Ein sonniger Tag mit Schatten: In Freiburg haben Ukrainerinnen und Ukrainer den Unabhängigkeitstag ihres Landes begangen. Ein Tag zum Feiern? Nach dreieinhalb Jahren erbitterter Kämpfe im russischen Angriffskrieg mit unzähligen Opfern fällt vielen das Anstoßen schwer. Doch die Deutsch-Ukrainische Gesellschaft in Freiburg wollte sich nicht zurückziehen, sondern zeigen, wofür die Ukraine kämpft - mit Tanz, Gesang und ukrainischen Spezialitäten.
Blau-gelbe Fahnen für die ukrainische Freiheit
Sie versammelten sich nicht auf dem Maidan, dem zentralen Platz der ukrainischen Hauptstadt Kiew, sondern auf dem Platz der Alten Synagoge in Freiburg. Dort erinnerten Hunderte in Freiburg lebende Ukrainerinnen und Ukrainer an den Unabhängigkeitstag - auch fernab ihrer Heimat. Mit Fahnen und Bannern in den Nationalfarben blau und gelb setzten sie ein sichtbares Zeichen für Unabhängigkeit und Freiheit. Einige Frauen trugen Haarkränze und traditionelle Kleidung, sogenannte Vyshyvankas - bestickte Hemden, die seit Jahrhunderten Teil der ukrainischen Kultur sind.
Das Programm umfasste Konzerte mit ukrainischer Musik, Auftritte von Solistinnen, Solisten und Chören sowie Ansprachen offizieller Gäste. Unter ihnen war auch die Freiburger Bundestagsabgeordnete der Grünen, Chantal Kopf. Sie bekräftigte Freiburgs Solidarität mit der Ukraine: "Freiburg steht hinter der Ukraine!" Gleichzeitig warnte sie vor den Folgen einer ukrainischen Niederlage: "Wenn die Ukraine fällt, dann fällt auch Europa."
"Wir leben, wir singen": Lebenswillen trotz Kriegsleid
In den ukrainischen Nationalfarben erschien auch die Vorsitzende der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft in Freiburg, Oksana Vyhovska - im blauen Rock und gelben Oberteil. "Am Unabhängigkeitstag wollen wir allen zeigen: Wir sind zusammen, wir sind ein freies, fröhliches Volk, wir leben, wir singen - trotz Krieg", sagte sie auf SWR-Nachfrage. Der Nationalfeiertag ihres Heimatlandes sei ein Anlass, zu zeigen, wofür die Ukraine kämpfe und welche Werte sie verteidige. In Freiburg leben derzeit rund 5.000 Ukrainerinnen und Ukrainer.
Ja, wir feiern, natürlich mit Gedanken an die Toten und an diejenigen, die gerade kämpfen und wir feiern für uns und für die Zukunft der Ukrainer.
Selenskyj prophezeite bessere Zukunft
Am Unabhängigkeitstag erinnert die Ukraine an die Erklärung ihrer Unabhängigkeit. Am 24. August 1991 hatte das ukrainische Parlament in Kiew die Unabhängigkeit von der zerfallenden Sowjetunion erklärt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gratulierte seinen Landsleuten zum Unabhängigkeitstag und prophezeite eine bessere Zukunft für das von Russland überfallene Land: "Wir werden eine Ukraine schaffen, die genügend Kraft und Potenz hat, um in Sicherheit und Frieden zu leben", versprach Selenskyj in seiner auf Telegram verbreiteten Ansprache.
In dem Video ist er vor dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew zu sehen. Die mächtige Freiheitsstatue auf dem Maidan sei auch ein Symbol für die Unzerstörbarkeit der Ukraine, betonte Selenskyj in dem Video. Er erinnerte an die täglichen Luftschläge Russlands gegen zivile Einrichtungen wie Krankenhäuser und Schulen in der Ukraine. Die Ukraine antworte darauf mit Angriffen gegen Treibstoffdepots, aber auch Militärflugplätze tief in Russland. Das könne ihr niemand verbieten.
Staatschefs gratulieren Ukraine zum Unabhängigkeitstag
Zu den Feierlichkeiten zum Jahrestag reisten der kanadische Premierminister Mark Carney und der US-Sondergesandte für die Ukraine, Keith Kellog, nach Kiew. Selenskyj erklärte: "Heute stimmen die USA und Europa überein: Die Ukraine hat noch nicht vollständig gewonnen, aber sie wird sicherlich nicht verlieren." Er fügte hinzu: "Die Ukraine hat ihre Unabhängigkeit gesichert. Die Ukraine ist kein Opfer; sie ist ein Kämpfer." Selenskyj dankte auch anderen Staatschefs und hochrangigen Persönlichkeiten für ihre Wünsche zum Unabhängigkeitstag, darunter US-Präsident Donald Trump, dem chinesischen Präsident Xi Jinping, dem britischen König Charles und Papst Leo XIV.
Russland kontrolliert derzeit rund ein Fünftel des ukrainischen Territoriums, einschließlich der Halbinsel Krim, die Moskau bereits 2014 annektiert hatte. Der Krieg hat Millionen Menschen zur Flucht gezwungen und Städte und Dörfer vor allem im Osten und Süden der Ukraine verwüstet. Die genaue Zahl der Toten und Verletzten ist unklar.