Shalom zusammen!

Autorin Tanya Raab: Warum wir falsche Vorstellungen von jüdischem Leben haben

Tanya Raab ist Jüdin, queer, Influencerin und Autorin. Einen Satz hört sie immer wieder: „Du siehst ja gar nicht jüdisch aus.“ In ihrem Buch „Shalom zusammen“ erzählt sie, warum sie ihre jüdische Identität lange versteckt hat – und weshalb sie heute ganz offen darüber spricht.

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„Du siehst ja gar nicht jüdisch aus.“ Für Tanya Raab ist das kein ungewöhnlicher Satz, sie hat ihn schon oft gehört. Doch sie ist Jüdin und spricht inzwischen sehr offen über ihre jüdische Identität. Auf Social Media zeigt sie ihren Alltag, trägt eine Davidstern-Kette oder auch mal eine Kippa beim Shoppen.

Dass sie das heute so selbstverständlich macht, war allerdings nicht immer so. Raab wurde in der Ukraine geboren und kam als kleines Kind nach Deutschland. Wie viele andere jüdische Menschen lernte sie zunächst, ihre Religion und Herkunft eher zu verstecken.

Autorin und Influencerin Tanya Raab
Autorin und Influencerin Tanya Raab Pressestelle Tanya Raab

Eine Reise nach Israel verändert ihren Blick

Ein wichtiger Wendepunkt kam in ihrer Jugend. Gemeinsam mit ihrem Großvater reiste Raab nach Israel. Dort erlebte sie jüdisches Leben zum ersten Mal ganz anders als in Deutschland: Menschen, die ihr Jüdischsein offen zeigten und ihre Religion selbstverständlich auslebten.

„Das hat mich sehr inspiriert“, erzählt Raab. Sie habe sich gefragt, warum das in Deutschland nicht genauso möglich sein sollte. Ihr Großvater kaufte ihr in Israel schließlich ihre erste Davidstern-Kette. Raab legte sie nicht mehr ab.

Später kam ihre Tochter zur Welt. Auch das habe ihren Blick auf die eigene jüdische Identität noch einmal verändert. „Ich möchte, dass auch sie jüdisches Leben als etwas kennenlernt, was schön ist und was man eben auch offen leben kann“, sagt Raab.

Warum jüdisches Leben oft mit Samthandschuhen angefasst wird

Auf Social Media begann Raab deshalb, über jüdische Herkunft und Identität zu sprechen und Einblicke in ihren Alltag zu geben. Dabei geht es ihr nicht darum, jüdisches Leben zu etwas Besonderem oder Fremdem zu erklären. Im Gegenteil.

„Ich bin einfach ein Mensch wie jeder andere“, sagt sie. Natürlich gebe es Aspekte in ihrem Leben, die vielleicht etwas anders seien. Aber auch das gehöre zu einer vielfältigen Gesellschaft.

Gerade in Deutschland erlebt Raab noch immer einen verkrampften Umgang mit jüdischem Leben. Die deutsche Geschichte spielt dabei eine wichtige Rolle. Doch aus ihrer Sicht darf sie nicht dazu führen, dass jüdische Menschen ständig mit „Samthandschuhen“ angefasst werden.

Sie wünsche sich einen unverkrampfteren Umgang, sagt Raab. In ihrem persönlichen Umfeld erlebe sie bereits, dass jüdisches Leben für viele Menschen ganz selbstverständlich dazugehört.

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„Du siehst ja gar nicht jüdisch aus“

Zu den Vorstellungen, die sie gerne verändern würde, gehört auch die Idee, man könne einem Menschen ansehen, ob er jüdisch ist. Selbst wenn manche Menschen es vielleicht als Kompliment oder harmlose Bemerkung verstehen: Der Satz „Du siehst ja gar nicht jüdisch aus“ kann aus Raabs Sicht antisemitische Klischees transportieren. Denn dahinter steckt die Vorstellung, es gebe ein bestimmtes Aussehen, an dem man Jüdinnen und Juden erkennen könne.

Auch mit einem anderen Punkt möchte Raab aufräumen: der Unsicherheit, das Wort „Jude“ oder „Jüdin“ überhaupt auszusprechen. Sie habe erlebt, dass sich auch Journalistinnen und Journalisten davor scheuten, sie als Jüdin zu bezeichnen. Das Wort sei für manche so negativ besetzt, dass sie es lieber vermieden. Genau das möchte Raab verändern.

„Das ist keine schlimme Bezeichnung. Das ist keine Beleidigung“, sagt sie. Das Wort solle einfach neutral verwendet werden können.

Queer und jüdisch – passt das zusammen?

Raab spricht aber nicht nur über ihre jüdische Identität. Sie ist auch queer. Auf Social Media trägt sie beispielsweise eine regenbogenfarbene Kippa.

Auch damit sorgt sie bei manchen Menschen zunächst für Irritation. Schon, dass eine Frau Kippa trägt, sei für viele ungewohnt. Gleichzeitig verbindet Raab damit eine weitere Frage: Wie lassen sich Religion und queere Identität miteinander verbinden? Gerade weil Queerness und Religion in vielen gesellschaftlichen Debatten noch immer als Gegensätze behandelt werden, möchte Raab darüber ins Gespräch kommen.

Die regenbogenfarbene Kippa wird damit zu einem sichtbaren Zeichen, aber auch zu einem Gesprächsanlass. Sie zeigt, dass jüdisches Leben nicht in eine einzige Schublade passt.

Humor statt Verkrampfung

Auch über ernste Themen wie Antisemitismus möchte Raab sprechen, aber nicht ausschließlich ernst. Humor ist für sie eine Möglichkeit, mit schwierigen Erfahrungen umzugehen. „Über manche Sachen kann man sich auch eigentlich nur lustig machen“, sagt sie. Das sei ihre Art mit Antisemitismus umzugehen.

Auch ihr Buch trägt diese Haltung bereits im Titel: „Shalom zusammen!“. Darin geht es um jüdisches Leben, aber auch um falsche Vorstellungen und Klischees. Der Untertitel lautet: „Warum wir falsche Vorstellungen vom jüdischen Leben haben und das gemeinsam ändern sollten.“

Raab möchte dabei nicht nur erklären, sondern vor allem miteinander ins Gespräch kommen. Denn vielleicht beginnt ein unverkrampfterer Umgang mit jüdischem Leben genau dort: bei der Bereitschaft, Fragen zu stellen, zuzuhören – und einen Menschen nicht auf seine Religion zu reduzieren.

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