Ihr Stück sollte eigentlich schon während der Schillertage gezeigt werden, aber die politische Lage hat einen Strich durch die Rechnung gemacht. Kleinbeigeben wollten aber weder die Theatergruppe noch das Nationaltheater.
Das Projekt sei kein israelisches - ein Statement, das nowendig scheint in Zeiten des Gaza-Kriegs
Ofira Henig stellt sich als Regisseurin vor und ihr Ensemble als eine Gruppe sehr interessanter Künstlerinnen und Künstler. Sie selbst ist in Israel geboren.
Aber – das betont sie ganz ausdrücklich – es handelt sich hier um kein israelisches Projekt: "Wir kommen von überall her, sind politisch links und bekommen kein Geld vom israelischen Staat. Wir arbeiten nur mit internationalen Stiftungen zusammen, Unabhängigkeit ist uns wichtig. Und wir repräsentierten keine auf irgendeine Weise autoritär geartete Institution."
Ohne ein solches Statement vorab kann Ofira Henig offenbar nicht über das Gastspiel am Nationaltheater reden. Nicht in Zeiten des Gaza-Krieges und der Debatte, ob man überhaupt noch israelischen Künstler nach Deutschland einladen darf oder nicht.
Angst lässt Menschen gewalttätig werden
Ihr Stück "Terribly human" – "Schrecklich menschlich" handelt von zwei benachbarten Paaren, die in schönen Häusern mit Gärten wohnen. Plötzlich taucht ein Mann auf, der sie schweigend beobachtet. Nach einer Weile steht schließlich eine ganze Gruppe Menschen da und schaut, ohne ein Wort zu sagen, auf die beiden wohlsituierten Pärchen. Die fühlen sich dadurch zunehmend gestört. Und sie bekommen Angst.
Die Angst wird langsam größer. Und schließlich führt sie dazu, dass die Paare gewalttätig werden gegenüber den Menschen, von denen sie beobachtet werden.
Es sind die Anderen. Die Anderen können viele sein. Menschen mit einer anderen Hautfarbe, Ausländer, queere Personen, alle, die sich außerhalb der normativen Gesellschaft bewegen. Es geht um Rassismus, die Angst vor dem Fremden und um das Nicht-Miteinander-ins-Gespräch kommen.
Die politische Lage hat dem Projekt einen Strich durch die Rechnung gemacht
Das Stück ist bereits dreimal im israelischen Jaffa und dreimal in Berlin gezeigt worden. Geplant waren sehr viel mehr Auftritte, aber die politische Lage hat dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Es gab kaum Einladungen und einige Schauspieler sind abgesprungen, es gab viele Neubesetzungen. Deshalb wollte Ofira Henig lieber keine Presse zu den Proben einladen. Es sei eine spezielle Situation, das Ensemble müsse noch zusammenwachsen.
Wunsch der Regisseurin, dass es einmal um das Stück geht und nicht um Politik
Erhofft sie sich etwas von der Inszenierung? Gibt es so etwas wie eine Botschaft, die sie dem Publikum vermitteln möchte? Eigentlich denke sie darüber nicht nach, sagt Ofira Henig. "Was für mich beim Inszenieren wichtig ist, ist, dass man ein Fragezeichen hinterlässt. Man soll eine Frage mitnehmen, über sie nachdenken und dann vielleicht handeln. Wie Brecht das gesagt hat."
Dann am Ende – mit einem kurzen Auflachen - sagt sie noch etwas sehr Persönliches. "Ich möchte dass irgendwann einmal jemand nur über meine Kunst spricht. Dass jemand sagt, oh, was für ein tolles Stück du inszeniert hat. Und dass es nicht um Politik geht."
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