Bernd Neuendorf und Hans-Joachim Watzke sind noch nicht mal am Flughafen vorgefahren, da erscheint das wichtigste Hindernis ihrer "Mission Bundestrainer" bereits beseitigt. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wird für seinen Traumkandidaten Jürgen Klopp keine millionenschwere Ablöse an Red Bull zahlen müssen. Der Vertrag bis 2029 lasse sich auch so auflösen, Klopp bleibe Werbebotschafter für das Unternehmen, berichtete die "Bild-Zeitung" am Donnerstag.
Klopps Gehalt soll nur unwesentlich über Nagelsmanns liegen
Klopp, geboren in Stuttgart, werde demnach als Bundestrainer für einen WM-Zyklus bis 2030 unterschreiben. Mittlerweile seien zwischen dem Verband sowie dem ehemaligen Mainzer Trainer alle "wesentlichen Punkte" besprochen - auch das Gehalt, das "minimal" über jenen sieben Millionen Euro liegen soll, die der zurückgetretene Julian Nagelsmann jährlich kassierte. Sein alter BVB-Freund Watzke hatte Klopp in einem Interview bereits einen "Patriotismusabschlag" nahegelegt. Zudem soll der 2014er-Weltmeister Per Mertesacker zum DFB kommen.
Red Bull setzt wohl auf Werbefigur an der Seitenlinie
Die Auflösung von Klopps Vertrag als Red-Bull-Fußballchef galt als wichtigste Hürde, die auf dem Weg ins Amt des Bundestrainers zu nehmen ist. Klopp (59) sei als omnipräsente Werbefigur wertvoller für den Energydrink-Konzern als eine Ablöse, heißt es. Ein Bundestrainer mit RB-Kappe? Das wird vielen Fußball-Traditionalisten nicht gefallen, für sie hat Klopp seine Seele mit dem Engagement ohnehin an den Teufel verkauft. Klopps Werbe-Deal mit Adidas (der DFB wird mit Jahresbeginn 2027 zu Nike wechseln) ist "Bild" zufolge ebenfalls kein Problem, da dieser nach der WM ohnehin auslaufe und nicht verlängert werde.
Der DFB lehnte eine Anfrage des Sport-Informations-Diensts (SID) zu den Entwicklungen ab, er will bis zu einer Vertragsunterschrift keine "Wasserstandsmeldungen" kommentieren. Auch Adidas und der zuständige Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff antworteten zunächst nicht.
Per Mertesacker und Hannes Wolf in den Startlöchern?
Mertesacker ist laut des Berichts erster Kandidat für die Nachfolge des zum Jahresende ausscheidenden DFB-Geschäftsführers Andreas Rettig. Der ZDF-Experte (41) hat bereits öffentlich Interesse an einer Position beim Verband bekundet. Für den eloquenten Mertesacker, der nach Abschluss seiner Karriere acht Jahre lang die Akademie des FC Arsenal geleitet hat, warben zuletzt auch Rekordnationalspieler Lothar Matthäus und Bayern-Patron Uli Hoeneß. Zunächst plant Mertesacker allerdings einen "Urlaub" mit anschließender Auszeit, "um zu reflektieren, was ich alles erlebt habe". Ein Einstieg Anfang 2027 könnte daher gut passen. An seiner Seite käme Nachwuchsdirektor Hannes Wolf laut "kicker" eine noch prominentere Rolle zu.
Spurensuche Von Glatten in die große Welt: Was Klopps Heimat über den Wunsch-Bundestrainer sagt
Jürgen Klopp wird immer wieder als neuer Bundestrainer gehandelt. Während er bei der WM noch als Experte im Einsatz ist, blickt seine Heimat Glatten gespannt auf die Debatte.
Gipfel in den USA soll Klarheit bringen
Neuendorf und Watzke werden "SID"-Informationen zufolge am Wochenende wahrscheinlich von Frankfurt/Main aus nach Amerika aufbrechen. Die Bosse des deutschen Fußballs wollen ihren Wunschtrainer, der für "MagentaTV" die WM bis zum Finale begleiten wird, persönlich treffen, um "gegenseitige Vorstellungen auszutauschen". Diese scheinen schon sehr konkret ausformuliert zu sein. Richtung Endspiel soll auch Mintzlaff dazustoßen, beim Gipfel dreier Parteien könnten sich letzte Knoten lösen.
Klopp wird strukturelle Vorstellungen haben. Bis hinunter zur U10 müsse der DFB "alles hinterfragen", hatte er in seinem Expertenjob gesagt. Seinen Bundestrainer-Plan breitete er schon am Tag nach dem blamablen WM-Aus gegen Paraguay im Sechzehntelfinale (3:4 i.E.) live on air freimütig aus. Der DFB erwähnte Klopp dann überraschend namentlich in der offiziellen Kommunikation zu Nagelsmanns Rücktritt. Seitdem wartet die Fußball-Nation auf Vollzug.
Erster Gegner für Klopps Nationalelf wären die Niederlande
Personell scheint Klopp seine Wünsche erfüllt zu bekommen. Peter Krawietz, derzeit "Head of Soccer Philosophy" bei Red Bull, soll einer der Co-Trainer werden. Der zweite wäre Pepijn Lijnders, Klopps langjähriger Weggefährte beim FC Liverpool. Lijnders war zuletzt Assistent von Pep Guardiola bei Manchester City. Derart detaillierte Verhandlungseinsichten hatte es in den vergangenen Tagen noch nicht gegeben. Klopps Debüt wäre der Nations-League-Auftakt in Amsterdam gegen die Niederlande im September.