Wendepunkt der Justizgeschichte

80 Jahre Nürnberger Prozesse: Als das internationale Recht seinen Anfang nahm

Am 20. November 1945 begann der Prozess gegen die NS-Hauptkriegsverbrecher. Nie zuvor mussten sich Einzelpersonen für Verbrechen im Namen eines Staates verantworten. „Die Nürnberger Prozesse waren ein Wendepunkt – sie machten individuelles Handeln im Krieg justiziabel”, sagt die Historikerin Annette Weinke in SWR Kultur.

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Stand

Prozess gegen die Eliten des NS-Staates

Neben dem berühmten ersten Verfahren gegen Göring, Hess und Speer folgten zwölf weitere Prozesse. Sie richteten sich gegen Ärzte, Richter, Militärs und Industrielle – also gegen die Eliten des NS-Staates.

„Da stand auch das deutsche Bürgertum vor Gericht,“ sagt Weinke. Besonders heikel: Die Amerikaner gingen in diesen Verfahren bis in die 1930er-Jahre zurück und ahndeten erstmals Verbrechen wie die Umsetzung der Nürnberger Rassengesetze.

Das Vermächtnis von Nürnberg

Heute berufen sich internationale Gerichte wie der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag direkt auf die Rechtsprechung von damals. „Die Nürnberger Prinzipien wirken fort und sie bilden das Fundament moderner Menschenrechtsjustiz“, so Weinke.

Deutschland spielt dabei eine führende Rolle. Aus dem Gericht der Sieger wurde eine Institution des Rechts – universell und verpflichtend.

80 Jahre Kriegsende Nürnberg 1945 – Die Prozesse, die Deutschland nicht wollte

Die Prozesse gegen die Nazi-Hauptkriegsverbrecher verfolgen die Deutschen wohlwollend. Als es in weiteren Prozessen um die Schuld der breiten Gesellschaft geht, kippt die Stimmung.

Das Wissen SWR Kultur

31.8.1946 Hermann Görings Schlusswort: Nummer zwei gibt sich ahnungslos

31.8.1946 | Herrmann Göring bleibt bis zum Ende bei seiner Version der Geschichte: Er habe nichts vom Massenmord an den Juden gewusst und keinen Krieg gewollt.

15.4.1946 Ehemaliger Lagerkommandant Rudolf Höß über Auschwitz

15.4.1946 | Rudolf Höß spricht im Verhör offen über die Ankunft der Züge mit den Gefangenen, ihre Aufteilung in Zwangsarbeit oder Tod in der Gaskammer.

1.10.1946 Kommentar Markus Wolf: "Weltgericht hat Urteil gefällt"

1.10.1946 | Markus Wolf (1923 - 2006) ist vor allem als DDR-Spion bekannt. 1945/46 war er als Berichterstatter beim Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher akkreditiert.

1.10.1946 Umfrage nach der Urteilsverkündung im Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher

1.10.1946 | Nach der Verkündung des Urteils am 1. Oktober 1946 befragt ein Reporter von Radio München Passanten, Schüler und Fabrikarbeiter und diskutiert das Ausmaß der Strafen.

Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Martin Gramlich
Martin Gramlich, SWR Kultur Moderator
Interview mit
Annette Weinke