Aufstieg einer jungen Dichterin
Mit „Die Dichterin“ legt Özge Inan einen Roman vor, der den Literaturbetrieb als Spannungsfeld von Wahrheit, Erzählung und Aufmerksamkeitsökonomie ins Zentrum stellt.
Im Buch wird die gefeierte Lyrikerin Emma Rodenstock zur Projektionsfläche einer Klassismus-Debatte und zugleich zur Figur in einem literarischen Spiel mit Authentizität.
Jägerin und Gejagte
Der Roman lebt von der Dynamik zwischen zwei Frauen: der Dichterin Emma und der jungen Journalistin Nazanin Esfahani. Die möchte Emma Rodenstock eigentlich nur für ein Porträt interviewen. Doch dann fällt ihr auf, dass an Emmas Biografie – sie verarbeitet in ihren Gedichten ihr Aufwachsen in ärmlichen Verhältnissen in Spandau – etwas nicht stimmen kann.
„Früher oder später begeben sie sich in eine Situation der Jägerin und der Gejagten“, sagt Inan im Gespräch bei SWR Kultur. Aus einem harmlosen Porträt wird ein Journalismus-Thriller über Widersprüche, Inszenierungen und den Wunsch nach der „guten Geschichte“.
Migration ohne Opferrolle
Besonders eindrücklich ist, wie Inan dabei Nazanins Herkunft miterzählt: nicht als Defizit, sondern als selbstverständlicher Teil ihrer Professionalität.
Özge Inan ist diese Darstellung wichtig, denn sie empfindet sie als authentische Darstellung einer Lebenswelt: Menschen mit Migrationsgeschichte, „die einfach ihren Job machen. Punkt.“
Anklage und Mitschuld
Inan klagt in ihrem Roman nicht nur Medien und Feuilleton an, „die die Wirklichkeit in Gefäße pressen“, sondern auch sich selbst, als Autorin: „Ich bin natürlich Teil dieses Vertrags zwischen Autorin und Leserinnen.“ Der Roman zeigt den Literaturbetrieb als „exzellentes Feld für Lügen und Schwindeleien“.
Wie viel Wahrheit verträgt dieser Betrieb wirklich?
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