Ein Roboter gegen die Einsamkeit

Berührender Film über das Alter: „Frau Winkler verlässt das Haus“ von Doris Dörrie

Doris Dörrie erzählt in ihrem neuen Film „Frau Winkler verlässt das Haus“ von der letzten Lebensphase und der Frage nach einem gelungenen Leben – mit feinem Humor und großer Zärtlichkeit. Es geht um Einsamkeit, familiäre Schuldgefühle und den Wunsch, sich die eigene Würde und Lebenslust bis zuletzt zu bewahren.

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Von Autor/in Simone Reber

Doris Dörrie erzählt einfühlsam und klug

Ein weißes Einfamilienhaus aus den 70er-Jahren, einstöckig mit großen Wohnzimmerfenstern. Der Garten ist notdürftig gepflegt. Hier wohnt Frau Winkler. Allein. Ihr Mann ist früh gestorben, ihre Tochter längst ausgezogen. Manchmal kommt der Nachbar mit seinem Rollator an den Zaun.

Zum Essen geht Frau Winkler in ein Restaurant für alte Menschen – erst als ein Roboter zur Bedienung an den Tisch rollt, wird klar, dass die Geschichte in einer nahen Zukunft spielt.

Eine ältere Frau blickt in die Ferne, im Hintergrund ist Wasser zu sehen (Ausschnitt aus dem Film "Frau Winkler verlässt das Haus")
Angela Winkler spielt Frau Winkler. Pressestelle Zeitsprung Pictures / Wild Bunch Germany, Foto: Mathias Bothor

In ihrem zartfühlenden Film „Frau Winkler verlässt das Haus“ erzählt Doris Dörrie gemeinsam mit ihrer Hauptdarstellerin Angela Winkler von der Zerbrechlichkeit im Alter, vom Verblassen des Lebens, dem Schwinden der körperlichen Kräfte, selbst wenn der Geist noch hungrig ist.

Was ist ein gelungenes Leben?

Als Frau Winkler stürzt, bestellt ihre Tochter einen Pflegeroboter, PFA nennt die Verkäuferin den elektronisch gesteuerten Helfer. Laura Tonke steht als die Tochter etwas verhuscht im Schatten ihrer Mutter.

Ein Roboter und zwei Frauen umarmen sich (Ausschnitt aus dem Film "Frau Winkler verlässt das Haus")
Zähneknirschend akzeptiert Frau Winkler (Angela Winkler, Mitte) ihren Pflegeroboter Pawlowitsch (Josef Ellers). Die Tochter Emi Winkler wird verkörpert von Laura Tonke. Pressestelle Zeitsprung Pictures / Wild Bunch Germany, Foto: Mathias Bothor

Klug weitet Doris Dörrie die Frage, was ein gelungenes Leben ist, auf die ganze Biografie aus. Frau Winklers Tochter ist wie ihre Mutter Schauspielerin und probt gerade eine Rolle in dem Stück „Drei Schwestern“ von Anton Tschechow.

Bei dem studierten Arzt Tschechow sehnen sich drei junge Frauen in der öden Provinz nach einem glänzenden Leben in Moskau. In der Realität muss sich Frau Winkler zähneknirschend an die Anwesenheit ihres Pflegeroboters gewöhnen.

Ein milder Film über die Schönheit des Lebens

Angela Winkler, inzwischen selbst über achtzig Jahre alt, hat sich ihre mädchenhafte Unsicherheit bewahrt, mit der sie die Brüche in ihren Figuren sichtbar werden lässt. Aber ihre Frau Winkler stemmt sich auch mit knallroten Ohrringen gegen das eigene Verschwinden. Bei der Begegnung mit dem Roboter kann sie kratzbürstig werden, bis hin zu hexenartiger Boshaftigkeit.

Mehrere Personen und ein schwarzer Roboter im Bademantel sitzen und stehen in einem Krankenzimmer (Ausschnitt aus dem Film "Frau Winkler verlässt das Haus")
Frau Winkler (Angela Winkler), Emi Winkler (Laura Tonke), Billie Winkler (Zoë Baier), Pawlowitsch (Josef Ellers) und Selma (Via Jikeli). Pressestelle Zeitsprung Pictures / Wild Bunch Germany, Foto: Mathias Bothor

Der schwarz-weiße Roboter Pawlowitsch mit der Stimme des Schauspielers Josef Ellers verleiht dem Film eine unwirkliche Leichtigkeit.

Klug hebt Doris Dörrie ihre Geschichte über die Niederungen des Alltags. Ihr milder Film erinnert an die Schönheit des Lebens. Bis zum Ende. Bis Frau Winkler das Haus verlässt – mit Assistenz ihres Roboters. 

Trailer „Frau Winkler verlässt das Haus“. Ab 1. Oktober im Kino.

FRAU WINKLER VERLÄSST DAS HAUS Trailer German Deutsch (2026)

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Autor/in
Simone Reber