Als die Meldung kam, dass in Venezuela zweimal in kürzester Zeit die Erde bebte, wusste Tino Günther noch nicht, dass er einige Tage später dorthin fliegen würde. Zwar ist der Ravensburger im "Emergency Medical Team", also dem medizinischen Notfallteam der Hilfsorganisation Die Johanniter. Doch die Einheit rückt nur dann aus, wenn sie angefordert wird.
Auf Anforderung der venezolanischen Regierung und der Weltgesundheitsorganisation WHO entsenden die Johanniter am Dienstag ein 28-köpfiges medizinisches Team ins Erdbebengebiet. Das Team besteht aus Ärzten, medizinischem Fachpersonal sowie Experten für Logistik und psychosoziale Nachsorge. Die Helferinnen und Helfer kommen aus acht verschiedenen Landesverbänden aus ganz Deutschland.
13 Tonnen Material für Hilfe in Venezuela
Für den Notfallsanitäter Tino Günther ist es der erste Einsatz dieser Art, wie er sagt. Er werde in Venezuela sozusagen als "Arzthelfer" dabei sein - also die Ärzte unterstützen und kleinere Verletzungen versorgen. Sein Team und er sind darauf spezialisiert, in Katastrophengebieten eine kontinuierliche ambulante Versorgung sicherzustellen - insbesondere dann, wenn lokale Strukturen der Gesundheitsversorgung teilweise oder vollständig ausfallen.
Durch das Erdbeben sind die Medikamente der Bevölkerung zerstört worden - und die medizinische Infrastruktur hat stark gelitten.
13 Tonnen Material bringe das Team dafür mit, sagt Günther. Damit könne man eine eigene kleine Arztpraxis in Zelten aufbauen. Das sei auch nötig, denn: "Durch das Erdbeben sind die Medikamente der Bevölkerung zerstört worden - und die medizinische Infrastruktur hat stark gelitten." Auch Feldbetten, eine Wasseraufbereitungsanlage und mobile Toiletten bringe die Gruppe mit. Zwei Wochen lang könne man sich so autark versorgen, also über die gesamte Zeit des Einsatzes. An welchem Ort genau die Gruppe eingesetzt wird, wisse sie noch nicht.
Vorbereitung auf Katastrophen-Einsätze startet weit im Voraus
Auf Einsätze wie diesen haben sich Tino Günther und sein Team schon lange im Vorfeld vorbereitet. Drei- bis viermal im Jahr treffen sie sich in Frankfurt, um im Ernstfall bereit zu sein. "Die 13 Tonnen Material müssen wir regelmäßig pflegen und warten", sagt der Ravensburger. Auch auf die standardisierten Abläufe werde man geschult, die im Ernstfall befolgt werden müssten.
Zudem veranstalte der europäische Katastrophenschutz regelmäßig Großübungen, bei denen sich Einheiten aus den unterschiedlichsten Ländern träfen. "Wenn man wirklich üben will, eigenen sich diese Übungen sehr gut, weil sie sehr umfangreich und herausfordernd sind."
Johanniter fliegt mit gemischten Gefühlen nach Venezuela
In den Einsatz geht Günther dennoch mit gemischten Gefühlen: "Die Bilder von den vielen Gebäuden, die zerstört worden sind, und von den Dramen, die sich dort abspielen, werden sicherlich bedrückend sein." Doch er vertraue auf sein Team. "Wir kennen unsere Teammitglieder sehr gut - und über viele Jahre." Unabhängig davon sei die größte Motivation ohnehin, dass die Hilfe vor Ort enorm benötigt werde.