Geoffrey Bawa hat in seiner Schaffenszeit mehr als 200 Projekte vollendet – von Privathäusern über Hotels bis zum Parlamentsgebäude von Sri Lanka. Eine neue Ausstellung im Vitra Design Museum in Weil am Rhein zeigt mit Fotos, Zeichnungen und Möbeln, was die Arbeit Bawas ausmachte und warum er bis heute populär ist.
Landwohnsitz des Stararchitekten als Experimentierfläche
Die Vögel zwitschern, die Grillen zirpen und irgendwo in der Ferne plätschert das Wasser: Wer sich auf die hölzerne Bank gleich zu Beginn der Geoffrey-Bawa-Ausstellung setzt, der bekommt zumindest einen Eindruck, wie es sich im Landwohnsitz des Stararchitekten angefühlt haben muss.
Auf drei Leinwänden werden abwechselnd große Fotos projiziert, fast so, als blicke man von der Terrasse in den Garten der ehemaligen Kautschuk-Plantage. Irina Selzer vom Kuratoren-Team:
„Das Interessante an diesem Projekt ist, dass es gleichzeitig sein erstes und auch sein letztes Projekt war. Er erwarb das Grundstück zu einer Zeit, als er selbst noch als Anwalt praktizierte, und hatte so viel Freude daran, diese Plantage in einen Garten umzubauen, dass er sich dazu entschloss, Architekt zu werden.“
Emotionale und praktische Architektur
Der 1919 geborene Architekt nutzte das Grundstück bis an sein Lebensende in den 2000er-Jahren als Experimentierfläche: Das Schachbrettmuster des Fußbodens im Innenraum setzte er auch im Außenbereich fort. Felsen oder unebene Böden passte er in seine Bauwerke ein:
„Für ihn war das Zusammenspiel zwischen innen und außen superwichtig, genauso wie Licht, Klang, Materialität“, betont Selzer. Für Bawa musste Architektur „sowohl emotional als auch praktisch Sinn ergeben“.
Modernes und traditionelles Parlamentsgebäude
„Architektur für die Sinne“ – so heißt auch die Ausstellung mit Filmen, Modellen, Zeichnungen und persönlichen Dokumenten von Geoffrey Bawa. Über 200 Werke hat er im Laufe seines Wirkens vollendet: Hotels, Schulen, Fabriken, Bürogebäude und sogar das Parlamentsgebäude von Sri Lanka, seinem Heimatland. Diesen Auftrag setzte er in seiner ganz eigenen Art um, beschreibt Irina Selzer.
Selzer: „Bawas Entwurf verbindet Prinzipien der Moderne mit traditionellen srilankischen Bauweisen. Das Parlamentsgebäude hat ganz markante, geneigte Kupferdächer, die sich an traditionelle Dachformen anlehnen. Besonders ist auch, dass Bawa lokale Künstler und Handwerker mit Werken für die Innen- und Außengestaltung beauftragt hat.“
Damit wollte Geoffrey Bawa die kleinen Unternehmen aus der Region unterstützen. Und bei der Gestaltung selbst hatte er jede Kleinigkeit wie Lagepläne, Türbeschläge, Fenstergriffe und auch die Uniformen des Personals im Blick.
Und warum kommt die Ausstellung über den srilankischen Architekten gerade ins Vitra Design Museum? Für Museumsdirektor Mateo Kries haben gleich mehrere Gründe dafür gesprochen: der ökologische Aspekt seiner Architektur, seine besondere Position in der Architekturgeschichte, seine Verbindung von moderner Architektur und traditionellen Bauweisen. Bawa ist einer der Architekten, die damit am einflussreichsten wurden.
Vorbild für nachhaltige Architektur
Zeitlebens wollte sich Bawa in keine Schublade einsortieren lassen. Wie vielfältig sein Stil war, zeigen auch einige von ihm designte Möbelstücke: Stühle, Sofas und Tische in der Ausstellung. Für jedes neue Projekt entwickelte er eigene Lösungen.
Geoffrey Bawas soziale und nachhaltige Architektur ist aktueller denn je und wird nicht ohne Grund weltweit wiederentdeckt. Museumsdirektor Mateo Kries:
„Wir können heute von ihm lernen, dass es möglich ist, Architektur zu entwickeln, die unsere eigene Identität widerspiegelt, und dass es wichtig ist, auf Ort und Kultur zu schauen, in denen man baut.“
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