„Wie jede andere hier“ von Viola Rohner

Theater Konstanz erinnert an das Schicksal einer Holocaust-Überlebenden

Die Konstanzer Theatermacher beauftragten die Schweizer Autorin Viola Rohner mit einem Theaterstück, basierend auf den persönlichen Erinnerungen der Konstanzer Holocaust-Überlebenden Margot Spiegel. „Wie jede andere hier“ will besonders jungen Menschen Spiegels Schicksal vermitteln.

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Stand

Von Autor/in Sina Weinhold

Der Abiball als Schlüsselmoment

Konstanz im Jahr 1932. Margot und Emmy sind beste Freundinnen, an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Sie lieben den Bodensee, sprechen über Jungs und malen sich ihre Zukunft in leuchtenden Farben aus. Dass sich die Welt um sie herum verändert, scheint ihr Leben und ihre innige Freundschaft nicht zu betreffen.

Erst als das nationalistische Gedankengut auch an ihrer Schule propagiert wird, beginnt Margot zu verstehen. Es ist einer der Schlüsselmomente des Stücks: der Abiball 1933, bei dem der Schulleiter die Schülerinnen mit den besten Noten nennt.

Der Schulleiter wagt es nicht mehr die jüdische Schülerin auszuzeichnen. Sie gehört nicht mehr dazu. Es sind Szenen wie diese, die eine direkte Verbindung zwischen dem Schicksal von Margot Spiegel und dem jungen Publikum herstellen, darunter viele, die selbst kurz vor dem Abitur stehen.

Wie jede andere hier, ein Stück Konstanzer Geschichte von Viola Rohner
Das Junge Theater Konstanz bringt mit „Wie jede andere hier“ die Erinnerungen der Konstanzer Jüdin Margot Spiegel, auf die Bühne. Pressestelle Theater Konstanz | Ilja Mess

Wachsende Ausgrenzung führen zu Zweifeln

Her mit dem schönen Leben, das war eigentlich Margots Plan. In Freiburg wollte sie Chemie studieren. Stattdessen geht sie für ein Jahr nach Italien, als Kindermädchen. Und auch die Beziehung zu ihren nichtjüdischen Freundinnen und Freunden verändert sich.

Die Schauspielerin Kristina Lotta Kahlert ist eine beeindruckende Margot, die immer mehr an ihrer Identität zu zweifeln beginnt, angesichts ihrer wachsenden Ausgrenzung.

Wie jede andere hier, ein Stück Konstanzer Geschichte von Viola Rohner
Szene aus „Wie jede andere“ mit Jonas Pätzold, Kristina Lotta Kahlert und Anna-Lisa Grebe. Pressestelle Theater Konstanz | Ilja Mess

Ein Stück, das ins Herz trifft

Somaya Ridani bewegt Margots Geschichte. Die Schülerin kleidet sich im Gothic-Look, schwarze Kleidung und schwarzes Make-up, da sind Vorurteile vorprogrammiert, sagt die Abiturientin.

Mit Margot Spiegel vergleichen möchte sich die Schülerin nicht. Trotzdem können sie und ihre Mitschüler die Gefühlswelt von Margot Spiegel nachvollziehen. Das ist die Stärke der Inszenierung von Simone Geyer.

Parallelen sichtbar und tiefe Gefühle spürbar zu machen. Fazit: Geschichtsbücher sind für den Kopf, die anderthalb Stunden Theater treffen direkt ins Herz. 

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