Stellen Sie sich vor: Sie öffnen die Tür – und überall sitzen Freunde, die Sprüche und Schultern klopfen wollen, aus den Lautsprechern kommt ihr Lieblingslied und der freundliche Wirt stellt Ihnen ungefragt das auf den Tisch, was Sie ohnehin bei jedem Besuch bestellen. Und dann beginnt ein Kneipenabend, mit langen Gesprächen, vielen Witzen und einigen Runden an der Dart-Scheibe …
Ein Klischee? Ja, das stimmt natürlich, Kneipenabende sind nicht immer lustig, die Witze oft schlecht, das Bier falsch gezapft und bei der Politik bekommt man sich eh in die Haare – denn wo sitzen schon immer nur Freunde zusammen? Die perfekte Kneipen-Idylle war ohnehin nie ganz korrekt – aber vor allem: sie wird immer unwahrscheinlicher. Denn: Es gibt immer weniger Kneipen in Deutschland. 2015 gab es noch 31.000 Kneipen – 2022 waren es nur etwa 21.000. Aber: Sollte man in einer Gesellschaft, in der Einsamkeit ein immer wichtigeres Thema wird, nicht gerade der guten alten Kneipe mal wieder einen Besuch abstatten?
Genau das wollen wir in dieser Matinee tun – wir wollen herausfinden, was diesen Ort so besonders macht. Dafür sprechen wir mit der Kneipenhistorikerin Mareen Heying über die Ursprünge der Kneipe, wir zücken die Dartpfeile, flippern und spielen Billard – und lassen uns vom Sportjournalisten Stefan Osterhaus erklären, warum auch Thekensport Disziplin und Training verlangt. Außerdem: Der Schriftsteller Frank Gossen spricht mit uns über Eckkneipen und seinen neuen Roman "Lovely Rita". Wir besuchen die Untere Straße in Heidelberg, tanzen mit der Schauspielerin Salma Hayek auf Bartischen, singen im Chor, erkunden die Kulturgeschichte der Sperrstunde und wagen eine Ehrenrettung des Stammtischs.
Gäste der Sendung sind: Dr. Mareen Heying, Historikerin | Stefan Osterhaus, NZZ-Sportjournalist | Frank Goosen, Schriftsteller
Musikredaktion: Almut Ochsmann
Redaktion: Daniel Stender