Fotoausstellung im Stadthaus Ulm

Jenseits von John Wayne und Bonanza – Ausstellung in Ulm über die Geschichte der „Black Cowboys“

Die Helden des „Wilden Westens“: Da denkt man an Typen wie John Wayne oder Bonanza. Cowboys sind in unserer Vorstellung weiße Männer. Dabei war ein Viertel der Cowboys Afroamerikaner. Der Geschichte der „Black Cowboys“ sind die Fotografen Sabine Bungert und Stefan Dolfen nachgegangen.

Teilen

Stand

Von Autor/in Rainer Schlenz

Eine Gemeinschaft schwarzer Cowboys

Mehr Südstaaten geht kaum: Junge Kerle galoppieren, kernige Frauen posieren auf Pferden unter gleißender Sonne. Man schwitzt schon beim Hingucken. Sabine Bungert und Stefan Dolfen haben sich die Trail-Ride-Festivals in den Staaten angeschaut. In Shelby, North Carolina, wird die Black-Cowboy-Kultur gefeiert mit langen Ausritten, mit Essen, Musik und mit Rodeos.

Trail Ride North Carolina
Hier wird die Black-Cowboy-Kultur gefeiert: beim Trail-Ride-Festival in Shelby, North Carolina. Pressestelle Stadthaus Ulm © Sabine Bungert und Stefan Dolfen

Auf das Thema der Black Cowboys sind Bungert und Dolfen durch Zufall gekommen: In Fernsehberichten über George Floyd und die Black-Lives-Matter-Bewegung fielen den Fotografen die schwarzen Reiter und damit auch der Begriff der Black Cowboys auf. Die Idee für das nächste Fotoprojekt war geboren. 

Es geht darum, dass sie auch sichtbar werden wollen mit ihrer Geschichte und im Prinzip die Geschichtserzählung ein Stück weit korrigieren wollen.

Jackson Rodeo Crew, Maryland
Jackson Rodeo Crew, Maryland. Pressestelle Stadthaus Ulm © Sabine Bungert und Stefan Dolfen

Es geht nicht um Fransen, Colt und Cowboyhut

Die Black Cowboys schauen selbstbewusst, cool. Sie identifizieren sich mit den USA, schwingen die amerikanische Flagge oder tragen Schuhe mit dem rot-weiß-blauem Muster. Es geht überhaupt nicht um Folklore mit Fransen, Colt und Cowboyhut und schon gar nicht um Verklärung.

Die Ausstellung will zeigen, dass die Black Cowboys schlicht ernst- und wahrgenommen werden wollen: „Sie verkleiden sich nicht. Es ist ihre Identität und sie verstehen sich so. Und es ist wahnsinnig wichtig für sie, dass ihre schwarze Identität als Teil der amerikanischen Geschichte gesehen wird“, erklärt Fotograf Stefan Dolfen.

Alicia Allmond, Them Cowgirls, Black Cowboy Festival, Greenfield Farm, South Carolina
Cowgirl Alicia Allmond schwingt auf dem Black-Cowboy-Festival in South Carolina die amerikanische Flagge. Pressestelle Stadthaus Ulm © Sabine Bungert und Stefan Dolfen

Geschichten von Ausbeutung und Wiedergutmachung

In der Ausstellung im Stadthaus Ulm wird etwa die Geschichte eines Black Cowboys erzählt, der als Streetworker arbeitet und damit Identifikationsfigur für Jugendliche geworden ist. Porträtiert wird auch der Gründer des Black-Cowboy-Festivals, Marc Myers, in South Carolina. Die Vorfahren der Familie waren nach Ende der Sklavenzeit sogenannte Sharecroppers.

Auf dem Papier waren sie freie Landwirte, mussten jedoch „am Ende des Jahres einen Großteil der Ernte abgeben, mussten alle Kleidung, alle Gerätschaften, alles, was sie brauchten, um das Land zu bearbeiten, beim Grundbesitzer auf Kredit kaufen und hatten niemals die Möglichkeit, aus dieser ständigen Verschuldung und immer weiteren Verschuldung rauszukommen“, führt Dolfen aus.  

Nayla, Them Cowboys, Black Cowboy Festival, South Carolina
Es geht nicht um Folklore, sondern um gelebte Kultur: Cowgirl Nayla beim Black-Cowboy-Festival. Pressestelle Stadthaus Ulm © Sabine Bungert und Stefan Dolfen

Jetzt guckt Marc Myers zufrieden unter dem Cowboyhut hervor: Das Gelände ist im Besitz seiner Familie. Solche Geschichten dokumentiert die Ausstellung eindrucksvoll.

Aber sie ist nicht nur ein Dokument, sondern ein starkes künstlerisches wie politisches Statement.

Forum Der amerikanische Traum - Warum sind Western und Country so erfolgreich?

Karsten Umlauf diskutiert mit
Dr. Thomas Klein, Film- und Medienwissenschaftler
Arthur Landwehr, Journalist und Autor
Prof. Dr. Heike Paul, Kulturwissenschaftler

Forum SWR Kultur

Faszination fürs Genre Warum Westernfilme nicht aus der Mode kommen

„Yellowstone“, „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder „The Dead Don't Hurt“: Western sind voller Klischees von harten Kerlen, die in der Wüste um Gold, Ehre oder Rache kämpfen.

SWR Kultur am Morgen SWR Kultur

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Rainer Schlenz