Kultur- und Naturgeschichte der Drachen

Sagenhafte Fabelwesen: Ausstellung „Drachen. Mythos und Wirklichkeit“ im Landesmuseum Darmstadt

Ob bedrohlich wie in Game of Thrones oder süß wie Tabaluga: Drachen sind aus unserer Kultur nicht wegzudenken. Ihre jahrtausendelange Geschichte sowie moderne Darstellungen zeigt ab sofort eine Ausstellung im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt.

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Stand

170 Kunstwerke führen Besucher durch die Drachenwelt

Drachen gibt es nicht, da ist sich die Wissenschaft einig. Zumindest nicht in der Form, die seit Jahrtausenden in den verschiedensten Kulturräumen beschrieben werden: Vom chinesischen Glücksdrachen bis zum feuerspeienden Märchendrachen, der klassischerweise eine Prinzessin gefangen hält oder einen Schatz bewacht.

Das Fabelwesen fasziniert seit jeher Klein und Groß – so entstanden zahlreiche Drachen-Kunstwerke, die, jedes für sich, ein kleines Stück Drachen-Geschichte repräsentieren. Das Landesmuseum in Hessen widmet ihnen jetzt eine Ausstellung mit insgesamt 170 solcher Kunstwerke – kuratiert unter anderem vom Kunsthistoriker Dr. Thomas Foerster.

Kolorierte Postkarte mit fotografischer Szene aus dem Festumzug zu Ehren der Zähmung der Tarasque (Drache) durch die Hl. Martha in Tarascon (Frankreich) am 29. Juli 1900
Kolorierte Postkarte mit fotografischer Szene aus dem Festumzug zu Ehren der Zähmung der Tarasque (Drache) durch die Hl. Martha in Tarascon (Frankreich) am 29. Juli 1900, Etienne Marius, genannt Georges Blanchin (1858), Trier, Anfang 20. Jahrhundert, Museum Schnütgen Pressestelle © Stephan Kube / SQB Bild in Detailansicht öffnen
Anhänger in Form eines Drachen, Jade, China, 5. 6. Jh. V. Chr.
Anhänger in Form eines Drachen, Jade, China, 5./ 6. Jh. V. Chr., Museum für Ostasiatische Kunst Köln Pressestelle © HAStK-RBA / Marion Mennicken Bild in Detailansicht öffnen
Blick in die Ausstellung „Drachen — Mythos und Wirklichkeit“
Blick in die Ausstellung „Drachen — Mythos und Wirklichkeit“, Foto L. Breidert Pressestelle © Hessisches Landesmuseum Darmstadt Bild in Detailansicht öffnen
Krümme eines Bischofs- bzw. Abtsstabs mit Hl. Michael im Kampf gegen den Drachen
Krümme eines Bischofs- bzw. Abtsstabs mit Hl. Michael im Kampf gegen den Drachen, Limoges, um 1225—1235, Museum Schnütgen Pressestelle © Stephan Kube / SQB Bild in Detailansicht öffnen
(Detail aus:) Jean de MandeVille, Reysen und wanderschafften durch das Gelobte Land
(Detail aus:) Jean de MandeVille, Reysen und wanderschafften durch das Gelobte Land, deutsch von Otto von Diemeringen, 5. dt. Ausgabe, Druck: Johannes Prüss, Straßburg, 1484, Museum Schnütgen Pressestelle © Museum Schnütgen / USB Köln Bild in Detailansicht öffnen
Blick in die Ausstellung „Drachen — Mythos und Wirklichkeit“
Blick in die Ausstellung „Drachen — Mythos und Wirklichkeit“, Foto L. Breidert Pressestelle © Hessisches Landesmuseum Darmstadt Bild in Detailansicht öffnen
Gemeiner Flugdrache, Draco volans LINNAEUS 1758, Alkoholpräparat
Gemeiner Flugdrache, Draco volans LINNAEUS 1758, Alkoholpräparat, Hessisches Landesmuseum Darmstadt, Foto: Linda Breidert Pressestelle © HLMD Bild in Detailansicht öffnen
Höfischer Vorratskrug, Korea, 18. Jh
Höfischer Vorratskrug, Korea, 18. Jh., Museum für Ostasiatische Kunst Köln Pressestelle © HAStK-RBA Bild in Detailansicht öffnen

Erst in der Neuzeit war der Mythos aufgeklärt

Im Gespräch mit SWR Kultur beschreibt Foerster, wie Besucher durch die Ausstellung nicht nur den mythologischen, sondern auch den naturwissenschaftlichen Weg der Drachen nachvollziehen können, von vermeintlichen Schädelfunden zur ernüchternden Erkenntnis:

Die frühe Neuzeit hält dann den Moment bereit, wo man wissenschaftlich sagt, die Drachen sind tot. Sie waren wirklich nur Erzählungen.

Trotzdem habe die Menschheit nicht aufgehört, Tiere als Drachen zu bezeichnen, sagt Foerster: Den Komododrachen, auch als Komodowaran bekannt. Immerhin besitze dieser ähnlich wie manche seiner mythologischen Vorbilder die Fähigkeit, seine Opfer zu vergiften. Eine Ausnahme gebe es in der Drachenfrage aus naturwissenschaftlicher Sicht aber:

Es gibt nur einen Drachen, und das ist der Flugdrache aus Indonesien. Dieses Tier gibt es, das flattert, das gleitet durch die Luft.

Gemeiner Flugdrache, Draco volans LINNAEUS 1758, Alkoholpräparat
Der einige echte Flugdrache: Draco volans LINNAEUS 1758, Alkoholpräparat, Hessisches Landesmuseum Darmstadt Pressestelle © HLMD

Smaug & Co sind stark von Dinosauriern inspiriert

Ein anderer Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit der Frage der Darstellung in moderner Popkultur: Etwa im Fall des Drachen „Smaug“ aus der „Herr der Ringe“-Saga von J.R.R. Tolkien. Die Ausstellung zeigt das Making-Of des Drachen für die Verfilmung: Die Macher orientierten sich an Flugsauriern. Allgemein hätten Dinosaurier Einfluss auf moderne Drachenvorstellungen gehabt, sagt Foerster.

Wie konkret die Darstellung eines Drachen aussieht, verrate auch viel über die Gesellschaft, in der diese Vorstellung entstand. Besonders deutlich zeige sich das in der Moderne vor dem Hintergrund historischer Ereignisse. Etwa im Fall des Schweizer Malers Arnold Böcklin, der an Cholera erkrankte und dessen Kinder an der Pest starben.

Von 1876 gibt es eine Zeichnung, die zeigt uns einen Drachenreiter, nämlich den Tod, im Prinzip die Cholera in Personifikation, die auf dem Drachen durch die Städte fegt quasi und die Menschen tötet durch den Gifthauch, den sie ausstrahlt.

Die heutige Popkultur habe alte Bilder aufgegriffen und das Bedeutungsfeld erweitert – sowie auch ihre Ausbreitung in unserem Alltag: „Selbst in der Apotheke finden wir Hinweise auf Drachen, wenn es um Lutschbonbons geht“.

Fakt ab! Eine Woche Wissenschaft Game Of Thrones-Forschung: Können die Drachen wirklich fliegen?

Dieses Mal mit Julia Nestlen und Aeneas Rooch.

Ihre Themen sind:
- Die Bayern haben den Klappstuhl ausgegraben! In einem 1.400 Jahre alten Grab wurde diese historische Sitzgelegenheit gefunden. Ist das wirklich eine tolle Grabbeigabe? (00:28)
- Noch mehr Archäologie: Jäger, Sammler … und Chirurgen! In Borneo wurde ein 31.000 Jahre altes Skelett gefunden, dem nachweislich zu Lebzeiten ein Fuß amputiert wurde (08:20)
- Forschung zu eurer Seriensucht: Die Drachen aus Game Of Thrones könnten tatsächlich fliegen (wenn sie echt und unsere Atmosphäre anders zusammengesetzt wären) (16:47)
- Trinken wie auf der ISS: Eine neue Technologie klärt euer Klo-Abwasser direkt fürs Waschbecken (24:31)

Weitere Infos und Studien gibt’s hier:
https://www.blfd.bayern.de/mam/blfd/presse/2022_08_29_pm_1400_jahre_alter_klappstuhl.pdf
https://www.iflscience.com/could-dragons-on-westeros-fly-aeronautical-engineering-and-math-say-they-could-65183
https://www.cranfield.ac.uk/people/dr-guy-gratton-15984634
https://www.businessinsider.com/game-of-thrones-dragons-fly-real-life-2019-5
https://www.tor.com/2016/06/24/can-daenerys-fly-to-westeros-on-her-dragons/

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Redaktion: Chris Eckardt und Jochen Steiner
Idee: Christoph König

Erstmals publiziert am
Stand
Das Gespräch führte
Frauke Oppenberg
Frauke Oppenberg, Team SWR Kultur
Gespräch mit
Dr. Thomas Foerster
Onlinefassung
Ines Kunze
Team SWR Kultur: Autorin InesKunze