Abkühlung von den heißen Themen im Sommerloch

Die Waldbrände, die Hitzewelle, die Personalquerelen bei der CDU und in der Regierung - die Nachrichten kennen keine Pause. Aber wir bräuchten dringend eine Auszeit, eine Abkühlung im Sommerloch, mit passendem Tier dazu, meint Marie Gediehn in ihrer Kolumne. Feedback? Gerne! Kolumne@swr.de

Teilen

Stand

Von Autor/in Marie Gediehn

Abkühlung von den heißen Themen - Wo bleibt das Sommerloch?

Es brennt in Europa: unter anderem in Spanien, in Portugal, in der Türkei, auf Kreta - und in Frankreich brennt es bei Bordeaux, in der Gironde, da ist eine Fläche betroffen, viermal so groß wie Paris, hieß es in den Nachrichten. Dann habe ich gehört: Die betroffene Fläche sei so groß wie Köln. Das waren deutsche Nachrichten, da sucht man vielleicht eher nach einer deutschen Vergleichsgrößen-Stadt. Oder eben nach der Vergleichsgrößen-Hauptstadt des Landes, in dem es brennt? Da scheinen verschiedene Vergleichs-Philosopien aufeinanderzutreffen.

Aber die eigentliche Frage ist ja: Warum wird die betroffene Fläche nicht mit dem Saarland oder mit Fußballfeldern verglichen, um das Ausmaß der Zerstörung zu veranschaulichen: Beim Saarland würden wir von rund einem Fünftel reden, bei Fußballplätzen von etwa 56.000. Nur, falls Sie sich das gerade gefragt haben.

Aber es steht ja nicht nur gefühlt halb Europa in Flammen. In Berlin brennt im übertragenen Sinn die Kanzlerhütte. Und wenn im Konrad-Adenauer-Haus ein Baum stehen würde, würde der auch brennen. Friedrich Merz versucht offenbar, einen Flächenbrand zu verhindern, aber einzelne Glutnester in den Landesverbänden lodern recht hartnäckig - und niemand weiß, wann Jens Spahn wieder wie Phoenix aus der Asche aufsteigt, um - ja, was eigentlich - doch noch Kanzler zu werden?

Es bräuchte dringend ein bisschen Abkühlung, egal ob an der französischen Atlantikküste oder an der Spree, stattdessen hat uns aber schon wieder eine dramatische Hitzewelle im Griff - und meine einzige verbliebene Frage wäre: Wo bleibt das Sommerloch?

Und nein, ich meine damit nicht die Nachricht, dass Gianni Infantino den Fußball an Investoren verkaufen will, also Anteile an der FIFA, angeblich Anteile so groß wie Mar a Lago, diesen Privat-Club von Donald Trump- das sind übrigens knapp eineinhalb Fußballplätze. Nein, das ist eben kein Sommerloch-Thema, denn das ist ja real, leider. Genauso real wie die Krise der deutschen Automobilindustrie, die gestiegene Inflationsrate und und und. Und all das passt ja inzwischen schon gar nicht mehr in eine einzelne Nachrichtensendung, selbst wenn die die Größe von, nein, ich sag nichts, aber ich frage nochmal: Wo bleibt das Sommerloch?

Wo die ausgebrochene Löwin, die durch das versteppte Brandenburger Umland von Berlin tigert? Wo der Riesenwels, der aus dem Baggersee heraus ganze Dackel von der Leine verfrühstückt? Problembär Bruno, Gott hab ihn selig, das waren noch Zeiten. Wo sind diese Tiere? Fehlt, weil inzwischen überall gespart wird, am Ende einfach dieser eine Praktikant in der Lokalredaktion, der bereitsteht, ohne Rücksicht auf eigene Verluste durch die Affenhitze über menschenleere staubige Straßen zu heizen, um in einem abgelegenen Dorf in Mecklenburg Oma Kasuppke zu befragen, weil die sich gemeldet hat, nachdem sie eindeutig den Yeti im Flimmern der Mittagshitze am nahen Waldrand erkannt zu haben meint?

Im Internet steht: Ein Sommerloch-Tier ist ein eingebildetes oder reales, in der Regel exotisches, ausgebüxtes Tier. Haben SIE diesen Yeti nicht vielleicht auch gesehen? Wir alle bräuchten das so dringend, für ein klassisches Sommerloch, ungefähr so groß wie das Saarland, was im Übrigen 358.000 Fußballfeldern entspräche.