Waldrappteam mehrere Tage gewartet.
Erleichterung beim Waldrappteam nach gescheitertem ersten Start
Ein erster Startversuch am Mittwoch war gescheitert. Zunächst waren die Waldrappe wie geplant in Binningen abgehoben und einem Ultraleichtflugzeug gefolgt. Dann wurde der Wind zu stark. Der Pilot konnte nicht mehr sicher dagegen anfliegen. Das Team brach die Etappe ab und die Vögel kehrten nach Binningen zurück. Danach hieß es: warten.
Obwohl die Bedingungen bereits am Samstag besser waren, entschied sich das Waldrappteam gegen einen weiteren Versuch. Am Sonntag zahlte sich die Geduld aus. Alle 30 Waldrappe erreichten das erste Etappenziel.
Nächste Etappe: Waldrappe sollen nach Besançon in Frankreich fliegen
Bereits am Montag soll die Reise der Waldrappe weitergehen. Dann wartet eine deutlich längere Strecke: Rund 170 Kilometer liegen zwischen Hütten-Hotzenwald und dem nächsten geplanten Etappenziel Besançon in Frankreich. Nach dem gelungenen Auftakt zeigt sich das Waldrappteam zuversichtlich für die nächste Etappe.
Die von Menschen aufgezogenen Jungvögel wurden über Wochen auf die Reise vorbereitet. Sie haben gelernt, ihren menschlichen Bezugspersonen in einem Ultraleichtflugzeug zu folgen. Beim Training helfen unter anderem Lockrufe und ein Blinklicht bei der Orientierung. So sollen die Tiere Schritt für Schritt den Weg nach Süden kennenlernen.
Die Reise ist Teil eines besonderen Artenschutzprojekts, das seit 2017 am Bodensee läuft. Ziel des Waldrapp-Projekts ist es, die früher verschwundene Vogelart wieder dauerhaft in der Region anzusiedeln. Inzwischen brüten mehrere Waldrapp-Paare erfolgreich und kehren regelmäßig an den Bodensee zurück.