Nachhaltige Architektur aus Sri Lanka

Geoffrey Bawa – Stararchitekt der Tropischen Moderne im Vitra Design Museum

Geoffrey Bawa ist einer der erfolgreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Das Vitra Design Museum zeigt, wie er Asien und seine Heimat Sri Lanka 50 Jahre lang architektonisch prägte.

Teilen

Stand

Von Autor/in Daniel Friedrich

Geoffrey Bawa hat in seiner Schaffenszeit mehr als 200 Projekte vollendet – von Privathäusern über Hotels bis zum Parlamentsgebäude von Sri Lanka. Eine neue Ausstellung im Vitra Design Museum in Weil am Rhein zeigt mit Fotos, Zeichnungen und Möbeln, was die Arbeit Bawas ausmachte und warum er bis heute populär ist.

Landwohnsitz des Stararchitekten als Experimentierfläche

Die Vögel zwitschern, die Grillen zirpen und irgendwo in der Ferne plätschert das Wasser: Wer sich auf die hölzerne Bank gleich zu Beginn der Geoffrey-Bawa-Ausstellung setzt, der bekommt zumindest einen Eindruck, wie es sich im Landwohnsitz des Stararchitekten angefühlt haben muss.

Geoffrey Bawa in Italien, 1945
Geoffrey Bawa (1919 - 2003) wurde in Sri Lanka als Sohn einer Familie mit asiatischen und europäischen Wurzeln geboren. Zunächst arbeitete er als Anwalt, studierte dann aber Architektur. Er gilt als Begründer der Tropischen Moderne. Pressestelle Vitra Design Museum | © Geoffrey Bawa and Lunuganga Trusts

Auf drei Leinwänden werden abwechselnd große Fotos projiziert, fast so, als blicke man von der Terrasse in den Garten der ehemaligen Kautschuk-Plantage. Irina Selzer vom Kuratoren-Team: 

„Das Interessante an diesem Projekt ist, dass es gleichzeitig sein erstes und auch sein letztes Projekt war. Er erwarb das Grundstück zu einer Zeit, als er selbst noch als Anwalt praktizierte, und hatte so viel Freude daran, diese Plantage in einen Garten umzubauen, dass er sich dazu entschloss, Architekt zu werden.“

Erlebnisraum mit Klang- und Videoinstallation, der die Terrasse von Bawas Landwohnsitz nachempfinden soll
Klang- und Videoinstallation im Vitra Design Museum, die die Terrasse von Bawas Landwohnsitz nachempfinden soll. Daniel Friedrich

Emotionale und praktische Architektur

Der 1919 geborene Architekt nutzte das Grundstück bis an sein Lebensende in den 2000er-Jahren als Experimentierfläche: Das Schachbrettmuster des Fußbodens im Innenraum setzte er auch im Außenbereich fort. Felsen oder unebene Böden passte er in seine Bauwerke ein:

„Für ihn war das Zusammenspiel zwischen innen und außen superwichtig, genauso wie Licht, Klang, Materialität“, betont Selzer. Für Bawa musste Architektur „sowohl emotional als auch praktisch Sinn ergeben“.

Luftaufnahme, Number 11. Haus für Geoffrey Bawa, Colombo, Sri Lanka
Luftaufnahme, Number 11. Haus für Geoffrey Bawa, Colombo, Sri Lanka. Pressestelle Vitra Design Museum | © Iwan Baan

Modernes und traditionelles Parlamentsgebäude

„Architektur für die Sinne“ – so heißt auch die Ausstellung mit Filmen, Modellen, Zeichnungen und persönlichen Dokumenten von Geoffrey Bawa. Über 200 Werke hat er im Laufe seines Wirkens vollendet: Hotels, Schulen, Fabriken, Bürogebäude und sogar das Parlamentsgebäude von Sri Lanka, seinem Heimatland. Diesen Auftrag setzte er in seiner ganz eigenen Art um, beschreibt Irina Selzer.

Selzer: „Bawas Entwurf verbindet Prinzipien der Moderne mit traditionellen srilankischen Bauweisen. Das Parlamentsgebäude hat ganz markante, geneigte Kupferdächer, die sich an traditionelle Dachformen anlehnen. Besonders ist auch, dass Bawa lokale Künstler und Handwerker mit Werken für die Innen- und Außengestaltung beauftragt hat.“

Detailansicht des Dachs, Neues Parlament von Sri Lanka
Detailansicht des Dachs, Neues Parlament von Sri Lanka. Pressestelle Vitra Design Museum | © Iwan Baan 2026

Damit wollte Geoffrey Bawa die kleinen Unternehmen aus der Region unterstützen. Und bei der Gestaltung selbst hatte er jede Kleinigkeit wie Lagepläne, Türbeschläge, Fenstergriffe und auch die Uniformen des Personals im Blick.

Und warum kommt die Ausstellung über den srilankischen Architekten gerade ins Vitra Design Museum? Für Museumsdirektor Mateo Kries haben gleich mehrere Gründe dafür gesprochen: der ökologische Aspekt seiner Architektur, seine besondere Position in der Architekturgeschichte, seine Verbindung von moderner Architektur und traditionellen Bauweisen. Bawa ist einer der Architekten, die damit am einflussreichsten wurden.

Innenansicht des Gästewohnzimmers, Number 11. Haus für Geoffrey Bawa, Colombo, Sri Lanka
Innenansicht des Gästewohnzimmers, Number 11. Haus für Geoffrey Bawa, Colombo, Sri Lanka. Pressestelle Vitra Design Museum | © Iwan Baan Bild in Detailansicht öffnen
Geoffrey Bawa in Lunuganga, ca. 1996
Geoffrey Bawa in Lunuganga, ca. 1996. Pressestelle Vitra Design Museum | © Dominic Sansoni Bild in Detailansicht öffnen
Blick in die Ausstellung: Stuhl und andere von Bawa designte Möbel
Blick in die Ausstellung: Stuhl und andere von Bawa designte Möbel, die sich in seinem Landwohnsitz befunden haben. Daniel Friedrich Bild in Detailansicht öffnen
Kandalama-Lounge-Stuhl, Schmiedeeisen mit schwarzer Epoxidbeschichtung, ca. 1990
Kandalama-Lounge-Stuhl, Schmiedeeisen mit schwarzer Epoxidbeschichtung, ca. 1990. Pressestelle Vitra Design Museum | Andreas Sütterlin © Geoffrey Bawa and Lunuganga Trusts Bild in Detailansicht öffnen

Vorbild für nachhaltige Architektur

Zeitlebens wollte sich Bawa in keine Schublade einsortieren lassen. Wie vielfältig sein Stil war, zeigen auch einige von ihm designte Möbelstücke: Stühle, Sofas und Tische in der Ausstellung. Für jedes neue Projekt entwickelte er eigene Lösungen.

Geoffrey Bawas soziale und nachhaltige Architektur ist aktueller denn je und wird nicht ohne Grund weltweit wiederentdeckt. Museumsdirektor Mateo Kries:

„Wir können heute von ihm lernen, dass es möglich ist, Architektur zu entwickeln, die unsere eigene Identität widerspiegelt, und dass es wichtig ist, auf Ort und Kultur zu schauen, in denen man baut.“

Stuttgart

Kaum bekannter Bauhaus-Fotograf Otto Lossen – Fotograf der Weissenhof-Siedlung Stuttgart von 1927

Eine Ausstellung im Haus Mies van der Rohe rückt Otto Lossen ins Rampenlicht – den fast vergessenen Fotografen, der 1927 Bau und Einweihung der Weißenhof-Siedlung dokumentierte.

SWR Kultur am Morgen SWR Kultur

Brüche in Form gegossen Daniel Libeskind zum 80 Geburtstag: Architektur der Erinnerungen

Das Jüdische Museum Berlin feiert 25 Jahre seines ikonischen Erweiterungsbaus und den 80. Geburtstag von Daniel Libeskind. Seine Architektur zeigt, wie Brüche und Geschichte untrennbar miteinander verbunden sind.

SWR Kultur am Morgen SWR Kultur

Zeitwort 07.09.1985: Friedensreich Hundertwasser stellt das „Haus Wien“ vor

„Solange wir das Lineal als Ideal haben, gehen wir in die Irre. Denn alles was wirklich funktioniert in der Natur, ist nicht gerade und kann sich selbst erhalten.“

Zeitwort SWR Kultur