52-Jähriger vor Amtsgericht Bad Säckingen

Halbe Million Euro für nichts? Betrug mit Corona-Tests im Kreis Lörrach vor Gericht

Ein 52 Jahre alter Mann soll in drei Testzentren im Kreis Lörrach Tests abgerechnet haben, die nie gemacht wurden. Es geht um eine halbe Million Euro. Jetzt steht er vor Gericht.

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Von Autor/in Petra Jehle

Ein 52 Jahre alter Mann aus Zell im Wiesental (Kreis Lörrach) sitzt seit Dienstag wegen gewerbsmäßigen Betrugs auf der Anklagebank im Amtsgericht Bad Säckingen (Kreis Waldshut). Am ersten Prozesstag wurde bereits deutlich: Der Angeklagte ist vermutlich nur ein Strohmann. Im Kreis Lörrach wird schon länger gegen mehrere Personen ermittelt, die die Corona-Krise für illegale Geschäfte ausgenutzt haben sollen.

Die Betrugsmasche: Eine halbe Million Euro für nichts?

Seit April 2022 wurde der Angeklagte per internationalem Haftbefehl gesucht. Im Mai 2025 konnte er in seiner Heimat in Rumänien festgenommen werden. Seither sitzt er in Deutschland in Untersuchungshaft. Nur auf Nachfrage und in wenigen Worten spricht der 52-Jährige von seinem Leben: Er sei 2018 nach Deutschland gekommen und habe im Raum Lörrach zuerst auf dem Bau und dann in verschiedenen Restaurants schwarz gearbeitet.

Im Dezember 2021 hatte er laut Unterlagen drei Corona-Teststellen eröffnet: Eine in Zell im Wiesental und zwei weitere in der Stadt Lörrach. Über diese Testzentren wurden laut Anklage zwischen Dezember 2021 und Februar 2022 fast 38.000 Corona-Tests abgerechnet. Die Kassenärtzliche Vereinigung (KV) hatte dem Mann dafür knapp 492.000 Euro auf sein Bankkonto überwiesen.

Gesundheitsamt im Alb-Donau-Kreis schließt Testzentrum
Der Vorwurf: In den Testzentren des Angeklagten wurden deutlich mehr Tests abgerechnet als tatsächlich gemacht. picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Der Verdacht: Ist der Angeklagte nur ein Strohmann?

Laut Polizei wurde der Großteil der in Rechnung gestellten Test gar nicht gemacht. Eine Stichprobe ergab: Die aufgeführten angeblichen Tester haben nie in den Zentren gearbeitet. Ein Polizist, der sich und seine Familie in einem der Zentren regelmässig testen ließ, tauchte an Tagen auf den Listen auf, an denen er keine Tests gemacht hatte.

Die Ermittlerin, die im Gerichtssaal als Zeugin auftrat, ist überzeugt: Der Angeklagte diente lediglich als Strohmann. Der Mann, der kaum Deutsch spricht, könne die Formalitäten und Verträge gar nicht selbst erledigt haben. Er selbst behauptet: Er habe nur unterschrieben und nicht gewusst wofür. Überwachungsvideos der Bank zeigen allerdings, wie er selbst hohe Geldsummen von seinem Konto abgehoben hat.

So dumm kann man nicht sein.

Das Netzwerk: mehrere Tatverdächtige im Visier

Das räumt er zwar ein, aber auch auf mehrfache kritische Nachfrage der Vorsitzenden Richterin Stefanie Hauser bestreitet er, auch nur einen Cent behalten zu haben. Er habe jeden Cent weitergegeben, so der Angeklagte. Völlige Unwissenheit? Die wollte ihm Richterin Stefanie Hauser nicht so abnehmen.

Offenbar ist dieser Fall kein Einzelfall. Die Ermittlungen führten die Lörracher Polizei zu mehreren Tatverdächtigen im Umfeld des Mannes, die alle im Zusammenhang mit dem Betrieb von Testzentren stehen. Der Fall ist kompliziert, weil die Ermittlungen in mehrere Dienststellen und Zuständigkeiten fallen.

Das Ende: Verdächtige Kontobewegungen stoppen Betrug

Aufgeflogen ist der Betrug durch die örtliche Bank. Dieser waren die großen Bargeldabhebungen aufgefallen. Das Geschäftskonto wurde jeweils sofort von dem Angeklagten leergeräumt, sobald die KV wieder eine Summe überwiesen hatte. Zudem gab es keine Abhebungen für Material oder Löhne von dem Konto.

Die Bank hatte deshalb Anzeige wegen des Verdachts der Geldwäsche erstattet und das Geschäftskonto im April gesperrt. Die letzten 184.000 Euro konnten deshalb nie abgehoben werden und wurden beschlagnahmt. Der Prozess wird in der nächsten Woche fortgesetzt. Ein Urteil könnte am 11. November fallen.

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