lesenswert Magazin

Liebe, Herkunft, Krieg

Mit neuen Büchern von Bodo Kirchhoff, Leïla Slimani und Thomas Lang. Mit dem Roman des Österreichischen Buchpreisträgers Dimitré Dinev. Ein Gespräch mit Sebastian Guggolz, dem Vorsteher des Börsenvereins des deutschen Buchhandels.

Teilen

Stand

Showdown in Mumbai

Seit Jahrzehnten erkundet Bodo Kirchhoff, mittlerweile 77 Jahre alt, in seinen Romanen das Wesen der Liebe und das Geheimnis gemeinsam alt gewordener Paare.

Sein neuer Roman „Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt“ ist in dieser Hinsicht vielleicht sein bislang radikalstes Buch. Terese und Vigo sind seit Jahrzehnten verheiratet; nun reist sie ihm hinterher nach Indien, um herauszufinden, was an dieser Beziehung überhaupt noch einen Wert hat.

Wie das ausgeht, kann man von Beginn an vermuten. Welche Wendungen die Geschichte zwischen der Jugendpsychologin Terese und dem Konfliktforscher Vigo nimmt und einst genommen hat, lässt sich in Kirchhoffs Roman auf knapp 600 Seiten mitverfolgen.

Abschluss einer Familiengeschichte

Leïla Slimani, 1981 im marokkanischen Rabat geboren, seit 1999 in Paris lebend, ist ein internationaler Literatur-Superstar. Spätestens, seit sie im Jahr 2020 begann, in ihrer Romantrilogie „Le Pays des autres“ die Geschichte ihrer Familie in Romanform zu erzählen, füllt Slimani auf ihren Lesereisen die großen Hallen.

Mit „Trag das Feuer weiter“ schließt sie ihre Trilogie ab: Die Schriftstellerin Mia leidet nach einer Corona-Infektion an Brain Fog, an Gedächtnisschwund. Also reist sie nach Marokko, in das Land, in dem sie aufgewachsen ist, und beginnt schreibend, ihre Jugend zwischen zwei Kulturen zu rekonstruieren.

In Marokko war sie stets zu französisch; für die Franzosen wird sie immer eine Marokkanerin bleiben.

Ein Jahrhundert auf 1200 Seiten

Alles beginnt mit einem Dienstmädchen, das sich in die Donau stürzen will und stattdessen in den Armen eines jungen Leutnants landet. Opulent, mit Hang zum Monumentalen, ambitioniert und sprachmächtig:

Für seinen Roman „Zeit der Mutigen“ wurde der 1968 in Bulgarien geborene und seit 1990 in Österreich lebende Theaterautor und Schriftsteller Dimitré Dinev mit dem Österreichischen Buchpreis des Jahres 2025 ausgezeichnet.

13 Jahre hat Dinev an seinem mehr als tausendseitigen Werk gearbeitet, in dem in zahlreichen Erzählsträngen nicht weniger als die Geschichte des gewaltvollen 20. Jahrhunderts rekapituliert wird.

Erschreckende Zahlen

Der Verleger Sebastian Guggolz ist seit kurzem der neu gewählte Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Ein Ehrenamt in schwierigen Zeiten: die soeben veröffentlichten Zahlen für den deutschen Buchmarkt zeigen einen Abwärtstrend in den Verkäufen.

Zwar ist der Umsatz in den vergangenen Jahren insgesamt stabil geworden, doch nicht nur die Zahl der Buchkäufer schwindet – etwa ein Viertel aller Grundschüler in Deutschland haben nach dem Abschluss der 4. Klasse nur rudimentäre Lesefähigkeiten.

Welche gesellschaftlichen Konsequenzen das hat und wie Börsenverein und Politik dem entgegenwirken möchten – darüber spricht Sebastian Guggolz im Interview.

Zwischen Krise und Selbsterhöhung

Sieben Jahre lang hat Thomas Lang, Bachmannpreisträger des Jahres 2005, kein neues Buch veröffentlicht. Nun ist er wieder da, mit einem umfangreichen Roman – der handelt von einem Schriftsteller in einer tiefen Sinn- und Lebenskrise, der beim Ausräumen seines Elternhauses auf ein einst abgebrochenes Manuskript über den Schriftsteller Herman Melville stößt.

Dem Erfinder von „Moby Dick“ fühlt Paul, so der Name des Schriftstellers, sich verwandt. Schließlich war auch dieser in seinen späten Jahren von Selbstzweifeln geplagt. Und so spiegeln sich die Lebensdramen des Autors von Weltrang und des sich selbst erforschenden Paul. Ein Buch, in dem ein Mensch um sein Leben schreibt, buchstäblich.

Das wird das Literaturjahr 2026 Und weiter geht's – Eine Vorschau auf Jubiläen und neue Bücher im nächsten Jahr

Das Literaturjahr 2026 setzt die hochkarätigen Jubiläen fort - SWR Literaturchef Frank Hertweck gibt einen ersten Überblick.

lesenswert Magazin SWR Kultur

Verleihung in Mainz Zuckmayer-Medaille an Autorin Monika Helfer: „Ich denke, es gibt nichts Wichtigeres als Familie“

Monika Helfer erzählt in ihren Büchern von ihrer verlustreichen Lebensgeschichte. Ihr Haus in Hohenems ist voller Erinnerungen. Ein Blick ins Leben der Carl-Zuckmayer-Preisträgerin.

SWR Kultur am Mittag SWR Kultur

Wenn KI Bücher schreibt. Zwischen Stereotyp und Neuro-Literatur „Das Selber-Schreiben wird in den Hintergrund treten“

Der Heidelberger Autor belmonte ist technikaffin und experimentierfreudig. In „Was bleibt von uns, wenn das Wasser kommt“ testet er aktuelle KI und präsentiert maschinelle Texte.

lesenswert Magazin SWR Kultur

Baden-Baden

Im Gespräch beim Bücherfestival Baden-Baden „Zum Gegenwärtigmachen gehört das Nacherzählen“: Kaleb Erdmanns Roman „Die Ausweichschule“

Wie über Gewaltexzesse schreiben? Kaleb Erdmann spricht über seinen Roman „Die Ausweichschule“, der sich mit den Folgen des Amoklaufs am Erfurter Gutenberg-Gymnasium beschäftigt.

Vor Ort SWR Kultur

Spannend wie ein Thriller Das Unrecht des Stärkeren: „Ich traf meinen Mörder“ von Can Dündar

Journalist Can Dündar wird nach einem Artikel über illegale Waffenlieferungen in der Türkei zum Staatsfeind Nummer eins. Jahre später trifft er seinen potenziellen Attentäter.

SWR Kultur am Abend SWR Kultur

Erstmals publiziert am
Stand
Redakteur/in
Christoph Schröder
Moderator/in
Christoph Schröder