Die multimediale Programmdirektion Information, Sport, Fiktion, Service und Unterhaltung des SWR (PDI) umfasst sechs Hauptabteilungen: Multimediale Chefredaktion, Sport, Service und Unterhaltung, Fiktion und Familie, die Hauptabteilung Doku sowie das Programm-Management. In der Direktion entstehen Inhalte für die ARD Mediathek, Das Erste und das SWR Fernsehen, für ARD Sounds, lineares Radio und für die Online-Angebote von SWR und ARD.
Schrittweiser Umstieg auf Auftragsproduktionen in Fiktion und Unterhaltung
Im Zuge des 2019 eingeleiteten Transformationsprozesses hat der SWR 2025 entschieden, den Umfang der bislang in Baden-Baden verankerten Eigenproduktionen schrittweise zu reduzieren und fiktionale sowie unterhaltende Formate der PDI künftig als Auftragsproduktionen zu vergeben. Damit begegnet der SWR der rasant ändernden Mediennutzung sowie den hohen Kostensteigerungen und stellt sich im Sinne des Publikums flexibler für die Zukunft auf. Die erste „Tatort“-Reihe wurde in einem Vergabeverfahren an eine Produktionsfirma in Baden-Württemberg vergeben. Ab 2026 werden schrittweise auch die weiteren „Tatort“-Reihen, die Unterhaltungsformate „Sag die Wahrheit“ und „Schlager-Spaß mit Andy Borg“ sowie der „Tigerenten Club“ an externe Produktionsfirmen vergeben und Studioflächen am Standort Baden-Baden reduziert. Die regionale Serie „Die Fallers” soll nach aktuellen Planungen noch bis Ende 2028 in Eigenproduktion hergestellt und dann ebenfalls extern vergeben werden (siehe auch Bericht der VD).
Bundestagswahl, Aktualität und Hintergrund
Rund um die Bundestagswahl entstanden unterschiedlichste Formate in der Programmdirektion Information, die der SWR u. a. für Das Erste zugeliefert hat.
Neben der politischen Berichterstattung wurde die Bundestagswahl 2025 durch die Reportage „Baustelle Zukunft – was sich nach der Wahl ändern muss“ für die ARD Mediathek und Das Erste ergänzt. Diese beleuchtete zentrale Herausforderungen Deutschlands explizit aus der Perspektive der Generation zwischen 25 und 40 Jahren: Von der jungen Familie, der die Wohnung gekündigt wurde, über Berliner Pendlerinnen und Pendler mit Wunsch nach verlässlichem Verkehr und jungen Berufstätigen und Auszubildenden, die um ihre berufliche Zukunft bangen. Aus ihren Geschichten entsteht eine To-Do-Liste für die Bundespolitik. Die Reportage schafft einen filmischen Zugang zu Streitfragen, die die Wählerinnen und Wähler der Zielgruppe bewegen.
Im Oktober startete – u. a. auf Initiative und in Federführung des SWR – mit „Team Recherche“ ein neues investigatives Doku-Format für die unter 40-Jährigen. An dem Format, das monatlich neue Recherchen veröffentlicht, sind BR, MDR, NDR, SR, SWR und WDR beteiligt. Es ist eine Weiterentwicklung der erfolgreichen Formate „Vollbild“ (SWR) und „Dirty Little Secrets“ (BR). Die erste Folge „Skinny um jeden Preis?“, in der es um die Frage ging, wer vom Abnehm-Hype profitiert, steuerte der SWR bei.
Erfolgreiche Mediatheks-Produktionen
Die SWR-Mini-Serie „Spuren“ zeigt, wie akribische Polizeiarbeit die Morde an mehreren jungen Frauen aufklärt. Verarbeitet werden reale Geschehnisse aus dem Jahr 2016 im Südwesten. Dabei orientiert sich „Spuren“ am Sachbuch „Soko Erle“ des ehemaligen Freiburger Polizeisprechers Walter Roth. Die Serie mit Nina Kunzendorf in der Hauptrolle erhielt zahlreiche positive Rezensionen, die durchweg loben, dass sich die Erzählung ganz bewusst auf die ausdauernde Polizeiarbeit konzentriert. In der ARD Mediathek ist „Spuren“ mit über zehn Millionen Wiedergaben zum Jahresende die erfolgreichste Serie der ARD Mediathek im Jahr 2025. Bei der Ausstrahlung im linearen Programm schauten im Schnitt rund sechs Millionen Menschen zu. Des Weiteren wurde die Produktion u. a. in den Ländern Großbritannien (BBC) und Australien (SBS) lizenziert.
Auch im Dokumentarischen war der SWR erfolgreich: In der dreiteiligen ARD-Dokuserie „Being Franziska van Almsick“ erzählen Jürgen Schmidt und Laura Trust die bewegende Geschichte von Franziska van Almsick, dem ersten Superstar des wiedervereinigten Deutschlands. Sie war Weltmeisterin, Weltrekordhalterin und Weltsportlerin, hat triumphiert, ist gescheitert und hat sich selbst gefunden. Die Dokuserie erzählt eine bewegende Geschichte – getragen von Interviews mit Weggefährten, Zeitzeugen und Franziska van Almsick selbst. „Being Franziska van Almsick“ landete auf dem ersten Platz der erfolgreichsten Mediatheks-Dokus im Jahr 2025.
Themenabende im Ersten
2025 steuerte der SWR zwei Themenabende fürs Erste bei: Der erste widmete sich im Mai den RAF-Terrorprozessen in Stuttgart Stammheim. Das Dokudrama „Stammheim – Zeit des Terrors“ erzählt aus der Perspektive von Horst Bubeck, der als Vollzugsbeamter im Zellentrakt den intensivsten Kontakt zu den Inhaftierten hatte, eindrucksvoll die Beziehung der Terroristen untereinander nach. Die Begleit-Doku „Im Schatten der Mörder“ rundete das Programm ab. Sie stellte nicht die Täterinnen und Täter in den Mittelpunkt, sondern die Geschichten von Opfern des RAF-Terrorismus und ihrer Angehörigen. Ergänzt wurde der Themenabend durch eine Sonderfolge des SWR Kultur-Podcasts „Sprechen wir über Mord?! … mit den Kindern der RAF-Opfer“.
Der zweite Themenabend aus dem Oktober 2025 beschäftigte sich mit dem Mord an der jungen Polizisten Michèle Kiesewetter durch den NSU. Angelehnt an ihre Ermordung im Jahr 2007 erzählt der Spielfilm „Die Nichte des Polizisten“ die Geschichte von jungen, ehrgeizigen Anwärterinnen und Anwärtern einer baden-württembergischen Polizei-Spezialeinheit. Im Laufe der Geschichte werden Machtmissbrauch und rechtsradikale Einstellungen in der Polizei sichtbar. Auf den Spielfilm, der im März 2026 den Grimme-Preis gewann, folgte die Doku „Warum starb Michèle Kiesewetter?“. Der Autor geht auf Spurensuche zum Motiv des Angriffs und spricht u. a. mit einem ehemaligen Kripobeamten, der an den Ermittlungen beteiligt war und erstmals vor einer Fernsehkamera spricht.