Platz 8 (25 Punkte)

Bodo Kirchhoff: Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt

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77 Jahre alt ist der in Hamburg geborene, im Schwarzwald aufgewachsene und in Frankfurt lebende Bodo Kirchhoff mittlerweile. Mit seinem Roman „Die Liebe in groben Zügen“ ist er im Jahr 2012 in eine Phase seines Werks eingetreten, in der er um das Wesen der Liebe und um die Beschaffenheit alt gewordener Ehen kreist.

Knapp 600 Seiten umfasst sein neues Buch; es ist weitaus komplexer gebaut als es zunächst den Anschein hat. Das liegt zum einen daran, dass Kirchhoffs melodiöse Sätze seine Leserinnen und Leser mit scheinbarer Leichtigkeit durch den Roman zu tragen scheinen. Zum anderen ist jedes einzelne Kapitel ein kleines, geschlossenes Drama für sich.

Vorhang auf also für Terese Weiler, die im Flugzeug nach Mumbai sitzt, weil sie ihrem Mann hinterherfliegt. Und weil sie überprüfen möchte, was an dieser Ehe eigentlich noch einen Wert hat. Terese ist Therapeutin für traumatisierte Kinder und Jugendliche; ihr Mann Vigo war der Kopf einer Denkfabrik, die sich mit Friedensforschung befasst hat und recherchiert nun für ein Buch über eine Welt ohne Waffen.

„Ich hasse dich“, sagt Terese einmal zu Vigo, und er antwortet: „Ich weiß.“ Beides dürfte gelogen sein. Terese verliebt sich in Indien. Gleichzeitig gehen ihre Gedanken zurück an die Anfänge ihrer Beziehung mit Vigo, an die ungeordneten 1970er-Jahre, an die gemeinsame Tochter Ava, an den Sohn, den sie mit ihrem Doktorvater hätte haben können und nicht haben wollte.

Eine glänzende Szene des Romans umfasst 70 Seiten und spielt in einem exklusiven Tee-Salon in London – fast eine Novelle im Roman. Bodo Kirchhoff ist ein versierter, reifer Autor, der für eine reife Leserschaft schreibt.

Von alten Paaren Bodo Kirchhoff: „Liebe ist Arbeit“

77 Jahre ist Bodo Kirchhoff mittlerweile alt, und in seinem Spätwerk kreist er um das Wesen der Liebe. „Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt“ heißt sein neuer Roman.

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SWR