Tyrannosaurus Rex: Goldesel für Auktionshäuser
Für einen Rekordpreis von 50,1 Millionen US-Dollar hat Sotheby’s das Skelett eines Tyrannosaurus Rex versteigert. Schon zuvor hatte das britische Auktionshaus auf hohe Erlöse gehofft. Der Versteigerungsergebnis übertraf dann die bislang höchsten Preise für Saurier-Fossilien.
Der T-Rex „Gus“ wurde 2021 in South Dakota entdeckt und fünf Jahre lang ausgegraben. 61 Prozent seiner Knochen sind erhalten. Als ausgezeichnet gilt allerdings erst eine Vollständigkeit ab 70 Prozent. Biss-Spuren und verheilte Knochenbrüche machen dieses Exemplar dennoch einmalig, ist Sotheby’s überzeugt.
Doch einmalig für wen? Wer kann solche enormen Beträge noch aufbringen? Seit 1997 klettern die Preise für Dinosaurier-Fossilien unaufhörlich. Damals versteigerte Sotheby’s den T-Rex „Sue“ für 8,4 Millionen US-Dollar (entspräche heute etwa 17 Millionen US-Dollar).
Internationale Nachfrage seit „Jurassic Park“
Seitdem folgten immer neue Rekorde. 2020 erzielte Christie’s mit dem T-Rex „Stan“ einen Erlös von 31,8 Millionen Dollar. Der bis zuletzt teuerste Dinosaurier war „Apex“, ein Stegosaurus. Der Hedgefonds-Milliardär Kenneth C. Griffin zahlte für das Skelett bei Sotheby’s im Juli 2024 knapp 45 Millionen Dollar. Das Auktionshaus hatte damals mit einem deutlich geringeren Gewinn gerechnet.
Der europäische Rekord fällt vergleichsweise bescheiden aus: In Paris kam 2021 der Triceratops „Big John“ für sechs Millionen Euro unter den Hammer. Doch amerikanische und europäische Auktionatoren sehen einen Trend: Seit den „Jurassic Park“-Filmen von Steven Spielberg in den 1990er Jahren ist der Besitz von Dinosaurier-Skeletten zum Faible vermögender Sammler geworden.
Die meisten von ihnen bleiben anonym und lassen ihre Händler bei Auktionen mitbieten. Doch auch Hollywood-Größen wie Harrison Ford, Leonardo DiCaprio, Nicolas Cage und Regisseur Ron Howard haben bereits um Dinosaurier-Fossilien mitgeboten.
Nur noch wenige Dinosaurier landen im Museum
Den Sammlern kommt entgegen, dass Fossilien in den USA frei verkauft und exportiert werden dürfen. Viele Skelette werden in der Hell-Creek-Formation im Mittleren Westen entdeckt. Die Sedimentgesteine dort haben sich in der späten Kreidezeit gebildet, kurz vor dem Massenaussterben der Dinosaurier vor etwa 65 Millionen Jahren.
Weltweit betrachten Paläontologen dieses Sammler-Interesse zunehmend als Gefahr. Manche halten sogar die Erforschung der Erdgeschichte insgesamt für gefährdet. 2024 berichtete die FAZ, von den seit 1997 versteigerten 33 Dinosaurier-Skeletten seien nur sieben in öffentlichen Museen gelandet.
Der Paläontologe Tomas Carr aus Wisconsin erklärte im Gespräch mit der Zeitung, entstanden sei ein „unethischer Handel mit unersetzlichen Fossilien“. Die Funde drohten der Wissenschaft für immer verloren zu gehen.
Allianz von Dino-Jägern, Farmern und Händlern
Angetrieben wird der internationale Handel durch Dino-Jäger wie Peter Larson. 1992 hatte er den T-Rex „Stan“ ausgegraben. Private Ausgräber wie Larson beschäftigen Freelancer und verkaufen ihre Funde weltweit. Die hohen Erlöse locken auch die Farmer, auf deren Land die Fossilien entdeckt werden. Dank hoher Beteiligung profitieren sie von der Zusammenarbeit mit kommerziellen Ausgräbern.
Man wisse, dass der internationale Handel die Preise für Dinosaurier-Fossilien anheize, sagte ein italienischer Auktionator der Wochenzeitung „Die Zeit“ 2022. In einer idealen Welt hätten die Museen mehr Geld für Ankäufe.
Andererseits rechtfertigen Auktionshäuser die Erlöse mit den hohen Kosten der Ausgräber. Mehrjährige Grabungen könnten sonst gar nicht mehr finanziert werden.
Auch der deutsche Fossilien-Präparator Nils Knötschke ist dieser Auffassung. Ohne die „privaten Dinosaurier-Cowboys“ gebe es oftmals keinen neuen Fund, sagte er im Gespräch mit SWR Kultur. Schwarze Schafe in der Grabungsbranche gebe es nur noch wenige. Sotheby's lege Wert auf eine saubere Dokumentation.
Forschung durch Privathandel erschwert
Doch es gibt auch Nachteile für die Wissenschaft und Museen. Vor allem verschwinden nach wie vor viele Funde für immer in den Villen reicher Sammler. Selbst wenn der Käufer ein bedeutendes Exponat in ein Museum ausleiht, wird es damit nicht automatisch Gegenstand der Forschung.
Renommierte Fachzeitschriften und Forschungsförderer verlangen nämlich, dass Experimente an den Exponaten wiederholbar sind, zum Beispiel Tomografien zur Altersbestimmung, zur Suche nach Besonderheiten und Krankheiten. Das jedoch ist bei Exponaten aus Privatbesitz nicht sichergestellt. Schließlich könnten sie bald wieder im Privatbesitz verschwinden.
Auch Museen geraten auf diese Weise in eine Zwickmühle. Beispiel dafür ist das Berliner Museum für Naturkunde. Seit 2015 zeigt es den Dinosaurier „Tristan Otto“, eines der besterhaltenen T-Rex-Exemplare weltweit.
Das Museum profitiert von dieser Attraktion, der Leihgabe eines dänischen Sammlers. Doch Forschung steht unter dem Vorbehalt, dass sie dauerhaft stattfinden kann. In Berlin war sie zeitweilig eingestellt. Museumsdirektor Johannes Vogel hofft nun auf eine langfristige Kooperation. Das letzte Wort darüber aber hat der private Leihgeber.