Etwas mehr als eine Dekade hat es gedauert - vom Spatenstich, über zahlreiche Klagen und Widersprüche, bis hin zur Inbetriebnahme. Jetzt ist der Hochwasserrückhalteraum Elzmündung bei Schwanau im Ortenaukreis fertiggestellt. Rund 5,3 Millionen Kubikmeter Hochwasser können hier auf einer Fläche von 469 Hektar zurückgehalten werden. Das bedeutet: ein deutlich verbesserter Hochwasserschutz für Städte und Gemeinden Rhein-abwärts.
Mit einer Feierstunde ist das Projekt am Samstagmittag an der neuen Steuerzentrale am Hauptwehr Gerstheim eingeweiht worden. Bei der Fertigstellung des Rückhalteraumes ist von einem Meilenstein für den Hochwasserschutz am Oberrhein und die Umsetzung des Integrierten Rheinprogramms (IRP) die Rede.
Bedeutendste Schutzmaßnahme des Landes
Baden-Württembergs Umweltminister Thekla Walker (Grüne) betonte bei der Feierstunde, dass es sich beim IRP um die bedeutendste Hochwasserschutzmaßnahme des Landes handle. Die Fertigstellung des Rückhalteraums Elzmündung zeige, dass das Land Schritt für Schritt die vereinbarten Rückhalteräume realisiere und damit den Schutz für die Bürgerinnen und Bürger am Rhein mit den Ballungszentren Karlsruhe, Mannheim und Ludwigshafen verbessere. Damit werde der Hochwasserschutz, der mit Frankreich bereits 1982 vereinbart worden sei, konsequent fortgesetzt.
Mit dem Rückhalteraum Elzmündung gelingt auch die Reaktivierung der Rheinauen.
Walker hob auch hervor, dass man mit dem Hochwasserschutz noch einen weiteren Effekt habe: die Reaktivierung und Entwicklung der ehemaligen Rheinauen. Mit der Einsatzbereitschaft des Rückhalteraumes werden rund 50,1 Prozent des im IRP zum Hochwasserschutz erforderlichen Gesamtvolumens von 164,2 Millionen Kubikmeter erreicht. Finanziert wird dies aus Bundes- und Landesmitteln. "Wir brauchen dringend Hochwasserschutz. Das sollte ganz oben auf der Liste sein. Hochwasserschutz gerät in Vergessenheit, wenn mal eine Zeit nichts passiert", so Walker. Es koste aber mehr Geld, es nicht zu tun.
Gute grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Freiburgs Regierungspräsident Carsten Gabbert (Grüne) betonte, dass die Realisierung eines solchen Rückhalteraumes umfangreich und hoch komplex sei. Trotz vieler Differenzen und langjährigem Klageverfahren habe es während der Bauphase des rund 150 Millionen Euro teuren Projekts eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den betroffenen Gemeinden Schwanau, Kappel-Grafenhausen und Rhinau gegeben. Insgesamt habe der Bund rund 2,4 Milliarden Euro für den Hochwasserschutz zwischen Basel und Mannheim bislang ausgegeben, so Gabbert in seiner Rede.
Hochwasserschäden kosten meist das 20-fache von Schutzmaßnahmen.
An der Feierstunde am Wehr Gerstheim nahmen, neben zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern, auch Vertreter aus der Bundespolitik teil. Unter anderem die Bundestagsabgeordneten Johannes Fechner (SPD) und Yannick Bury (CDU).
Steuerzentrale Herzstück des Rückhalteraumes
Am Hauptwehr Gerstheim entstand mit der neuen Steuerzentrale das Herzstück des Rückhalteraumes, in der zukünftig auch nach seiner Fertigstellung der Rückhalteraum Ichenheim/Meißenheim/Ottenheim gesteuert werden kann. In der Steuerzentrale wird nicht nur der Betrieb des Rückhalteraumes überwacht und gesteuert, hier ist auch der Sitz der Wasserbauarbeiterkolonne, die alle technischen Anlagen einsatzbereit hält und sich auch um die Pflege der Natur im Rückhalteraum kümmert.
Seit 2015 zahlreiche Bauwerke umgesetzt
Seit dem Spatenstich 2015 sind etliche Baumaßnahmen verwirklicht worden. Unter anderem die Sanierung von Hochwasserdämmen, neue Einlassbauwerke mit Fischaufstieg im Süden, sowie Auslassbauwerke im Norden des Rückhalteraumes. Darüber hinaus wurden zum Schutz vor Grundwasseranstiegen sogenannte Schutzbrunnen in Kappel, Wittenweier und Nonnenweier gebaut. Eine der größten Baumaßnahmen war der Umbau des Wittenweierer Faschinats, damit das historische Bauwerk den größeren Strömungen standhält und für Fische und andere Gewässerlebewesen durchwanderbar wird. Kleinere Restarbeiten stehen noch an, sie sollen voraussichtlich Ende 2026 beendet sein.