Die Zahl der Kindeswohlgefährdungen in Baden-Württemberg ist auf einem neuen Höchststand. Das berichtet das Statistische Landesamt am Montag. Und so wächst auch die Zahl der Kinder, die vom Jugendamt in Obhut, aus den Familien genommen werden müssen. Doch die Plätze für die Kinder und Jugendlichen sind rar. In Bad Säckingen (Kreis Waldshut) hat man die wachsende Not schon lange erkannt. Hier wird am Dienstag ein neues Haus offiziell eingeweiht.
Wenn es schnell gehen muss: Platz für 8 Kinder ab 6 Jahren
Acht Kinder im Alter zwischen sechs und 18 Jahren sollen in dem Haus künftig bei einer Notsituation kurzfristig unterkommen. Bislang hatte der Träger, die "pro juve"-Caritas Jugendhilfe Hochrhein, lediglich drei Plätze für sogenannte Inobhutnahmen. Die Kinder und Jugendlichen wurden dann in bestehenden Wohngruppen untergebracht, bis ein geeigneter Platz gefunden wurde. Im vergangenen Jahr mussten im Landkreis Waldshut 62 Kinder in Obhut genommen werden. Tendenz steigend.
Das neue Haus hat 1,55 Millionen Euro gekostet. Zuschüsse gab es keine. Der Betreiber geht davon aus, dass die Kinder in dem Haus bis zu drei Monate rund um die Uhr betreut werden, bis ein Platz für sie gefunden wird. So lange werden sie von den Mitarbeitenden nicht nur betreut, sondern auch darin unterstützt, das Erlebte zu verarbeiten.
Ausreißer an Grenze gestoppt - Inobhutnahme in Grenznähe
In Grenznähe kommt es immer wieder zur Inobhutnahme sogenannter Ausreißer, die daheim abgehauen sind und an der Grenze aufgegriffen werden. Bis sie nach Hause geholt werden können, stehen sie unter dem Schutz der Jugendämter.
Kindeswohlgefährdungen nehmen zu - 2025 zehn Prozent mehr
In der Vergangenheit ist die Zahl der Kinder, die in Obhut genommen werden mussten, stark angewachsen. In Baden-Württemberg wurden im vergangenen Jahr 7.544 Fälle von Kindeswohlgefährdung gemeldet. Das sind mehr als ein Zehntel im Vergleich zum Vorjahr. Seit dem Jahr 2017 gibt es jährlich eine Zunahme an Fällen.
Zum achten Mal in Folge Neuer Höchststand von Kindeswohlgefährdungen in Baden-Württemberg
Nach Angaben des Statistischen Landesamts gab es im vergangenen Jahr mehr als 7.500 Fälle von Kindeswohlgefährdung. Seit 2017 sind die Fallzahlen damit um 92 Prozent gestiegen.
Landesweit meldeten vor allem Polizei und Justizbehörden mögliche Kindeswohlgefährdungen an das Jugendamt. Rund ein Fünftel aller Meldungen stammte im Jahr 2025 aus der Bevölkerung, also von Verwandten, Bekannten, Nachbarn oder anonymen Hinweisgebern. Auch Schulen berichteten dem Jugendamt von Verdachtsfällen und ein Zehntel der Familien wandte sich selbst an die Behörden, um Hilfe zu erfahren.
Kindeswohlgefährdung - Vernachlässigung besonders häufig
In über der Hälfte der Fälle (56 Prozent) wurden Anzeichen von Vernachlässigung festgestellt. In in etwas weniger Fällen lagen Hinweise auf psychische (45 Prozent) und in 39 Prozent auf körperliche Misshandlungen vor. Bei fünf Prozent aller Fälle ging es auch um sexuelle Gewalt. Mehrfachnennungen waren möglich. Für drei Viertel aller Kindeswohlgefährdungen waren die Eltern oder zumindest ein Elternteil verantwortlich.
Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald testet Kindeswohlgefährdung: Kann KI dem Jugendamt helfen, Kinder zu schützen?
Ist ein Kind potenziell gefährdet, müssen die Fachkräfte des Jugendamtes schnell handeln. Im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald soll bei der Entscheidung jetzt eine KI helfen.