Schwere Kopfverletzungen nehmen zu

Immer mehr E-Scooter-Unfälle in Baden-Württemberg - Unfallmediziner besorgt

Die Zahl der E-Scooter-Unfälle steigt deutlich, besonders in der Ortenau. Experten warnen vor getunten Fahrzeugen, fehlenden Helmen und riskantem Verhalten.

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Von Autor/in Felix Roche

Immer mehr Unfälle, immer mehr schwere Verletzungen: Die Risiken von E-Scootern werden oftmals unterschätzt. Das zeigen die aktuellen Zahlen. Tuning und Fahren ohne Helm gelten als Hauptursache für schwere Blessuren. Unfallmediziner warnen eindringlich vor den Gefahren. Denn Stürze können auch tödlich enden.

Aus dem Stadtbild sind sie nicht mehr wegzudenken: E-Scooter werden laut Verkehrsexperten immer häufiger genutzt - und damit steigt auch die Zahl der Unfälle. Im ersten Halbjahr wurden in Baden-Württemberg 1.290 Unfälle mit E-Scootern gezählt. Das sind 46 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Polizist bei einer E-Scooter-Kontrolle in Baden-Baden
Ein Polizist bei einer E-Scooter-Kontrolle in Baden-Baden. Ben Hofmann

Offenburg und Lahr in der Ortenau als Hotspots

Auch das Polizeipräsidium Freiburg beobachtet in seinem Verantwortungsbereich einen deutlichen Anstieg: Im Vergleich zu 2024 hat sich die Zahl 2025 mit 212 Unfällen fast verdoppelt. In der Ortenau war es bei 122 E-Scooter-Unfällen im ersten Halbjahr 2026 sogar ein Anstieg um 87 Prozent. Die Polizei sieht in Offenburg und Lahr im Ortenaukreis Unfallschwerpunkte.

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In der Ortenau nehmen E-Scooter-Unfälle deutlich zu. Viele Fahrzeuge sind getunt und zu schnell unterwegs, was wegen kleiner Räder und schlechten Bremsen gefährlich ist. Die Polizei reagiert mit Kontrollen.

Die Stadt Lahr will jetzt reagieren: Nach regelmäßigen Beschwerden über rücksichtsloses Verhalten von E-Scooter-Fahrerinnen und Fahrern plant sie, die zentrale Lahrer Marktstraße künftig auch abends und am Wochenende für E-Scooter und Fahrradfahrer zu sperren. Das Verbot soll ab März 2027 gelten - dann sollen die Verkehrsregeln für Elektroroller an die Regeln für Fahrräder angepasst werden.

Ein Grund für die zunehmenden Unfälle sind unter anderem schnellere Fahrzeuge. E-Scooter dürfen nur bis zu 20 Kilometer pro Stunde fahren. Es kommt jedoch häufiger vor, dass die Fahrzeuge getunt werden, also technisch so manipuliert, dass sie schneller fahren können. "Teilweise fahren die E-Scooter mit 40 Kilometern pro Stunde, obwohl die Bremsen dafür nicht ausgelegt sind", so ein Sprecher der Polizei Offenburg.

Helmpflicht für E-Scooter-Fahrer: Ja oder Nein?

Außerdem gibt es bislang wie beim Fahrrad keine Helmpflicht. Ein Helm kann dafür sorgen, dass Fahrende besser vor schweren Kopfverletzungen geschützt sind. Überprüfen könne man eine Helmpflicht aber nur schwer, erklärt das Landesverkehrsministerium und setzt daher auf eine Empfehlung zum Helmtragen. Dadurch könnten sich die Fahrenden selbst schützen.

Der Bundesverband der Elektrokleinstfahrzeuge sieht das Problem dagegen weniger in den Fahrzeugen selbst, sondern eher beim Verhalten der Nutzer im Straßenverkehr. Eine Sensibilisierung für die Regeln könnte helfen, die Zahl der Unfälle zu verringern, glaubt der Verband.

E-Scooter mit einem Helm am Lenker
Eine Helmpflicht gibt es für E-Scooter bislang nicht - jedenfalls nicht, solange sie nicht schneller als 20 km/h fahren. Roland Weihrauch

Die Verletzten sind oft die Rollerfahrer selbst

Im Jahr 2025 waren laut Statistischem Bundesamt 83,7 Prozent der Verunglückten jünger als 45 Jahre. Mehr als die Hälfte war sogar jünger als 25 Jahre. Dazu seien viele Unfälle mit den E-Rollern sogenannte Alleinunfälle. Die Unfälle passieren also ohne eine Einwirkung Dritter, erklärt die Landesverkehrswacht.

Uniklinik Freiburg: Schwere Kopfverletzungen nehmen zu

Ferdinand Wagner, der stellvertretende Leiter des Notfallzentrums an der Uniklinik Freiburg, sieht nach E-Scooter-Stürzen immer wieder schlimmere Kopfprellungen, mitunter mit Blutungen im Kopf - meist bei jungen Menschen, die ohne Helm unterwegs waren. Aber auch Oberschenkelbrüche gehören zum Bild. E-Scooter seien nun mal keine Spielzeuge, sagt er und empfiehlt dringend, einen Helm zu tragen. Dazu solle man "nicht betrunken fahren und auch nicht mit mehreren Personen auf einem Gerät."

Eine Polizistin überprüft einen E-Scooter bei einer Kontrolle in Baden-Baden.
Eine Polizistin überprüft einen E-Scooter bei einer Kontrolle in Baden-Baden. Ben Hofmann

Als Fahrer auf einem E-Scooter sei man nicht so gut geschützt, erklärt Wagner: "Dadurch ist es fast so, als würde man als Fußgänger mit einem Auto kollidieren, aber man ist mit einer höheren Geschwindigkeit unterwegs." Es müsse das Bewusstsein gestärkt werden, dass man "am Verkehr teilnimmt und die Verkehrsregeln beachtet."

Neben einem Helm würde auch mehr Verkehrserziehung an den Schulen helfen, erklärt die Landesverkehrswacht. Nach der Radfahrausbildung in der Grundschule hätten Kinder kaum noch Berührungspunkte mit dem Thema Verkehrssicherheit. Deswegen entwickelt die Landesverkehrswacht derzeit E-Scooter-Fahrsicherheitstrainings für Schülerinnen und Schüler.

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Felix Roche