Bürokratieabbau, Landesmedienzentrum, Oper

Palmer, Kurz, Oettinger: Landesregierung setzt auf externe Berater

Bürokratieabbau, Landesmedienzentrum, Oper in Stuttgart - drei Bereiche, in denen es viel zu tun gibt für die Landesregierung. Die holt sich Polit-Promis zu Hilfe - eine gute Idee?

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Von Autor/in Christian Susanka, Henning Otte

"Ziel muss es sein, die Bürokratie auszutrocknen. Das Problem sitzt nicht in den Amtsstuben, sondern in den Köpfen." Markige Worte, mit denen Boris Palmer (parteilos) seine neue Aufgabe als Berater für Staatsmodernisierung beschreibt. Das berichtet Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) bei einer Landkreisversammlung in Tuttlingen. Erst vergangene Woche habe er ein Gespräch mit seinem neuen Berater für Verwaltungsvereinfachung gehabt. Fazit: Die Vision: Aus "teuer, langsam und ineffektiv" müsse "günstig, schnell und effektiv" werden.

Boris Palmer in der Tübinger Altstadt. Er betont, dass die AfD kein ostdeutsches Problem sei.
Boris Palmer (parteilos) will die Bürokratie austrocknen (Archivbild). SWR/ Anne Schmidt

Berater Kurz sieht ambitionierten Zeitplan

Deutlich zurückhaltender im Hinblick auf seine Berater-Aufgabe gibt sich Peter Kurz (SPD). Der ehemalige Oberbürgermeister von Mannheim und Träger des Weltbürgermeister-Preises soll das Landesmedienzentrum neu aufstellen, nachdem es zuletzt wegen unseriöser Ausgaben in die Schlagzeilen gekommen war.

Der Neuanfang sei nicht nur eine Frage der richtigen Struktur. Kurz berichtet dem SWR von einem ambitionierten Zeitplan. Bis zum nächsten Schuljahr solle die Neuaufstellung vorgenommen sein, im Augenblick wolle er nicht mehr dazu sagen.

Peter Kurz (SPD) - Mannheimer Oberbürgermeister
Der ehemalige Mannheimer Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) spricht von einem ambitionierten Zeitplan (Archivbild).

Kommunaler Pragmatismus könnte Probleme lösen

Dass gleich zwei Berater der neuen Landesregierung aus großen Rathäusern kommen, findet der Kommunikationsexperte Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim positiv. Er kann der Taktik durchaus etwas abgewinnen: In den Rathäusern wisse man, wie man auch jenseits von Bedenken und Paragraphen Themen nach vorne bringen könne. "Dieser kommunale Pragmatismus, das hemdsärmelige Rangehen an das Lösen von Problemen, losgelöst von irgendwelchen parteipolitischen Linien, das ist nun erst mal nicht verkehrt", so Brettschneider.

Kommunaler Pragmatismus ist erst mal nicht verkehrt.

Auch dem dritten Berater im Bunde attestiert Brettschneider Qualitäten für die künftige Aufgabe. Der frühere BW-Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU), der die Landesregierung beim Thema Opernsanierung beraten soll, sei in viele politische Richtungen andockfähig, so Brettschneider. Oettinger könne, sowohl bei den Grünen als auch bei der CDU, genauso in der Stadt wie auf dem Lande, helfen, Lösungen zu finden und Krisenmanagement zu betreiben.

Günther Oettinger im Interview mit Journalisten. Er Ex-Ministerpräsident ist unzufrieden mit der Entwicklung in Stuttgart.
Günther Oettinger (CDU) soll die Landesregierung beim Thema Opernsanierung beraten (Archivbild). (Archivbild)

Brettschneider: Am Ende braucht es das Erreichen von Zielen

Voraussetzung für den Erfolg der Berater sei jedoch etwas anderes warnt Brettschneider: "Die Zeit ist vorbei, in der das Benennen von Beratern alleine und wenn sie noch so prominent sind, schon großes Staunen auslöst in der Bevölkerung in Baden Württemberg", ist der Experte überzeugt. "Das alleine hilft nicht, sondern am Ende braucht es das Erreichen eines Zieles. Es muss sich etwas bewegen, es muss substanziell etwas passieren."

Özdemir: Nur eine Chance, den Karren aus dem Dreck zu ziehen

Was hinter der Berater-Taktik steckt, erklärte Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) bereits im September bei der ZDF Sendung "Maybrit Illner" kurz nach der Wahl in Sachsen-Anhalt:

"Ich bin fest davon überzeugt, wir haben nur eine Chance, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, wenn wir die Leute überraschen", so der Politiker. "Mit dem Schneckentempo, das wir haben, werden wir nichts zurückgewinnen." Man müsse an ein paar Stellen überraschen. Es gehe um das, was sich die Politik nicht mehr zutraue: Schnelle Entscheidungen, nicht an einer Bubble orientiert, sondern an dem, was dem Land helfe. Özdemir: "Was wir jetzt bräuchten, sind Entscheidungen, die mutig sind."

Cem Özdemir (Bündnis 90Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg
Cem Özdemir will mit mutigen Entscheidungen "den Karren aus dem Dreck ziehen" (Archivbild). Picture Alliance

SPD-Abgeordneter: Dauerschleife ist nervig

Die Notwendigkeit, dass bei festgefahrenen Themen etwas passieren muss, sehen auch Abgeordnete im Landtag von Baden-Württemberg. Am Rande einer Plenarsitzung, die sich mit der notwendigen Opernsanierung beschäftigt, sagt der SPD-Abgeordnete Boris Weirauch dem SWR: "Die Erneuerung der Oper begleitet uns schon seit Jahren und ich habe so das Gefühl, wir sind da in irgendeiner Endlosschleife", bilanziert der Politiker.

"Das Thema wird nicht gelöst, es gibt immer wieder neue Vorschläge, man dreht sich aus meiner Sicht im Kreis und wir als Landtag beschäftigen uns ständig mit diesem Thema." Das Problem sei, dass es viele solcher "Evergreen-Themen" gebe, das sei auf die Dauer ziemlich nervig, so Weirauch weiter.

Frank Brettschneider hat den Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaften an der Universität Hohenheim inne.
Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider: Landtag muss nicht auf Berater hören (Archivbild) picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod

Berater bringen auch Kontrollverlust

Kommunikationsexperte Brettschneider gibt zu: Berater in den politischen Prozess mit hineinzunehmen, um neue Lösungen aufzuzeigen, sei ein Schritt nicht ohne Risiko. "Man hat dann nicht mehr alles in der Hand. Man schreibt nicht den Regieplan dafür, sondern dafür sind dann diese Berater da", so der Experte. "Ich finde das aber positiv, wenn eine Landesregierung dieses Risiko eingeht." Was mit den Empfehlungen der Experten im Anschluss passiere, sei wiederum Sache der Landesregierung.

"Und da wäre ich sehr für eine selbstbewusste Politik, auch für einen selbstbewussten Landtag. Der muss nicht machen, was Berater vorschlagen", rät der Kommunikationsexperte. "Er kann sich das angucken, er kann sich auch anders entscheiden. Dann muss er allerdings gut begründen, warum er sich anders verhält als empfohlen. Aber die Möglichkeit hat er natürlich."

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Autor/in
Christian Susanka
Henning Otte
SWR-Reporter und -Redakteur Henning Otte, SWR Landespolitik

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