Gastspiel am Nationaltheater Mannheim

Theaterstück "Terribly Human" in Mannheim: Die Angst von den Anderen

"Terribly human" - Schrecklich menschlich, so heißt die Produktion einer freien internationalen Theatergruppe, die 3. und 4. Oktober am Mannheimer Nationaltheater gastiert. Die Künstlerinnen und Künstler kommen aus Israel, Palästina, Syrien und Griechenland.

Teilen

Stand

Von Autor/in Martina Senghas

Ihr Stück sollte eigentlich schon während der Schillertage gezeigt werden, aber die politische Lage hat einen Strich durch die Rechnung gemacht. Kleinbeigeben wollten aber weder die Theatergruppe noch das Nationaltheater.

Das Projekt sei kein israelisches - ein Statement, das nowendig scheint in Zeiten des Gaza-Kriegs

Ofira Henig stellt sich als Regisseurin vor und ihr Ensemble als eine Gruppe sehr interessanter Künstlerinnen und Künstler. Sie selbst ist in Israel geboren.

Theaterregisseurin Ofira Henig
Theaterregisseurin Ofira Henig (*1960) lebt und arbeitet in Berlin und Tel Aviv. Zusammen mit Khalifa Natour bildet sie den Kern des manmaRo Project, einer freien internationalen Theatergruppe, die Kunst, Humanismus und politisches Bewusstsein als Lebensweise verstehen. Caro | Waechter

Aber – das betont sie ganz ausdrücklich – es handelt sich hier um kein israelisches Projekt: "Wir kommen von überall her, sind politisch links und bekommen kein Geld vom israelischen Staat. Wir arbeiten nur mit internationalen Stiftungen zusammen, Unabhängigkeit ist uns wichtig. Und wir repräsentierten keine auf irgendeine Weise autoritär geartete Institution."

Ohne ein solches Statement vorab kann Ofira Henig offenbar nicht über das Gastspiel am Nationaltheater reden. Nicht in Zeiten des Gaza-Krieges und der Debatte, ob man überhaupt noch israelischen Künstler nach Deutschland einladen darf oder nicht. 

Angst lässt Menschen gewalttätig werden

Ihr Stück  "Terribly human" – "Schrecklich menschlich" handelt von zwei benachbarten Paaren, die in schönen Häusern mit Gärten wohnen. Plötzlich taucht ein Mann auf, der sie schweigend beobachtet. Nach einer Weile steht schließlich eine ganze Gruppe Menschen da und schaut, ohne ein Wort zu sagen, auf die beiden wohlsituierten Pärchen. Die fühlen sich dadurch zunehmend gestört. Und sie bekommen Angst. 

Die Angst wird langsam größer. Und schließlich führt sie dazu, dass die Paare gewalttätig werden gegenüber den Menschen, von denen sie beobachtet werden.

Terribly Human von Gilad Evron | manmaRo group
Auf das Leben zweier Paare, schaut eine Gruppe junger Menschen. Sie schweigen, öffnen nur ihren Mund. Ihr Schweigen untergräbt jedoch die Routine der beiden Paare und legt Gefühle von Angst und Hass frei. Pressestelle NTM | Uri Rubinstein

Es sind die Anderen. Die Anderen können viele sein. Menschen mit einer anderen Hautfarbe, Ausländer, queere Personen, alle, die sich außerhalb der normativen Gesellschaft bewegen. Es geht um Rassismus, die Angst vor dem Fremden und um das Nicht-Miteinander-ins-Gespräch kommen. 

Die politische Lage hat dem Projekt einen Strich durch die Rechnung gemacht

Das Stück ist bereits dreimal im israelischen Jaffa und dreimal in Berlin gezeigt worden. Geplant waren sehr viel mehr Auftritte, aber die politische Lage hat dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Es gab kaum Einladungen und einige Schauspieler sind abgesprungen, es gab viele Neubesetzungen. Deshalb wollte Ofira Henig lieber keine Presse zu den Proben einladen. Es sei eine spezielle Situation, das Ensemble müsse noch zusammenwachsen. 

Terribly Human von Gilad Evron | manmaRo group
Die israelische Theaterregisseurin Ofira Henig zeigt in „Terribly Human“ die Abgrenzung und Perspektive „der Anderen“. Pressestelle NTM | Uri Rubinstein

Wunsch der Regisseurin, dass es einmal um das Stück geht und nicht um Politik

Erhofft sie sich etwas von der Inszenierung? Gibt es so etwas wie eine Botschaft, die sie dem Publikum vermitteln möchte? Eigentlich denke sie darüber nicht nach, sagt Ofira Henig. "Was für mich beim Inszenieren wichtig ist, ist, dass man ein Fragezeichen hinterlässt. Man soll eine Frage mitnehmen, über sie nachdenken und dann vielleicht handeln. Wie Brecht das gesagt hat."

Dann am Ende – mit einem kurzen Auflachen - sagt sie noch etwas sehr Persönliches. "Ich möchte dass irgendwann einmal jemand nur über meine Kunst spricht. Dass jemand sagt, oh, was für ein tolles Stück du inszeniert hat. Und dass es nicht um Politik geht."

Stuttgart

Premiere am Schauspiel Stuttgart Ein fulminanter Trip: Lucia Bihler inszeniert Thomas Melles "Die Welt im Rücken"

Lucia Bihler hat Thomas Melles Roman „Die Welt im Rücken“ in Stuttgart auf die Bühne gebracht. Ein Stück wie ein Rausch mit der großartigen Paulina Alpen in der Hauptrolle.

SWR Kultur am Mittag SWR Kultur

Bruchsal

100 Jahre deutsche Geschichte „Heimsuchung“ nach Jenny Erpenbeck bei der Badischen Landesbühne Bruchsal

„Heimsuchung“ von Jenny Erpenbeck komprimiert 100 Jahre deutsche Geschichte auf ein Haus in Brandenburg. Die Bühnenadaption in Bruchsal ist eine surreale Zeitreise.

SWR Kultur am Mittag SWR Kultur

Mannheim

Oper "The Greek Passion" gestrichen Nationaltheater Mannheim streicht Oper: "Ein schmerzhafter Schritt"

Das Nationaltheater Mannheim streicht aus Kostengründen die Oper "The Greek Passion" aus dem Programm. Grund sind städtische Sparvorgaben.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Martina Senghas
Martina Senghas