Ein Anschlag, ein Buch, ein rauer Wind
Der tödliche islamistische Angriff auf den Berliner CSD hat Bianca-Maria Brandshofer tief getroffen: „Es ist schon ein Tieferschlag, ein Rückschlag, aber gleichzeitig dürfen wir uns davon nicht total verunsichern lassen.“
Die Mitbegründerin der queer-feministischen Buchhandlung o*books in Wien sieht den Anschlag im Kontext eines „anderen, raueren Windes“, der seit Jahren gegen queeres Leben weht. Diese Stimmung ist Ausgangspunkt für das Sachbuch „Und jetzt queer! Lesen jenseits der Norm“, das sie gemeinsam mit Tobi Schiller und Marlon Braunshofer geschrieben hat.
Was macht einen Text queer?
Gemeinsam gehen sie auch der Frage nach, was ein Buch queer macht: Queer sei „alles, was nicht der heteronormativen, gesellschaftlich akzeptierten Form des Lebens oder Liebens“ entspricht, meint Braunshofer im Gespräch im SWR Kultur „lesenswert Magazin“.
Im Buch eröffnet das Autor*innentrio einen Kanon von Sappho bis Thomas Mann – und entdeckt Queerness sogar neu bei Kafka.
Forum Terror beim CSD - Wie geht es jetzt weiter?
Nach dem Anschlag beim CSD in Berlin gibt es auf allen Seiten Forderungen nach politischen Konsequenzen. Wie kann der Staat mit solchen Gefährdern umgehen? Werden beim Kampf für Demokratie und Vielfalt die Gefahren des Islamismus vernachlässigt?
Lesen als leiser Widerstand
Doch wie kann Literatur Akzeptanz vermitteln? Brandshofer beschreibt Lesen als widerständigen Akt: „Lesen per se ist ja ein Akt, der schon alleine, weil er so leise ist, widerständig sein kann.“
Literatur könne Identifikation ermöglichen, „Exit-Strategien“ bieten und helfen, gesellschaftliche Bedrohungen innerlich zu verarbeiten.
Queerness ins Klassenzimmer
Brandshofer fordert mehr vollständige Bücher in Lehrplänen und Mut zur queeren Schullektüre: Queerness gehöre „zu unser aller Leben dazu“. Ihr Gespräch macht deutlich: Wer queer liest, liest die Welt anders – und lernt, sie nicht kampflos hinzunehmen.
Mehr queere Literatur
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