Der Geruch von verbranntem Holz und geschmolzenem Plastik liegt schwer in der Luft. Markus Böhler und seine Frau Louise Haberstroh stehen vor den verkohlten Überresten ihres Hauses. Auch die Blicke ihrer zwei Kinder – Emilia, 11, und Maximilian, 3 – wandern über die schwarzen Balken und zerbrochenen Fenster: Folgen des Großbrands in Lörrach am ersten Weihnachtsfeiertag, bei dem ein Mann schwer verletzt wurde und viele Menschen ihr Zuhause verloren. Die Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung nach dem Feuer war enorm. Trotz der Welle der Solidarität in Lörrach weint Louise Haberstroh.
Nicht nur um ihr Haus, sondern um die vertraute Nachbarschaft, die das Feuer abrupt beendet hat. Der Bruder ihres Mannes wohnte neben ihnen, ein guter Freund ebenso – der Brand hat ihre Häuser unbewohnbar gemacht. Deswegen wohnt die Gemeinschaft versprengt in der ganzen Stadt verteilt, teils in Hotels – wie die Böhlers –, teils bei Freunden. Das gemeinsame Grillen im Hinterhof, das vertraute Klopfen der Nachbarn an der Tür – alles passé. Und dennoch sind die sechs betroffenen Familien nicht allein. Eine ganze Stadt steht hinter ihnen.
Was ist passiert?
Um 02:12 Uhr läuteten am ersten Weihnachtsfeiertag bei der Lörracher Feuerwehr die Alarmglocken. Mehrere der älteren und eng bebauten Reihenhäuser in Lörrach standen in Flammen. Alle Bewohnerinnen und Bewohner, darunter Familien mit Kindern, mussten in der Weihnachtsnacht ihre Häuser verlassen. Ein Mann wurde schwer verletzt. Er sei mittlerweile außer Lebensgefahr, sagt die Polizei, doch er müsse weiterhin in einer Spezialklinik behandelt werden. Der Vorfall hat eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst.
Die Hilfsbereitschaft sei unfassbar groß, sagt der Lörracher Gastronom Mick Gäntzel. Er baut in der Lörracher Innenstadt gerade eine Bar um. Die ist zwar noch nicht ganz fertig. Aber nach dem Brand hat er sie spontan für die Aktion "Lörrach spendet" für drei Tage geöffnet. 140 Menschen haben Kuchen gebacken, eine Lörracher Brauerei und ein Weingut haben Getränke gestiftet. So kamen an drei Tagen fast 36.000 Euro zusammen.
Mit so einer riesigen Hilfsbereitschaft habe er nicht gerechnet, sagt Gäntzel. Er habe auch Gutscheine im Wert von 1.200 Euro von Lörracher Unternehmen bekommen, damit die Familien einkaufen können. Ein Elektrohändler habe sich bei ihm gemeldet, mit dem Versprechen, den Familien bei Renovierungen zu helfen.
Mir blutet das Herz.
Ein Nachbar der Familie hat zudem im Internet einen Spendenaufruf gestartet. Stand Sonntagvormittag kamen dort 145.000 Euro zusammen. Das Geld soll an alle acht Haushalte gehen, die von dem Großbrand betroffen sind. Initiator Peter Geiselhart schreibt dort, dass seine Nachbarn mit ihren Kindern vor dem Nichts stünden. Bei dem Spendenaufruf im Internet ist auch eine Dankesbotschaft der Betroffenen zu lesen, in der sie von einer überwältigenden Hilfsbereitschaft sprechen, die sie berühre und sprachlos mache.
Mehr als eine Million Euro Sachschaden bei Großbrand
Drei Häuser wurden bei dem Brand komplett zerstört. Mehrere Familien mit Kindern werden erst einmal nicht wieder nach Hause zurückkehren können. Die Polizei schätzt den Schaden inzwischen auf mehr als eine Million Euro. Aktuell sind Kriminaltechniker der Polizei vor Ort, um die Brandursache zu ermitteln. Laut Polizei ist das Feuer offenbar von einer Art Kamin ausgegangen. Ob menschliches Versagen oder ein technischer Defekt den Brand verursacht hat, wird noch untersucht.