"Faktenbasis" zur Landtagswahl

BW in Wirtschaftskrise: Wie viele Firmen gehen pro Tag pleite?

BW steckt in der Wirtschaftskrise, vor allem die Autoindustrie ist betroffen. Aber auch mittlere und kleinere Unternehmen leiden. Viele müssen aufgeben.

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Stand

Von Autor/in Henning Otte

Die schleppende Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren viele Firmen in Baden-Württemberg in die Knie gezwungen. Im Landtagswahlkampf beklagt die AfD immer wieder diese Entwicklung. Ihr Spitzenkandidat und Landesparteichef Markus Frohnmaier erklärte kürzlich bei einer Veranstaltung in Karlsruhe: "Wir leben mittlerweile in einem Land, in dem jeden Tag acht Unternehmen bankrottgehen." Stimmt das?

Wenn die Behauptung stimmen würde, wären das 2.920 Insolvenzen pro Jahr in Baden-Württemberg. Unter Insolvenz versteht man, wenn Unternehmen ihre Schulden oder Verbindlichkeiten gegenüber ihren Gläubigern nicht mehr begleichen können.

Tendenz bei Pleiten geht nach oben

Die Zahl für 2025 liegt noch nicht offiziell vor. Laut Statistischem Bundesamt haben in Baden-Württemberg zwischen Januar und Oktober des vergangenen Jahres 2.229 Firmen Insolvenz beantragt. Umgerechnet wären das im Schnitt 7,3 Pleiten pro Tag. Die Auskunftei Creditreform hat die Zahl schon vor einiger Zeit für 2025 hochgerechnet und kam auf 2.740 Insolvenzen. Das wären gut 7,5 Pleiten pro Tag - und somit nach oben gerundet etwa 8.

Zwei Drittel der insolventen Firmen mit weniger als zehn Beschäftigten

Was die Größe der betroffenen Unternehmen angeht, hatten laut Statistik zwei Drittel der Firmen nicht mehr als zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bis Oktober 2025 sind demnach 37 Unternehmen mit mehr als hundert Beschäftigten in BW pleitegegangen. Allerdings weist das Statistische Landesamt in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) darauf hin, dass man nur bei etwa der Hälfte der Insolvenzen erfahre, wie viele Beschäftigte davon betroffen sind.

Schon 2024 war die Liste der BW-Unternehmen, die pleitegegangen sind, lang. Insgesamt wurden an den Amtsgerichten im Land 2.445 Unternehmensinsolvenzen beantragt. Das waren im Schnitt 6,7 pro Tag. Laut Statistischem Landesamt in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) waren das 30,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor. In Baden-Württemberg waren es zudem mehr als im bundesweiten Vergleich.

BW-Wirtschaftsministerium hält Struktur noch für widerstandsfähig

Das BW-Wirtschaftsministerium erklärte dazu: "Die absolute Zahl der Insolvenzen zeichnet nur ein unvollkommenes Bild der Wirtschaftslage. Natürlich steigen in der Rezession die Insolvenzen." Es verweist zudem auf weitere Zahlen des Statistischen Landesamts, wonach die Zahl der Insolvenzen bezogen auf die Gesamtzahl der Unternehmen im Land im Vergleich zu anderen Bundesländern niedrig sei - und das deute auf eine immer noch widerstandsfähige Wirtschaftsstruktur hin. Nach den jüngsten Zahlen von 2023 gab es in BW 465.000 Firmen.

Zahl der Insolvenzen noch nicht auf Allzeithoch

Die Pleiten sind auch nicht auf einem Allzeithoch. Zu Beginn der 2000er Jahre lagen die Zahlen laut Statistischem Landesamt über mehrere Jahre hinweg deutlich höher, bei über 3.000. Jedoch nähert man sich 2025 der Zahl von Insolvenzen an, die in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 verzeichnet wurden - damals waren es 2.850.

Das Ministerium erklärt dazu, die Zahl der Insolvenzen sei ein "weiteres Symptom der Wachstumskrise", mit der die Wirtschaft zu kämpfen hat. "Wenn die Anzahl der Insolvenzen so hoch ist wie seit 2010 nicht mehr, unterstreicht das die Dringlichkeit von Strukturreformen, die Unternehmertum ermutigen."

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Trend bei Gründungen zeigt nach oben

In der Diskussion über Insolvenzen wird häufig argumentiert, man müsse im Gegenzug auch die Zahl der Neugründungen betrachten. Im Jahr 2024 gab es unter dem Strich 14.264 zusätzliche Unternehmen in Baden-Württemberg, heißt es vom Statistischen Landesamt. Hier werden Anmeldungen und Abmeldungen gegengerechnet.

Für 2025 weist das Statistische Bundesamt bis Oktober 21.702 zusätzliche Firmen für Baden-Württemberg aus. Das wäre ein klarer Aufwärtstrend. Das Wirtschaftsministerium warnt aber: Ein einfaches Gegenrechnen mit den Gewerbeanmeldungen sei "nicht zu empfehlen, da hier nicht nur Neugründungen erfasst werden, sondern auch Ummeldungen".

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Die Behauptung von Frohnmaier geht in die richtige Richtung, ist aber etwas unpräzise. Selbstverständlich ist es legitim, die Gesamtzahl der Insolvenzen innerhalb eines Jahres auf den Tag herunterzubrechen, um die Dimension klarer zu machen. Jedoch erweckt die Formulierung "mittlerweile" den Eindruck, als sei es in jüngerer Zeit nie vorgekommen, dass die Pleiten stark ansteigen. Das ist aber nicht der Fall, denn Anfang der 2000er Jahre lagen die Zahlen deutlich über dem jetzigen Wert.

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Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Henning Otte
SWR-Reporter und -Redakteur Henning Otte, SWR Landespolitik

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