Cartoonmuseum Basel

Wenn die Monster auf den Bus warten – das Universum der Comic-Künstlerin Emil Ferris

Mit 55 Jahren hat Emil Ferris ihren ersten Comic veröffentlicht: „Am liebsten mag ich Monster“ – gezeichnet mit Kugelschreiber auf liniertem Papier. Das Cartoonmuseum Basel würdigt die Künstlerin jetzt mit einer sehenswerten Ausstellung.

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Von Autor/in Silke Arning

„Ein Albtraum zu sein, ist nur ein Job“

Emil Ferris kramt in ihrer großen Tasche, befördert eine Zeichenmappe zutage und breitet vier Bilder auf dem Tisch aus. Das Ergebnis einer von Albträumen heimgesuchten Nacht: dunkle Dämonen, seltsame Gestalten tummeln sich da: „Die warten auf den Bus“, sagt Emil Ferris.

„Sie sind auch witzig und haben ihr eigenes Leben. Ein Albtraum zu sein, ist nur ein Job“, führt sie weiter aus.

Emil Ferris
Emil Ferris (*1962) zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Comicschaffenden. Mit ihrem ersten Comic „Am liebsten mag ich Monster“ erlangte sie 2017 großen internationalen Erfolg. Pressestelle © Cartoonmuseum Basel | Derek Li Wan Po

Ein besonderer Blick auf die Welt

Die US-amerikanische Künstlerin hat einen wirklich besonderen Blick auf diese Welt. Und wenn sie sagt, sie gehöre zu den glücklichen Kindern, die mit schweren Behinderungen auf die Welt gekommen sind, dann ist das nicht ironisch gemeint.

Wegen einer Wirbelsäulenverkrümmung ist sie in den ersten Jahren ihres Lebens ans Bett gefesselt. Schon früh beginnt sie mit dem Zeichnen: mit sechs oder neun Monaten, erzählt Emil Ferris, und dass ihre Künstler-Eltern ihr ein kleines Atelier eingerichtet hätten.

Anders zu sein und arm zu sein, das sind ihre prägenden Erfahrungen. Und die Monster, die sie in Geschichten, Filmen, in Horror-Comics entdeckt und die in ihren Zeichnungen zu einer neuen Identität werden.

Etliche dieser Monsterporträts hängen in der Ausstellung wie in einer Ahnengalerie nebeneinander. Dazwischen: immer wieder ein Zerrspiegel, in dem Besucherinnen und Besucher unter Umständen ihre eigenen Dämonen entdecken können.

Emil Ferris, Am liebsten mag ich Monster, Band 1 und 2
Emil Ferris, Am liebsten mag ich Monster, Band 1, Fantagraphics Books, 2017 (links) und Band 2 von 2024. Pressestelle Cartoonmuseum Basel © Emil Ferris Bild in Detailansicht öffnen
Emil Ferris, Am liebsten mag ich Monster, Band 2, Fantagraphics Books, 2024
Emil Ferris, Am liebsten mag ich Monster, Band 2, Fantagraphics Books, 2024. Pressestelle Cartoonmuseum Basel © Emil Ferris Bild in Detailansicht öffnen
Emil Ferris, Am liebsten mag ich Monster, Band 2, Fantagraphics Books, 2024
Emil Ferris, Am liebsten mag ich Monster, Band 2, Fantagraphics Books, 2024. Pressestelle Cartoonmuseum Basel © Emil Ferris Bild in Detailansicht öffnen
Selbstportrait Emil Ferris, 2002
Selbstportrait Emil Ferris, 2002. Pressestelle Cartoonmuseum Basel © Emil Ferris Bild in Detailansicht öffnen
Emil Ferris, Blemmy, 2024, unveröffentlicht
Emil Ferris, Blemmy, 2024, unveröffentlicht. Pressestelle Cartoonmuseum Basel © Emil Ferris Bild in Detailansicht öffnen
Emil Ferris, Records of the Damned, 2025, unveröffentlicht
Emil Ferris, Records of the Damned, 2025, unveröffentlicht. Pressestelle Cartoonmuseum Basel © Emil Ferris Bild in Detailansicht öffnen
Emil Ferris, Records of the Damned, 2025
Emil Ferris, Records of the Damned, 2025, unveröffentlicht. Pressestelle Cartoonmuseum Basel © Emil Ferris Bild in Detailansicht öffnen
Emil Ferris, Blemmy, 2024, unveröffentlicht
Emil Ferris, Blemmy, 2024, unveröffentlicht. Pressestelle Cartoonmuseum Basel © Emil Ferris Bild in Detailansicht öffnen
Emil Ferris, Blemmy, 2024, unveröffentlicht. Zeichnung nach Grant Wood, American Gothic
Emil Ferris, Blemmy, 2024, unveröffentlicht. Zeichnung nach Grant Wood, American Gothic. Pressestelle Cartoonmuseum Basel © Emil Ferris Bild in Detailansicht öffnen
Portrait Emil Ferris, 2022
Portrait Emil Ferris, 2022, unveröffentlicht. Pressestelle Cartoonmuseum Basel © Emil Ferris Bild in Detailansicht öffnen

Monster-Sein als Gegenwelt

„Wir alle haben ganz verschiedene Monster. Ich lese die Comics so, dass Monster-Sein wie eine Gegenwelt ist, eine befreiende Welt, wo man alles sein kann“, sagt Anette Gehrig, Kuratorin und Leiterin des Basler Cartoonmuseums. „Wenn ich in der Monsterwelt bin, kann ich alles sein“, sagt auch die Heldin Karen in Emil Ferris' autofiktionalem Comic „Am liebsten mag ich Monster“.

Karen empfindet sich als Werwolf und damit stark genug, sich den Herausforderungen eines brutalen, frauenfeindlichen Alltags in einer Stadt wie Chicago stellen zu können.

In Chicago, wo Emil Ferris 1962 geboren wird, sind Mord, Gewalt, Entführung damals noch an der Tagesordnung. Auch davon erzählen die Monsterbilder in dieser Ausstellung, die erschreckend normal daher kommen.

Emil Ferris, Between Selves, 2026
Emil Ferris, Between Selves, 2026. Pressestelle Cartoonmuseum Basel © Emil Ferris

Alte Meister neu interpretiert – mit dem Kugelschreiber

Doch Chicago ist nicht einfach nur die dunkle Stadt. Genauso die Monster ist sie mehrschichtig. Es ist auch die Stadt, in der Emil Ferris ihren Weg als Künstlerin und Frau gefunden hat. Im Kunstmuseum faszinieren sie die Gemälde alter Meister und der italienischen Renaissance, die starken Göttinnen antiker Mythologien und die vielen Kreaturen, von denen die Kunstgeschichte nur so wimmelt.

Emil Ferris' Interpretation der alten Meister gehört zu den beeindruckendsten Momenten in dieser absolut sehenswerten Ausstellung. Vor allem auch, weil sie die hohe Kunstfertigkeit dieser Künstlerin zeigt, die nur mit dem Kugelschreiber zeichnet.

Kunst und Geschichten sind die besten Erfindungen der Menschheit, sagt Emil Ferris. Sie würden uns helfen, ein starkes Monster zu werden, das das Böse besiegt.

Emil Ferris, My Favourite Thing Is Monsters, Édition Créature, Monsieur Toussaint Louverture, 2019
Emil Ferris, My Favourite Thing Is Monsters, Édition Créature, Monsieur Toussaint Louverture, 2019. Pressestelle Cartoonmuseum Basel © Emil Ferris

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Silke Arning
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