Drastischer Film über Mutterliebe

Blutiger Body-Horror aus Finnland: In „Nightborn“ wird Mutterschaft zum Albtraum

Ist mein Baby ein Monster? In „Nightborn“ vermischt die finnische Regisseurin Hanna Bergholm („Hatching“) geschickt psychologisches Drama und drastischen Body-Horror zu einem Film über die Schrecken von Mutterschaft.

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Von Autor/in Julia Haungs

Die Kulisse ist das perfekte Familienidyll

Von Anfang an ist diese Mutterschaft überfrachtet mit Erwartungen, wie schön das doch alles wird. Mit ihrem britischen Ehemann Jon ist Saga nach Finnland zurückgekehrt, um das verfallene Haus ihrer Großmutter herzurichten.

Filmszene aus "Nightborn"
Mit dem Traum von einer perfekten Familie ziehen Saga (Seidi Haarla) und ihr britischer Ehemann Jon (Rupert Grint) in ein abgelegenes Haus tief im finnischen Wald. Pietari Peltola/Alamode Film

Es steht inmitten eines wildromantischen Waldes. Hier will sie eine große Familie gründen und ganz in der Mutterrolle aufgehen.

Als die Geburt des ersten Kindes bevorsteht, richten Saga und Jon ein riesiges Kinderzimmer ein, geschmackvoll ausgestattet mit Vintage-Schaukelpferd, Puppenhaus und Zelt. Doch das Neugeborene will sich so gar nicht einfügen in die Kulisse des perfekten Familienidylls.

 „Das ist ganz normal“

Das Gesicht des Babys bekommt das Publikum nicht zu sehen. Aber auch so wird klar: Es erfüllt keinerlei Niedlichkeitsstandards. Das ganzkörperbehaarte Wesen mag weder Kleidung noch Licht. Es schreit durchdringend. Und beim Stillen beißt es Saga beherzt in die Brust.

Filmszene aus "Nightborn"
Trotz Beteuerungen ihres Umfelds weiß Saga bereits kurz nach der Geburt, dass mit ihrem Sohn etwas ganz und gar nicht stimmt. Pietari Peltola/Alamode Film

Und doch scheint Saga die Einzige zu sein, die das Gefühl hat, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt. Ihr Ehemann, die eigene Mutter oder die Kinderärztin: Alle beruhigen sie mit dem Satz: „Das ist ganz normal!“

 Die Ängste der Mutter nimmt niemand ernst

Sagas Ängste werden von niemandem ernst genommen. Wie es sich für einen guten Horrorfilm gehört, lässt Regisseurin Hanna Bergholm zunächst in der Schwebe, inwiefern es sich hier um die Wahrnehmung einer überforderten Mutter mit Wochenbettdepression handelt oder ob dieses Baby wirklich ein Monster ist.

Seidi Haarla als Saga und Rupert Grint als Jon in einer Szene des Films «Nightborn»
Während ihre Ehe zunehmend zu zerbrechen droht, versucht Jon verzweifelt, seine Frau zu unterstützen. picture alliance/dpa/AlamodeFilm | Pietari Peltola

Klug nutzt sie mit „Nightborn“ das Horrorgenre, um weibliche Erfahrungen abseits aller Baby-Romantik zu schildern: vom Geburtsvorgang, der sich für manche anfühlt wie ein Splatterfilm, über die Verwerfungen in der Partnerschaft, die ein Kind mitunter auslöst, bis hin zu der Tatsache, dass oft den Müttern die Schuld zugeschoben wird, wenn es Probleme gibt.

Den Horror entfaltet die Regisseurin Hanna Bergholm bestens

Letztendlich entscheidet sich Bergholm in ihrem zweiten Langfilm dann allerdings doch gegen ein psychologisches Drama und für den Horror. Dieser kann sich in dem Setting mit dem verrottenden Haus und dem Wald, in dem finstere Naturkräfte zu walten scheinen, bestens entfalten.

Filmszene aus "Nightborn"
Eingebettet in ein Setting finsterer Naturkräfte entfaltet sich ein blutiger Horrorfilm über Mutterschaft und Mutterliebe. Pietari Peltola/Alamode Film

Subtil ist „Nightborn“ nicht, Spaß macht der Film trotzdem. Mit schwarzem Humor und großer Lust an Drastik lässt Bergholm das Blut spritzen und die Mutter-Kind-Beziehung in den verstörendsten Situationen wachsen. Für den Vater, den „Harry Potter“-Star Rupert Grint, der ihn „Ron“-artig als unbeholfenen Naivling spielt, ist in dieser wilden Beziehung kein Platz mehr.

Eingebettet in die nordische Mythologie ist „Nightborn“ ein krasser Film über Mutterschaft und Mutterliebe. Und darüber, wie diese manchmal abseits aller Erwartungen an die perfekte Familie am besten gedeiht. 

NIGHTBORN Official Trailer (2026) Rupert Grint

Der Film „Nightborn“ startet in Deutschland am 6. August im Kino.

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Julia Haungs