Loyalität und Verrat
In den vergangenen Tagen war besonders die AfD dem Vorwurf der Vetternwirtschaft ausgesetzt. In mehreren Fällen wurden Familienangehörige in AfD-Abgeordnetenbüros beschäftigt. Der Historiker Jens-Ivo Engels hat zur Geschichte der Korruption geforscht und ein Buch dazu veröffentlicht.
„Man geht davon aus, dass Verwandtschaft im Grunde vor so etwas wie Verrat schützt“, sagt Engels bei SWR Kultur am Morgen, „das verlangt zwar auch das Arbeitsrecht von Mitarbeitern, etwa eines Abgeordneten, aber offenbar hält man diese rechtlichen Rahmenbedingungen nicht für ausreichend.“
Darüber hinaus ist besonders bei Elitennetzwerken ein Art Korpsgeist entscheidend. Das zeige sich zum Beispiel in Frankreich daran, dass es immer die Absolventinnen und Absolventen der gleichen Schulen seien, die ein Leben lang verbunden sind.
Eine gesellschaftliche Vereinbarung
Die gesellschaftliche Ächtung der Vetternwirtschaft ist aus historischer Perspektive jung. „Seit ungefähr 200 Jahren ist es so, dass wir in den westlichen Gesellschaften eine strikte Trennung zwischen öffentlichem Amt und Privatsphäre gesellschaftlich vereinbart haben“, sagt Jens-Ivo Engels.
Zwar gebe es diese Bevorteilung bis heute noch, wie das aktuelle AfD-Beispiel zeige. Allerdings habe das einen Imageschaden zu Folge, der vor 1800 nicht entstanden wäre. Ursache für diesen Wandel sei eine zunehmende Trennung zwischen privaten Aktivitäten und dem sich bildenden modernen Staat mit seiner Bürokratie gewesen.
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