Mit David Lynch kam Mystery ins US-Fernsehen
Es schmälert nicht den internationalen Erfolg der Kultserie „Stranger Things“, die gerade nach fünf Staffeln ihr großes Serienfinale auf Netflix feiert. Doch unübersehbar ist, dass die Duffer-Brüder das Erfolgsrezept für „Stranger Things“ bei David Lynch geliehen haben. Mit der Serie „Twin Peaks“ setzte der 2025 verstorbene Regisseur den Rahmen für den subtilen Horror, der sich hinter den Kulissen einer Kleinstadtidylle auftut.
Mit „Twin Peaks“ war 1990 vor allem eines neu: Das Mystery-Element, das David Lynch ins amerikanische Fernsehen brachte. Die Ermordung einer Frau im Holzfäller-Städtchen Twin Peaks, Kokainschmuggel und Korruption bilden nur den Vordergrund der Geschichte. Kyle MacLachlan als FBI-Agent Dale Cooper hat es bald mit Phänomenen zu tun, die sich rational nicht mehr erklären lassen.
„Twin Peaks“ in der arte-Mediathek
David Lynchs Serie Twin Peaks in der Arte Mediathek
David Lynch verwendet dabei Stilmittel aus dem surrealistischen Film: Im Wald lauert das unergründlich Böse. Die Figuren haben Visionen, beginnen in Traumszenen entrückt zu sprechen.
Auf diese Weise bringt der Regisseur das Element des Albtraums in eine Mainstream-Serie, ohne dass der Eindruck von Eskapismus entsteht. Träume wirken bei Lynch immer zurück in die Wirklichkeit.
Kaffee, Donuts und Witz im Alltag
Neben dem Bösen und Absurden behauptet sich immer auch der Alltag mit witzigen Momenten. Dale Cooper schwört auf seinen Kaffee und verputzt täglich seinen Donut. Obwohl alle Figuren von David Lynch in Übles verstrickt sind, bewahren sie sich einen menschlichen Kern.
Solche Elemente sind teilweise auch für „Stranger Things“ charakteristisch. Doch insbesondere der Versuch, die mysteriösen Vorgänge in einer fiktiven Kleinstadt der 1980er Jahre immer wieder erklären zu wollen, wirkt weniger souverän als die Filmkunst von Lynch, der den Zuschauern die Deutung des Unerklärlichen überlässt.
Dokumentation über David Lynch bei arte
David Lynch sah sich auch als politischer Künstler. Er verstand „Twin Peaks“ als Kommentar zur vordergründig guten Stimmung in den USA nach dem Ende des Kalten Krieges.
Kritisch sah der Regisseur auch die neoliberale Wirtschaftspolitik von US-Präsident Ronald Reagan, die Zerstörung des sozialen Zusammenhalts.
David Lynch: Idylle und Grauen als Lebenserfahrung
In seinen Filmstoffen spiegelt sich der Kontrast zwischen der Kindheit des Regisseurs und seinen Gewalterfahrungen während der Studienjahre in Philadelphia. Hier die idyllischen Vorstadtbilder weißgezäunter Gärten, dort das Grau einer Industriestadt im Niedergang. Lynch erinnerte sich häufig daran, dass vor seinem Haus jemand erschossen worden war.
An seinem 80. Geburtstag wirken diese Erfahrungen nah wie zuvor, ebenso die großen Filmstoffe wie „Twin Peaks“, „Blue Velvet“ oder „Mulholland Drive“.
Mehr zu „Stranger Things“
Finale Staffel "Stranger Things": Eine würdige Hommage an sich selbst
Nach fast zehn Jahren endet die Reise ins „Upside Down“. Mit gekonnten Genres und würdigem Pathos zeigen die Duffer-Brüder noch einmal, was ihre Serie einst so besonders machte.
Score Snacks – Der Filmmusik-Podcast Lieblingsfolge : Stranger Things – Synthesizer, Milchshakes und Kate Bush
Stranger Things ist der seriengewordene 80er-Trend und die Musik wirft mit Klischees nur so um sich. Aber es sind nicht nur Synthesizer, die diese perfekte 80er Klangwelt erzeugen. Malte klärt wann inhaltlich und akustisch alles zusammenkommt und was BMX Reifen, Milkshakes und "Running up that hill" von Kate Bush damit zu tun haben. Heute in Score Snacks: Stranger Things.
Idee und Produktion Stranger Things (seit 2016): Matt Duffer und Ross Duffer
Musik: Kyle Dixon, Michael Stein
Produktion: Malte Hemmerich und Jakob Baumer
Sprecherin: Carlotta Pahl
Redaktion: Chris Eckardt, Henriette Schreurs und Jakob Baumer
Assistenz: Anika Kiechle
Score Snacks - Die Musik deiner Lieblingsfilme Stranger Things – 80er mit Synthesizer, Milkshakes und Kate Bush
Stranger Things ist der seriengewordene 80er-Trend und die Musik wirft mit Klischees nur so um sich. Aber es sind nicht nur Synthesizer, die diese perfekte 80er Klangwelt erzeugen. Malte klärt wann inhaltlich und akustisch alles zusammenkommt und was BMX Reifen, Milkshakes und „Running up that hill“ von Kate Bush damit zu tun haben.
Heute in Score Snacks: Stranger Things (2016).
Die Folge zu Kate Bush und "Running up that Hill" im SWR3 Podcast "Die größten Hits und ihre Geschichte" findet ihr hier: https://www.ardaudiothek.de/episode/die-groessten-hits-und-ihre-geschichte/running-up-that-hill-kate-bush/swr3/12041709/
Idee und Produktion Stranger Things: Matt Duffer und Ross Duffer
Musik: Kyle Dixon, Michael Stein
Produktion: Malte Hemmerich und Jakob Baumer
Sprecherin: Carlotta Pahl
Redaktion: Chris Eckardt, Henriette Schreurs und Jakob Baumer