Freiburgs Oberbürgermeister der bunten Socken

Neuer Stadtteil, Social-Media-Star: Martin Horn startet in seine zweite Amtszeit

Ab dem 1. Juli läuft für Martin Horn die zweite Amtszeit. Weitere acht Jahre hat der OB in Turnschuhen das Sagen im Freiburger Rathaus. Seine Bilanz - und seine Baustellen.

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Von Autor/in Marion Eiche, Jana Lange

Bewusst, dankbar und freudig leben!

Auf in die nächsten acht Jahre. Als parteiloser Oberbürgermeister der Stadt Freiburg im Breisgau startet Martin Horn heute, am 1. Juli 2026 in seine zweite Amtszeit. Bei seinem ersten und überraschenden Wahlsieg 2018 war er mit 33 Jahren noch blutjung für einen Rathauschef einer Großstadt, unerfahren und unbekannt in der Region. Inzwischen ist er Familienvater von drei Kindern, kommunalpolitisch gewieft und so bekannt wie ein bunter Hund über die Grenzen von Freiburg hinaus. Vieles hat er geprägt, viele Herausforderungen bleiben bestehen. Hier eine Auswahl.

Der Social-Media-OB und Medienmensch

Tiktok, Facebook, Instagram. Martin Horn hat Social Media im Freiburger Rathaus groß gemacht. Der offizielle Insta-Kanal des Oberbürgermeisters Martin Horn hat 47.200 Followerinnen und Follower. Dort hat er zuletzt etwa die Top-5-Orte bei Hitze in Freiburg gepostet. Seine bunten "Socken des Tages" wurden so oft auf Social Media angesprochen, dass er sich darauf nicht mehr reduzieren lassen will. Es ginge ihm um Inhalte, sagte der OB im SWR-Interview zur zweiten Amtszeit.

Und neben den berühmten Socken? Martin Horn mit seinen Kindern und seiner Frau Irina, Martin Horn mit einem großen Eis in der Hand, Martin Horn mit Angela Merkel, Martin Horn auf dem Mountainbike-Downhill-Trail, und auf der 10-Kilometer-Strecke beim Freiburg-Marathon spricht er beim Laufen in ein kleines Mikro, um sich bei allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern zu bedanken. "Geile Stimmung. Danke Freiburg!"

Martin Horn, Oberbürgermeister der Stadt Freiburg ist sehr aktiv auf Social Media
Archivbild: Martin Horn, Oberbürgermeister der Stadt Freiburg ist sehr aktiv auf Social Media

Medienrummel scheut er nicht, der Oberbürgermeister ohne Krawatte in Turnschuhen. Er holte Bundeskanzler Olaf Scholz zum Spatenstich des neuen Stadtteils Dietenbach nach Freiburg. Saß beim DFB-Pokal-Endspiel 2022 leidenschaftlich in Berlin auf der Tribüne, und empfing den SC Freiburg im Mai nach dem Europa-League-Finale mit Pomp und Gloria auf dem Messegelände. Und genauso gern hat er sich unter die jungen Leute gemischt, bei den neuen Formaten "Hitzefrei mit Horn" und "Freiburg zockt - E-Sport-Event mit OB Martin Horn". Auf Social Media ist er ganz bewusst unterwegs, eben weil er dort auch junge Leute erreichen und für Kommunalpolitik begeistern kann, wie er im SWR-Interview sagt.

Unter dem medienaffinen OB ist ein Amt für Digitales und IT gegründet worden. Sodass das Manager-Magazin Freiburg Ende 2023 als digitalste Stadt ausgezeichnet hat, wie man auf der Homepage der Stadt lesen kann.

Blick zurück: Der Wahlsieg von Horn im April mit höchster Wahlbeteiligung seit über 40 Jahren

"Freiburg gemeinsam gestalten" - dieses Motto hat dem Amtsinhaber 52,9 Prozent der Stimmen bei der OB-Wahl eingebracht. Gleich im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit, bei acht weiteren Kandidierenden. In fast allen 199 Wahlbezirken lag Horn vorn, auch in Hochburgen der Grünen, CDU und AfD. Die Wahlbeteiligung war mit 56,1 Prozent so hoch wie seit 1982 nicht mehr.

Nach der Wahl spendete der parteilose Martin Horn dem SPD-Kreisverband Freiburg 50.000 Euro. Das sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Unterstützt wurde er auch von den Parteien FDP und Volt. Michael Wehner von der Landeszentrale für politische Bildung analysierte, Horn habe aus persönlichen Gründen gewonnen, denn sein Wahlkampf sei eher inhaltsleer gewesen.

Horn selbst sagte nach dem Wahlsieg, er glaube, dass ihn die meisten gewählt haben "wegen dem, was wir in den acht vergangenen Jahren gemeinsam erreicht haben."

Aber: Was wurde in der ersten Amtszeit denn erreicht?

Die großen Freiburger Themen haben sich in den letzten acht Jahren nicht verändert. Wohnen und Mieten, Klimaschutz und Mobilität, dazu kamen Sonderposten wie etwa die Verpackungssteuer.  

  • Wohnen

Im Wahlkampf dieses Frühjahr sagte der Oberbürgermeister und Kandidat bei einem Wahlkampftermin: "Erst mal muss man selbstkritisch sagen, dass auch Martin Horn in acht Jahren den Wohnraum in dieser Stadt nicht bezahlbar gemacht hat." Aber: Freiburg sei die mutigste Stadt Deutschlands. Unternehme die größte Wohnraumoffensive in der Geschichte der Stadt. Und dann folgen in seiner Ausführung Zahlen von Investitionen der Stadt, Millionen um Millionen.

Martin Horn und der damalige Bundeskanzler Scholz machen 2024 den ersten Spatenstich für den neuen Stadtteil Dietenbach.
Martin Horn (l.) mit dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und der damaligen Landesministerin für Wohnen Nicole Razavi (CDU) beim ersten Spatenstich für den neuen Stadtteil Dietenbach 2024. Bernd Weißbrod

Martin Horn hat das Dezernat für bezahlbares Wohnen eingeführt. Es wird viel geplant und gebaut. Im neuen Stadtteil Dietenbach werden Erdmassen verschoben, Stromtrassen verlegt. Immer wieder haben Umweltaktivistinnen und -aktivisten Bäume besetzt, um die Abholzung von Waldstücken zu verhindern. Die Vermarktung der bis zu neun-stöckig geplanten Häuserkomplexe läuft. Aber die Sparkasse ist unterwegs aus dem Dietenbach-Großprojekt ausgestiegen, das finanzielle Risiko war ihr zu groß. Und das Vorzeigeprojekt für gemeinwohlorientiertes Bauen "Kleineschholz"? Hier fehlen teilweise Investoren für die Projekte, weil allein der Grundstückserwerb extrem hohe Kosten mit sich bringt.

Gleichzeitig zeigt ein Blick in den Leerstandskataster der Stadt, dass in Freiburg, gerade in den Stadtteilen mit den guten Adressen, weiterhin viel ungenutzter Wohnraum bekannt ist. Daran konnte und kann wohl auch der alte und neue Oberbürgermeister nichts ändern.

  • Klima und Mobilität

Auf dem Rathausplatz hat das Klimacamp Freiburg während der ersten Amtszeit von Martin Horn seine Zelte aufgestellt. Und musste schlussendlich per Gerichtsbeschluss dem Weihnachtsmarkt weichen.

Allerdings will die Stadt bis 2035 klimaneutral werden. 2021 beschloss der Gemeinderat eine Klimaschutzoffensive. Durch den Zukunftsfonds Klimaschutz fließen jährlich bis 2028 Millionen in Klimaschutzprojekte. Die Stadt hat zuletzt auch die Tempo 30-Zonen ausgeweitet und aus Parkplätzen für Autos wurden etwa im Stadtteil Wiehre Fahrrad-Abstellplätze. Und der geplante Stadttunnel? Dazu gibt es erstens geteilte Meinungen in Freiburg, und zweitens wahrscheinlich zu wenig Geld aus Berlin.

Martin Horn beim Bikefestival Freiburg
Oberbürgermeister Martin Horn beim Bikefestival in Freiburg Florian Breitenberger/Bikefestival

Beim Thema Stadtklima hat Martin Horn das Erbe seines Vorgängers übernommen. Gegen die Hitze vor allem auf der versiegelten Fläche am Platz der Alten Synagoge sollen nun Grünoasen aus mobilen Pflanzkästen mit Bäumen helfen. Diese Schattenplätze will Martin Horn in seiner zweiten Amtszeit weiter ausbauen, denn er sieht sie auch als Orte der Begegnung, wie er im SWR-Interview betont. Wie sich das Stadtklima mit dem Bau des riesigen neuen Stadtteils Dietenbach und weiteren Bauprojekten verändern wird, ist fraglich.

Auch in seiner zweiten Amtszeit wird Horn für viele Projekte Mehrheiten im Gemeinderat organisieren müssen. Der parteilose Oberbürgermeister setzt dabei weiter auf sein Wahlkampfmotto "Freiburg gemeinsam gestalten". Denn die großen Herausforderungen - bezahlbarer Wohnraum, Klimaschutz und Mobilität - bleiben.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Marion Eiche
Marion Eiche, SWR Studio Freiburg
Jana Lange
Jana Lange, neue Leiterin des SWR Studios Freiburg

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