170 Kunstwerke führen Besucher durch die Drachenwelt
Drachen gibt es nicht, da ist sich die Wissenschaft einig. Zumindest nicht in der Form, die seit Jahrtausenden in den verschiedensten Kulturräumen beschrieben werden: Vom chinesischen Glücksdrachen bis zum feuerspeienden Märchendrachen, der klassischerweise eine Prinzessin gefangen hält oder einen Schatz bewacht.
Das Fabelwesen fasziniert seit jeher Klein und Groß – so entstanden zahlreiche Drachen-Kunstwerke, die, jedes für sich, ein kleines Stück Drachen-Geschichte repräsentieren. Das Landesmuseum in Hessen widmet ihnen jetzt eine Ausstellung mit insgesamt 170 solcher Kunstwerke – kuratiert unter anderem vom Kunsthistoriker Dr. Thomas Foerster.
Erst in der Neuzeit war der Mythos aufgeklärt
Im Gespräch mit SWR Kultur beschreibt Foerster, wie Besucher durch die Ausstellung nicht nur den mythologischen, sondern auch den naturwissenschaftlichen Weg der Drachen nachvollziehen können, von vermeintlichen Schädelfunden zur ernüchternden Erkenntnis:
Die frühe Neuzeit hält dann den Moment bereit, wo man wissenschaftlich sagt, die Drachen sind tot. Sie waren wirklich nur Erzählungen.
Trotzdem habe die Menschheit nicht aufgehört, Tiere als Drachen zu bezeichnen, sagt Foerster: Den Komododrachen, auch als Komodowaran bekannt. Immerhin besitze dieser ähnlich wie manche seiner mythologischen Vorbilder die Fähigkeit, seine Opfer zu vergiften. Eine Ausnahme gebe es in der Drachenfrage aus naturwissenschaftlicher Sicht aber:
Es gibt nur einen Drachen, und das ist der Flugdrache aus Indonesien. Dieses Tier gibt es, das flattert, das gleitet durch die Luft.
Smaug & Co sind stark von Dinosauriern inspiriert
Ein anderer Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit der Frage der Darstellung in moderner Popkultur: Etwa im Fall des Drachen „Smaug“ aus der „Herr der Ringe“-Saga von J.R.R. Tolkien. Die Ausstellung zeigt das Making-Of des Drachen für die Verfilmung: Die Macher orientierten sich an Flugsauriern. Allgemein hätten Dinosaurier Einfluss auf moderne Drachenvorstellungen gehabt, sagt Foerster.
Wie konkret die Darstellung eines Drachen aussieht, verrate auch viel über die Gesellschaft, in der diese Vorstellung entstand. Besonders deutlich zeige sich das in der Moderne vor dem Hintergrund historischer Ereignisse. Etwa im Fall des Schweizer Malers Arnold Böcklin, der an Cholera erkrankte und dessen Kinder an der Pest starben.
Von 1876 gibt es eine Zeichnung, die zeigt uns einen Drachenreiter, nämlich den Tod, im Prinzip die Cholera in Personifikation, die auf dem Drachen durch die Städte fegt quasi und die Menschen tötet durch den Gifthauch, den sie ausstrahlt.
Die heutige Popkultur habe alte Bilder aufgegriffen und das Bedeutungsfeld erweitert – sowie auch ihre Ausbreitung in unserem Alltag: „Selbst in der Apotheke finden wir Hinweise auf Drachen, wenn es um Lutschbonbons geht“.
Mehr Drachen in der Kultur
Score Snacks – Der Filmmusik-Podcast Lieblingsfolge: Dachenzähmen leicht gemacht – Zusammen sind sie stark!
Naiv, episch, in your face – so beschreibt Malte einen seiner Lieblings-Soundtracks der letzten Jahre. In „Drachenzähmen leicht gemacht“ trifft der schwächliche, aber kluge Wikingerjunge Hicks auf den Drachen Ohnezahn. Jeder für sich sind beide nicht unbedingt große Helden, aber gemeinsam sind sie stark. Malte erklärt in dieser Folge wie der Komponist John Powell das in der Musik zeigt und warum wir das Thema von Hicks nach 31 Mal hören nochmal ganz neu spüren.
Film: Drachenzähmen leicht gemacht (2010)
Regie: Dean DeBlois, Chris Sanders
Musik: John Powell
Host und Produktion: Malte Hemmerich
Produktion: Jakob Baumer
Sprecherin: Henriette Schreurs
Redaktion: Chris Eckardt und Henriette Schreurs
Assistenz: Anika Kiechle
Fakt ab! Eine Woche Wissenschaft Game Of Thrones-Forschung: Können die Drachen wirklich fliegen?
Dieses Mal mit Julia Nestlen und Aeneas Rooch.
Ihre Themen sind:
- Die Bayern haben den Klappstuhl ausgegraben! In einem 1.400 Jahre alten Grab wurde diese historische Sitzgelegenheit gefunden. Ist das wirklich eine tolle Grabbeigabe? (00:28)
- Noch mehr Archäologie: Jäger, Sammler … und Chirurgen! In Borneo wurde ein 31.000 Jahre altes Skelett gefunden, dem nachweislich zu Lebzeiten ein Fuß amputiert wurde (08:20)
- Forschung zu eurer Seriensucht: Die Drachen aus Game Of Thrones könnten tatsächlich fliegen (wenn sie echt und unsere Atmosphäre anders zusammengesetzt wären) (16:47)
- Trinken wie auf der ISS: Eine neue Technologie klärt euer Klo-Abwasser direkt fürs Waschbecken (24:31)
Weitere Infos und Studien gibt’s hier:
https://www.blfd.bayern.de/mam/blfd/presse/2022_08_29_pm_1400_jahre_alter_klappstuhl.pdf
https://www.iflscience.com/could-dragons-on-westeros-fly-aeronautical-engineering-and-math-say-they-could-65183
https://www.cranfield.ac.uk/people/dr-guy-gratton-15984634
https://www.businessinsider.com/game-of-thrones-dragons-fly-real-life-2019-5
https://www.tor.com/2016/06/24/can-daenerys-fly-to-westeros-on-her-dragons/
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Redaktion: Chris Eckardt und Jochen Steiner
Idee: Christoph König