Zwischen Zensur und Kreativität

Leere Rahmen – Kunst in autoritären Staaten unter Druck

In autoritären Staaten wie Syrien, Afghanistan und Iran steht auch die Kunstfreiheit extrem unter Druck. Dennoch fänden gerade Künstlerinnen mutige Wege, ihre Botschaften zu vermitteln, „selbst wenn sie kriminalisiert werden“, schildert die deutsch-iranische Kunsthistorikerin Schoole Mostafawy in SWR Kultur.

Teilen

Stand

Galerien arbeiten im Verborgenen

Galerien, etwa im Iran, würden im Verborgenen agieren. Wer in der Kunstszene zu Hause sei, wisse wo Galerien sich befänden und wer die Kontaktpersonen seien, so Mostafawy, Leiterin des Referats Kunst- und Kulturgeschichte am Badischen Landesmuseum Karlsruhe.

Weibliche Künstlerinnen bekommen die Repressionen häufig besonders deutlich zu spüren. Unter anderem nennt Mostafawy das Beispiel der deutsch-iranischen Künstlerin und Aktivistin Parastou Forouhar.

Leere Bilderrahmen als Geste des Protests

Bei einer Ausstellung der Künstlerin sei der Galeristin unter verbaler Drohung von oberster staatlicher Stelle am Vorabend der Eröffnung empfohlen worden, die Ausstellung nicht zu eröffnen. „Statt jedoch die Schau abzusagen, wurden die Bilder aus ihrem Rahmen gelöst“, berichtet Mostafawy.

„Die bloße Präsentation der leeren Bilderrahmen führte zu einer der erfolgreichsten und verkaufsträchtigsten Ausstellungen in Teheran.“ Diese Ambiguitäten in Sprache, Zeichen und Situationen gehöre zum Alltag der Menschen in einem autoritären Staat, so Mostafawy.

Gespräch „Es ist ein einziges Warten“ - Der Künstler Mehrdad Zaeri sorgt sich um die Menschen im Iran

Seit mehr als zwei Wochen werden Proteste im Iran brutal niedergeschlagen, Kontakte nach außen sind fast vollständig gekappt. In SWR Kultur am Mittag schildert der Künstler Mehrdad Zaeri aus Mannheim, was diese Zeit für ihn bedeutet: „Es ist ein einziges Warten und Bangen, ob die Menschen, die zu mir gehören, überhaupt noch am Leben sind.“ Seit der Internetblockade hat er keinen direkten Kontakt mehr zu Familie und Freunden im Iran.
Nachrichten über Umwege
Informationen erreichen ihn nur noch bruchstückhaft. „Manchmal geht es über fünf Ecken“, sagt Zaeri. Einzelne Lebenszeichen kommen über Exil-Iranerinnen und Exil-Iraner, über Bekannte mit Satelliten-Internet oder heimlich verschickte Videos. Besonders erschüttert hat ihn eine letzte Nachricht einer befreundeten Journalistin aus Teheran. Indirekt wird darin deutlich: Die aktuellen Proteste seien kein politisches Projekt mehr, sondern ein Kampf ums nackte Überleben.
An Kunst ist kaum zu Denken
Auch die Kulturszene sei nahezu zum Stillstand gekommen. „Wenn eine Gesellschaft ums Überleben kämpft, bleibt keine Energie für Kunst“, sagt Zaeri. Angst, Armut und Repression zerstören kreative Räume. Hoffnung gebe es dennoch, nach 40 Jahren Diktatur. Aber sie sei müde geworden. „Die Menschen im Iran entscheiden, wann es endet“, sagt er. Für die Exilgemeinschaft bleibt primär eines: aufmerksam bleiben und nicht wegsehen.

SWR Kultur am Mittag SWR Kultur