1.10.1946

Kommentar Markus Wolf: "Weltgericht hat Urteil gefällt"

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Von Autor/in ARD Archivradio

Nürnberger Prozesse

Markus Wolf (1923 - 2006) ist vor allem als DDR-Spion bekannt. Zu Kriegszeiten lebte er im Exil in der Sowjetunion. 1945/46 war er als Berichterstatter beim Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher akkreditiert.

Am Ende des Prozesses zieht er im Rundfunk t ein positives Fazit und appelliert an die Deutschen, aus der Vergangenheit zu lernen.

Am Ende des Prozesses zieht er im Rundfunk ein positives Fazit und appelliert an die Deutschen, aus der Vergangenheit zu lernen.

Keine andere Nation oder Hautfarbe mehr verächtlich machen

Am Ende seines Kommentars stellt Markus Wolf folgende Fragen:

"Neben dieser notwendigen Sühneaktion müssen die in Nürnberg an den Tag gekommenen abgrundtiefen Verbrechen als Folgen der Naziideologie zur Wiedererweckung der Achtung der großen Menschheitsideale in Deutschland beitragen. Wer kann es heute noch wagen, über einen Menschen, eine andere Nation oder Hautfarbe verächtlich zu sprechen, nachdem er gesehen hat, dass solche Gedankengänge zu der Ermordung von Millionen Menschen geführt haben? Wer kann sich noch einmal bereitfinden, seine Freiheit aufzugeben und blind, ohne Überlegung, Befehlen irgendwelchen Abenteurer zu folgen, nur weil sie sich als "Führer" bezeichnen? Wer kann sich nach diesem Prozess noch dafür hergeben, die Freiheit anderer Menschen und anderer Völker zu rauben?"

Im Bild: Markus Wolf, Aufnahme aus dem Jahr 1991

Markus Wolf, Generaloberst des Ministeriums für Staatssicherheit, hält während der Protestkundgebung auf dem Alexanderplatz in Berlin am 4.11.1989 eine Rede

4.11.1989 Spionagechef Markus Wolf fordert Erneuerung der DDR

4.11.1989 | Markus Wolf, Spionagechef der DDR, Leiter des Auslands-Nachrichtendienstes im Ministerium für Staatssicherheit, überrascht mit einer Rede auf einer Großdemonstrationen auf dem Berliner Alexanderplatz, fünf Tage vor der Öffnung der Mauer. Wolf kritisiert die DDR-Führung scharf und fordert eine Erneuerung der SED als Partei und der DDR als Staat. Er spricht von einem "erneuerten Sozialismus" – und wird ausgepfiffen.

Anklagebank im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher (20.11.1945 bis 1.10.1946): 1. Reihe v. l.: Goering, Hess, Ribbentrop, Keitel; 2. Reihe v. l.: Doenitz, Raeder, von Schirach, Sauckel und Jodl

Archivradio Nürnberger Kriegsverbrecherprozess

Von November 1945 bis Oktober 1946 saßen die führenden Nationalsozialisten auf der Anklagebank des Internationalen Militärgerichtshofs, den die Alliierten eingerichtet hatten.

SWR2 Wissen: Archivradio SWR2

Der ehemalige Reichsmarschall Hermann Göring bittet am 21.11.1945 bei der Eröffnung des 2. Verhandlungstages vor dem internationalen Militärgericht in Nürnberg um Erlaubnis, sprechen zu dürfen.

21.11.1945 21 Angeklagte bekennen sich "nicht schuldig

21.11.1945 | Einen Tag nach Beginn der Verhandlung treten die Angeklagten nacheinander ans Mikrofon. Den Anfang macht Hermann Göring. Alle bekennen sich für "nicht schuldig".

Fritz Eberhard (1896 - 1982), Publizistik und ehemaliger Intendant des Süddeutschen Rundfunks. (Undatierte Aufnahme)

24.11.1945 Kommentar Fritz Eberhard: "Atombombe und Nürnberger Prozess prägen die Lage"

24.11.1945 | Fritz Eberhard mahnt: Die Welt müsse aus dem jüngsten Krieg lernen und nicht ein neues Wettrüsten beginnen – gerade auch angesichts der Zerstörungskraft der Atombombe.

Erika Mann (1905 - 1969) um 1960

19.12.1945 US-Korrespondentin Erika Mann über den Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess

19.12.1945 | Erika Mann, Tochter von Thomas Mann, schildert ihre Eindrücke von den Angeklagten im Gefängnis und aus dem Gerichtssaal.

Richterbank beim Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher 19451946

29.1.1946 Hans Cappelen berichtet über die Gestapo-Folter

29.1.1946 | Als Zeugen für die Verbrechen der Nazis kommen auch die Opfer zu Wort. Der Norweger Hans Cappelen war Gefangener der Gestapo und später im KZ Buchenwald.

Hermann Göring am 13. März 1946 im Zeugenstand beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess

13.3.1946 Hermann Göring wird in Nürnberg vereidigt und erklärt, wie er zur NSDAP kam

13.3.1946 | Hermann Göring hatte u.a. 1941 den Auftrag erteilte, die "erforderlichen Vorbereitungen" zu einer "Endlösung der Judenfrage" zu treffen.

Hermann Wilhelm Göring als Angeklagter beim Nürnberger Prozess 1946

20.3.1946 Hermann Göring im Verhör

20.3.1946 | US-Ankläger Robert Jackson verhört Göring über ein Dokument zur Enteignung der jüdischen Bevölkerung, das Görings Unterschrift trägt – und einen zentralen Begriff enthält.

Wilhelm Keitel im November 1945 in seiner Zelle in Nürnberg

8.4.1946 Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel und seine inneren Kämpfe

8.4.1946 | Wilhelm Keitel war Generalfeldmarschall und Chef des Oberkommandos der Wehrmacht. Alle Befehle hat er stets befolgt, obwohl er mit seiner inneren Stimme kämpfen musste, wie er vor Gericht sagt. | Nürnberger Prozesse

Ernst Kaltenbrunner im Zeugenstand beim Nürnberger KriegsverbrecherprozessŸ vor dem alliierten Militärtribunal 19451946 (undatierte Aufnahme)

11.4.1946 Ernst Kaltenbrunner will nichts von Gaskammern gewusst haben

11.4.1946 | Der Chef des Sicherheitshauptamtes und des Sicherheitsdienstes behauptet, niemals eine Gaskammer gesehen zu haben, auch nicht bei einem Besuch im KZ Mauthausen, von dem es einen Beweis gibt.

Der Kommandant des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, Rudolf Höß, im Juni 1946 auf dem Nürnberger Flughafen bei seiner Auslieferung an Polen

15.4.1946 Ehemaliger Lagerkommandant Rudolf Höß über Auschwitz

15.4.1946 | Rudolf Höß spricht im Verhör offen über die Ankunft der Züge mit den Gefangenen, ihre Aufteilung in Zwangsarbeit oder Tod in der Gaskammer.

Alfred Jodl als Angeklagter beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess (2. Reihe ganz links; neben ihm Franz von Papen)

7.6.1946 Generaloberst Alfred Jodl wird verhört

7.6.1946 | Wie viele seiner Mitangeklagten will Alfred Jodl von der Judenvernichtung nichts gewusst haben. Hitler sei für ihn ein Scharlatan gewesen. Warum er ihm dann gefolgt sei, will der Ankläger wissen. | Nürnberger Prozesse

Der US-Chefankläger in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen, Oberrichter Robert H. Jackson (Archivfoto vom 1946)

26.7.1946 US-Chefankläger Robert H. Jackson hält sein Schlussplädoyer in Nürnberg

26.7.1946 | US-Chefankläger Robert Jackson verliest sein Schlussplädoyer und nutzt es zu einer pointierten Abrechnung mit den Angeklagten.

Rudolf Heß (1894 - 1987) während während der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse beim Essen

31.8.1946 Rudolf Heß bereut nichts

31.8.1946 | Der ehemalige Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß erklärt in seinem Schlusswort, weshalb er das Gericht nicht anerkennt. Er stellt sich als gottesfürchtigen Christen dar. Er bereue nichts.
Heß wird in zwei von vier Anklagepunkten für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt. Er verbrachte den Rest seines Lebens im alliierten Militärgefängnis Berlin-Spandau, wo er sich 1987 das Leben nahm.
Nürnberger Prozesse

Der ehemalige Reichsmarschall Hermann Göring sagt am 13.3.1946 vor dem Internationalen Militärgericht im Nürnberger Gerichtssaal aus

31.8.1946 Hermann Görings Schlusswort: Nummer zwei gibt sich ahnungslos

31.8.1946 | Herrmann Göring bleibt bis zum Ende bei seiner Version der Geschichte: Er habe nichts vom Massenmord an den Juden gewusst und keinen Krieg gewollt.

Albert Speer im November 1945 in seiner Zelle in Nürnberg

31.8.1946 Albert Speers Schlusswort: "Die Welt wird aus Krieg lernen"

31.8.1946 | Albert Speer sieht im Nürnberger Prozess einen Beitrag dazu, Kriege in Zukunft zu verhindern. Nur knapp entgeht er einem Todesurteil.

Urteilsverkündung am 1. Oktober 1946 beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozeߟ vor dem alliierten Militärtribunal. Die Richterbank im Justizpalast während der Verlesung der Urteilsbegründung. V. l. n. r.: Wolchkow, Nikitschenko (UdSSR), Birkett, Lawrence (GB) und Biddle (USA)

1.10.1946 Verkündung der Strafen im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess

1.10.1946 | Nach fast einem Jahr Verhandlungsdauer werden 12 der 24 Angeklagten zum Tode verurteilt. Die Urteilsverkündung in Nürnberg dauerte Stunden.