Stimmung: Sich nicht mehr verpflichtet fühlen
Boomjahre für den Tourismus sind keine guten Jahre für den Klimaschutz. Tourismusforscher Stefan Gössling blickt mit Sorge auf das Angebot der Urlaubsmesse CMT, vom 17. bis 25. Januar auf der Messe Stuttgart. Gössling ist Professor für nachhaltigen Tourismus an der schwedischen Universität Lund und betreibt dort einen ökologischen Ferienbauernhof.
Weiterhin würden Urlauber abgesagte Reisen aus den Corona-Jahren nachholen, sagt Gössling. Viele hätten den Gedanken an Klimaschutz aufgegeben, so der Tourismusforscher im Gespräch mit SWR Kultur. Dazu gehöre auch, „dass man sich nicht mehr verpflichten möchte, Dinge nicht zu tun.“
Etwa 260.000 Besucher kamen 2025 zur CMT. Auch in diesem Jahr rechnet man in Stuttgart mit knapp 300.000 Gästen. Gleich in drei Hallen werden neue Wohnmobile, Camper und Caravans präsentiert. „Die Idee, dass man sein Hotel mit in den Urlaub nimmt“, sei dabei „aus Klimasicht nicht wünschenswert“, kritisiert Gössling. Das Wohnmobil erzeuge höhere Emissionen als das Auto. Es gebe keine Perspektive, solche Fahrzeuge auf E-Antrieb umzurüsten. Sie seien zu groß.
Unterwegs im Flugzeug? Kein Problem
Auch die Zeit der Flugscham ist aus Sicht des Tourismusexperten mit der Pandemie zu Ende gegangen. Viele Fluggäste, sagt Stefan Gössling, würden den Versprechungen der Fluggesellschaften glauben, die Klimabilanz von Flügen technisch verbessern zu können. „Das ist ein Irrglaube, möchte ich deutlich sagen.“
Man sei bei einem „problematischen gesellschaftlichen Stillstand“ angekommen. Nicht einmal die bescheidenen Klimaziele der EU würden voraussichtlich erreicht. Das wichtigste Emissionsland im Flugverkehr, die USA, seien aus der Diskussion komplett ausgestiegen.
Veränderungen im Tourismus erwartet Gössling eher aufgrund der Klima-Effekte selbst. Extremwetter-Situationen hätten im Urlaub schon viele erlebt, Waldbrände oder „dass im Winter der Schnee nicht so verfügbar war, wie man das eigentlich erwartet hatte.“ Der Verkehr werde sich infolge klimabedingter „sozialer Instabilität“ in vielen Reiseländern einschränken.
Klimaschutz: Herauskommen aus dem Tal
Statistiken zeigten solche Änderungen allerdings noch nicht. Urlauber würden heiße Sommer am Mittelmeer oft noch nicht als Extremwetter wahrnehmen. Auch ein Trend, in nördliche Länder auszuweichen, sei noch nicht erkennbar. Beim Reisen auf mildere Jahreszeiten auszuweichen, komme wegen mangelnder Planbarkeit der Ferien meist nur für Ältere in Betracht.
Die Situation sei derzeit nicht besonders ermutigend, bilanziert Stefan Gössling. Man werde aber „wieder herauskommen aus dem Tal“. Dann werde auch das Thema Klimaschutz „wieder eine größere Relevanz finden.“
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