Gleich zu Beginn der Ausstellung im Baden-Badener Frieder Burda Museum trifft man auf ein Portrait des Komponisten Philip Glass, der einem direkt in die Augen schaut.
Es wirkt wie ein perfekt ausgeleuchtetes, gestochen scharfes Schwarz-Weiß-Foto – aber es ist ein Gemälde. Der Faszination dieser Bilder kann sich kaum jemand entziehen, sagt der Kurator und künstlerische Direktor des Museum Frieder Burda, Daniel Zamani.
Typische Alltagsmotive
„Es gibt auch neuere Bilder in der Ausstellung, bei denen man keinen Pinselstrich sieht“, so Zamani. „Dieser perfekte Illusionismus ist es, der diese Kunst so wahnsinnig populär und interessant macht.“
Der Fotorealismus ist eine stark US-amerikanisch geprägte Kunstströmung – nicht nur weil die Künstler der ersten Stunde in den Vereinigten Staaten lebten, sondern auch, weil sie ihre Motive aus dem dortigen Alltag wählten.
Bei solch einer Ausstellung dürfen daher die chromglänzende Harley Davidson von David Parish, die kraft-strotzenden Rennwagen von Ron Kleemann und die fetten Straßenkreuzer in typischen Einfamilienhäuser-Idyllen von Ralph Goings nicht fehlen.
Fotografie: Keine Konkurrenz zu fotorealistischen Gemälden
Jedoch werden auch Bilder gezeigt, die nicht nur die schönen, strahlenden Oberflächen zeigen. Der Brite John Salt malte beispielsweise Ende der 1960er-Jahre, als er in die Vereinigten Staaten zog, Autowracks, die einfach irgendwo stehengelassen worden waren.
„Das war eine Art und Weise zu sagen: es ist nicht alles so perfekt, wie es auf diesen Oberflächen zu sein scheint“, sagt Kurator Daniel Zamani. Natürlich haben die digitale Fotografie und die modernsten Bildbearbeitungsprogramme auch den Fotorealismus verändert. Doch konkurrieren diese Kunstformen nicht.
Eindrucksvolle Stadtansichten und surreale Szenen
Das zeigen eindrucksvoll die New Yorker Stadtansichten von Raphaella Spence oder die surrealen, alptraumhaften Szenen des deutschen Künstlers Johannes Müller-Franken. Denn gerade weil die digitale Fotografie immer perfekter wird, reizt es die Malerinnen und Maler, dem Können der Computer oder der KI das menschliche, handwerkliche Können entgegenzusetzen.
„Wir haben Werke in der Ausstellung, an denen ein einzelner Künstler über zwanzig Monate lang gearbeitet hat,“ so Zamani. Aus dem „Wettstreit mit der Wirklichkeit“, wie der Ausstellungstitel lautet, ist also ein Wettstreit der Künste um Perfektion und Illusion geworden.
Die Frage nach „Wirklichkeit“ und „Glaubwürdigkeit“ von Bildern ist hingegen im digitalen Medienzeitalter sowieso längst hinfällig. Dem großen Spaß an der Ausstellung tut das allerdings keinen Abbruch.
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