Museum Frieder Burda

Fotorealismus-Ausstellung in Baden-Baden: Die perfekte Illusion

Diners, Harley Davidsons und Vorstadt-Idylle: Die Ausstellung „Wettstreit mit der Wirklichkeit“ zeigt Werke aus 60 Jahren Fotorealismus – und wie er das Bild der USA prägte.

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Von Autor/in Marie-Dominique Wetzel

Gleich zu Beginn der Ausstellung im Baden-Badener Frieder Burda Museum trifft man auf ein Portrait des Komponisten Philip Glass, der einem direkt in die Augen schaut.

Es wirkt wie ein perfekt ausgeleuchtetes, gestochen scharfes Schwarz-Weiß-Foto – aber es ist ein Gemälde. Der Faszination dieser Bilder kann sich kaum jemand entziehen, sagt der Kurator und künstlerische Direktor des Museum Frieder Burda, Daniel Zamani.

Museumsbesucher vor dem gemalten Porträt von Philipp Glass
Das Portrait des Komponisten Philip Glass stammt von Chuck Close aus dem Jahr 1969. Chuck Close gehört zu den Begründern der damals neu entstandenen Kunstrichtung des Fotorealismus. Pressestelle Jigal Fichtner

Typische Alltagsmotive

„Es gibt auch neuere Bilder in der Ausstellung, bei denen man keinen Pinselstrich sieht“, so Zamani. „Dieser perfekte Illusionismus ist es, der diese Kunst so wahnsinnig populär und interessant macht.“

Der Fotorealismus ist eine stark US-amerikanisch geprägte Kunstströmung – nicht nur weil die Künstler der ersten Stunde in den Vereinigten Staaten lebten, sondern auch, weil sie ihre Motive aus dem dortigen Alltag wählten.

Bei solch einer Ausstellung dürfen daher die chromglänzende Harley Davidson von David Parish, die kraft-strotzenden Rennwagen von Ron Kleemann und die fetten Straßenkreuzer in typischen Einfamilienhäuser-Idyllen von Ralph Goings nicht fehlen.

David Parrish, Harley Davidson, 1971
David Parrish, Harley Davidson, 1971. Pressestelle Museum Frieder Burda | © David Parrish

Fotografie: Keine Konkurrenz zu fotorealistischen Gemälden

Jedoch werden auch Bilder gezeigt, die nicht nur die schönen, strahlenden Oberflächen zeigen. Der Brite John Salt malte beispielsweise Ende der 1960er-Jahre, als er in die Vereinigten Staaten zog, Autowracks, die einfach irgendwo stehengelassen worden waren.

Kaputte Autositze, gemalt von John Salt
Der Brite John Salt hatte einen anderen Blick of den American Way of Life als seine Kollegen aus den USA. Mit seinen Bildern von kaputten Straßenkreuzern hat er an der Fassade gekratzt. Pressestelle Museum Frieder Burda

„Das war eine Art und Weise zu sagen: es ist nicht alles so perfekt, wie es auf diesen Oberflächen zu sein scheint“, sagt Kurator Daniel Zamani. Natürlich haben die digitale Fotografie und die modernsten Bildbearbeitungsprogramme auch den Fotorealismus verändert. Doch konkurrieren diese Kunstformen nicht.

Besucher vor Gemälden von Raphaella Spence
Raphaella Spence wurde 1978 in London geboren. Ihre New Yorker Stadtansichten gehören zu den neuesten Werken der Baden-Badener Ausstellung. Pressestelle Jigal Fichtner

Eindrucksvolle Stadtansichten und surreale Szenen

Das zeigen eindrucksvoll die New Yorker Stadtansichten von Raphaella Spence oder die surrealen, alptraumhaften Szenen des deutschen Künstlers Johannes Müller-Franken. Denn gerade weil die digitale Fotografie immer perfekter wird, reizt es die Malerinnen und Maler, dem Können der Computer oder der KI das menschliche, handwerkliche Können entgegenzusetzen.

Johannes Müller-Franken, Wetterstein, 2022
Johannes Müller-Franken, Wetterstein, 2022. Pressestelle Museum Frieder Burda | © Johannes Müller-Franken

„Wir haben Werke in der Ausstellung, an denen ein einzelner Künstler über zwanzig Monate lang gearbeitet hat,“ so Zamani. Aus dem „Wettstreit mit der Wirklichkeit“, wie der Ausstellungstitel lautet, ist also ein Wettstreit der Künste um Perfektion und Illusion geworden.

Die Frage nach „Wirklichkeit“ und „Glaubwürdigkeit“ von Bildern ist hingegen im digitalen Medienzeitalter sowieso längst hinfällig. Dem großen Spaß an der Ausstellung tut das allerdings keinen Abbruch.

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Ausstellungsansicht "Wettstreit mit der Wirklichkeit", Museum Frieder Burda

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