Glosse

Krächzende Stimme? Da zählt nur die Stimme der Vernunft!

Was ist, wenn die Stimme nicht mehr geht? Der Kabarettist René Sydow musste sich zuletzt durch seine Vorstellungen krächzen – bis irgendwann gar nichts mehr ging.

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Stand

Von Autor/in René Sydow

„Tja, mein Lieber, dann musst du jetzt einfach mal für ein paar Wochen die Klappe halten!“

Nein, dieser Rat kam nicht von meiner Frau, sondern meiner lieben Freundin Annette. Die ist nicht nur eine wunderbare Opernsängerin, sondern auch immer meine erste Ansprechpartnerin, wenn es um das Thema Stimme geht.

In den letzten Monaten hatte ich große Stimmprobleme: Nach unzähligen Bühnenauftritten und zwei Erkältungen in Folge entwickelte sich eine ausgewachsene Stimmbandentzündung bei mir.

So krächzte ich mich durch ein paar Vorstellungen und probierte alles aus: Tabletten und Säfte, Stimmtraining, Inhalieren, das Pusten in Röhren und sogar das Ausspülen des Mundes mit Jod.

Doch nichts half. Also blieb nur der Anruf bei Annette und ihr Rat: Klappe halten!

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold?

Was für den ein oder anderen Zeitgenossen sicher angenehm sein mag, ist für mich eine arge Prüfung: Schweigen. Über Tage, Wochen vielleicht. Mich deprimierte diese Aussicht. Meine Frau schien sich darüber zwar heimlich, aber doch sichtlich zu freuen.

In der Zeit meines Schweige-Gelübdes fiel mir auf, wie wichtig es ist, eine Stimme zu haben. Sowohl politisch, aber auch ganz alltäglich. Dieser wunderbare Code, den wir Sprache nennen, kann man nicht genug loben. Denn er ist voller Zwischentöne und Feinheiten.

Das feine Instrument Sprache

Nehmen Sie einen einfachen Satz: „Im Park blühen wieder die Bäume.“ Ein Satz, der scheinbar klar und deutlich ist, aber genauso unterschiedlich wie ein Klavierstück von vier unterschiedlichen Interpreten klingt, kann dieser Satz vier unterschiedliche Bedeutungen haben. Nämlich je nachdem, wie wir ihn betonen.

Sprache jedenfalls ist ein feines und kompliziertes Instrument und wir müssen üben, um es virtuos zu spielen. Und manchmal geht bei der ein oder anderen öffentlichen Aufführung auch mal etwas daneben. Dann sind wir „verstimmt“.

Und manchmal ist es auch einfach gut, zu schweigen. Zum Beispiel, um seine Stimme wieder zu erlangen. 

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Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
René Sydow
Onlinefassung
Janine Putzek