Matinee

Zweites Wohnzimmer – Die Kneipe

Sonntagsfeuilleton mit Georg Brandl

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Stand

Stellen Sie sich vor: Sie öffnen die Tür – und überall sitzen Freunde, die Sprüche und Schultern klopfen wollen, aus den Lautsprechern kommt ihr Lieblingslied und der freundliche Wirt stellt Ihnen ungefragt das auf den Tisch, was Sie ohnehin bei jedem Besuch bestellen. Und dann beginnt ein Kneipenabend, mit langen Gesprächen, vielen Witzen und einigen Runden an der Dart-Scheibe …

Ein Klischee? Ja, das stimmt natürlich, Kneipenabende sind nicht immer lustig, die Witze oft schlecht, das Bier falsch gezapft und bei der Politik bekommt man sich eh in die Haare – denn wo sitzen schon immer nur Freunde zusammen? Die perfekte Kneipen-Idylle war ohnehin nie ganz korrekt – aber vor allem: sie wird immer unwahrscheinlicher. Denn: Es gibt immer weniger Kneipen in Deutschland. 2015 gab es noch 31.000 Kneipen – 2022 waren es nur etwa 21.000. Aber: Sollte man in einer Gesellschaft, in der Einsamkeit ein immer wichtigeres Thema wird, nicht gerade der guten alten Kneipe mal wieder einen Besuch abstatten?

Genau das wollen wir in dieser Matinee tun – wir wollen herausfinden, was diesen Ort so besonders macht. Dafür sprechen wir mit der Kneipenhistorikerin Mareen Heying über die Ursprünge der Kneipe, wir zücken die Dartpfeile, flippern und spielen Billard – und lassen uns vom Sportjournalisten Stefan Osterhaus erklären, warum auch Thekensport Disziplin und Training verlangt. Außerdem: Der Schriftsteller Frank Gossen spricht mit uns über Eckkneipen und seinen neuen Roman "Lovely Rita". Wir besuchen die Untere Straße in Heidelberg, tanzen mit der Schauspielerin Salma Hayek auf Bartischen, singen im Chor, erkunden die Kulturgeschichte der Sperrstunde und wagen eine Ehrenrettung des Stammtischs.

Gäste der Sendung sind: Dr. Mareen Heying, Historikerin | Stefan Osterhaus, NZZ-Sportjournalist | Frank Goosen, Schriftsteller

Musikredaktion: Almut Ochsmann
Redaktion: Daniel Stender

Musikliste

Erste Stunde:

Scott Joplin
Maple Leaf Rag
Wagners Salonquartett
EMI CLASSICS 556950-2
LC: 06646

Gustav Mahler (1860 - 1911)
Rheinlegendchen. Lied für Singstimme und Orchester
Anna Lucia Richter (Mezzosopran);
Gürzenich-Orchester Köln
Jordan de Souza (Dirigent)
myrios classics MYR036
LC: 19355

Unbekannt
Im Krug zum grünen Kranze. Lied bearbeitet für Klavier solo
Textdichter: Wilhelm Müller (1794 - 1827)
Bearbeiter: Martin Stadtfeld
Martin Stadtfeld (Klavier)

Johannes Brahms (1833 - 1897)
3. Satz: Andantino grazioso
Aus: Trio für Viola, Violoncello und Klavier a-Moll, op. 114
Tabea Zimmermann (Viola)
Jean-Guihen Queyras (Violoncello)
Javier Perianes (Klavier)
HARMONIA MUNDI FRANCE HMM902789
LC: 07045

William Grant Still
Afro-American. 3. Satz: Animato (1895 - 1978)
Sinfonieorchester Münster
Städtekonzerte NRW - Städtekonzert Münster 2023

Herman Hupfeld (1894 - 1951)
As time goes by
Viktoria Tolstoy (voc)
ACT 9827-2
LC: 07644

Igor Strawinsky (1882 - 1971)
Dritte Stunde
Aus: Jeu de cartes. Ballett in drei Runden für Orchester
Radio-Sinfonieorchester SWR
Gianluigi Gelmetti (Dirigent)

Zweite Stunde:

Ludwig van Beethoven (ca. 1770 - 1827)
Nr. 6: Trinklied. Allegro con brio; Musik zu einem Ritterballett für Orchester, WoO 1
Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt
Howard Griffiths (Dirigent)
KLANGLOGO KL 1521
LC: 09320

Friedrich Hollaender
Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt
Sheku Kanneh-Mason (Violoncello)
Hannah Roberts (Violoncello)
Decca 4853169
LC: 00171

Benjamin Britten
1. Satz: Das Turnier
aus: Sinfonische Suite nach Themen aus der Oper "Gloriana" für Tenor und Orchester, op. 53a
BBC Philharmonic
Edward Gardner (Dirigent)
CHANDOS CHAN 10658
LC: 07038

Jean Bernard
Son ar chistr. Trinklied. Bearbeitet für Frauenvokalensemble und Perkussion
Sjaella (Ensemble)
Peter Baur (Percussion)
Fuga Libera FUG842
LC: 14899

Rudolph "Rudy" Toombs
One Scotch, one Bourbon, one beer
Amos Milburn (voc, p)
Aladdin Chickenshackers
Bear Family Records BCD16925
LC: 05197

Jean Francaix (1912-1997)
Nr. 3: Les petits nerveux. Allegro assai
Aus: L'heure du berger. Musique de brasserie für 2 Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass und Klavier
Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern
Eigenproduktion SR

Franz Liszt (1811 - 1886)
Mephisto-Walzer für Klavier Nr. 3, S 216 (R 38). Bearbeitet für Orchester
Staatskapelle Weimar
Kirill Karabits (Dirigent)
AUDITE 97.761
LC: 04480

Dritte Stunde:

Erik Satie
Nr. 4: Cancan Grand-Mondain. Fassung für Klavier solo. Nr. 4: Cancan Grand-Mondain
Aus: La belle excentrique
Alexandre Tharaud (Klavier)
ERATO 5021732784247
LC: 00200

Günter Raphael (1903 - 1960)
5. Satz: Tarantelle
Aus: Quartett für 2 Violinen, Viola und Violoncello Nr. 2 C-Dur, op. 9
Acacia Quartet
Querstand VKJK 1906
LC: 03722

John Lennon (1940 - 1980)
Lovely Rita
The Beatles
Apple 746442-2
LC: 01074

Max Reger (1873 - 1916)
Aria A-Dur, op. 103a Nr. 3 (Fassung für Violine und kleines Orchester)
Kolja Lessing (Violine)
Göttinger Symphonie-Orchester
Christoph-Mathias Mueller (Dirigent)
TELOS RECORDS
LC: 02966

Franz Schubert
Die Geselligkeit. Quartett für Sopran, Alt, Tenor, Baß und Klavier, D 609
Marlis Petersen (Sopran)
Anke Vondung (Mezzosopran)
Werner Güra (Tenor)
Konrad Jarnot (Bass)
Christoph Berner (Hammerklavier)
HARMONIA MUNDI FRANCE HMC 902130
LC: 07045

Ferenc Farkas
Im Wirtshaus. Rondo
Aus: Lavotta-Suite für kleines Orchester nach Motiven von János Lavotta
MAY Symphony Orchestra
Péter Csaba (Dirigent)
Toccata Classic TOCC 0176
LC: 14674

Paolo Litta (1871 - 1931)
Nr. 1: Le lac
Aus: Le lac d'amour. Dichtung für Violine und Klavier
Ilona Then-Bergh (Violine)
Michael Schäfer (Klavier)
GENUIN GEN 20690
LC: 12029

Boby Lapointe
Framboise
Boby Lapointe (voc)
Orchester Alain Goraguer
Collection Joker 516088-2

Untere Straße in Heidelberg Alltag mit Kneipe

Ins „Weinloch“? Oder ins „Betreute Trinken“? Die Kneipenlandschaft in der Unteren Straße in Heidelberg ist legendär – bei Tag und bei Nacht, wie Philipp Behrens berichtet.

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Ein Ort für Bier und Politik Historikerin Heying über die Geschichte der Kneipe

Ein Tresen, ein Zapfhahn, ein Wirt – und viel Politik. Die Kneipe war schon vor 150 Jahren ein Ort, an dem getrunken und debattiert wurde, sagt Historikerin Mareen Heying.

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Kneipe im Film Von einsamen Herzen und fliegenden Fäusten

Im Film sind Kneipen, Bars und Pubs ein eigener Kosmos – für erste Dates, Theken-Therapie und Schlägereien. Hartwig Tegeler über eine klassisches Kino-Setting.

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Dart, Kickern, Billard Kneipensport – eine Klasse für sich

Ist das Sport? Oder spleeniger Zeitvertreib für Stammgäste? Kneipensportarten wie Dart oder Kicker haben sich professionalisiert, weiß der NZZ-Sportjournalist Stefan Osterhaus.

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Gemeinsam singen statt nur zuhören Der Karlsruher Kneipenchor

Liv-Berit Heinz war beim Karlsruher Kneipenchor: Eine bunte Gruppe, die ohne Vorsingen zusammenkommt, um mit Leidenschaft zu singen und Gemeinschaft zu erleben.

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Kulturgeschichte der Sperrstunde Warum in Berlin die Nächte länger wurden

Anders als in West-Deutschland gab es in West-Berlin im Kalten Krieg keine Polizeistunde – ein Glücksfall für Kneipen-Wirte und Touristen, berichtet Tomas Fitzel.

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Früher war mehr Herrengedeck Frank Goosen über Nostalgie der Kneipe

Stammgäste, derber Humor und zu viel Alkohol: Das geht durch das Kneipensterben verloren. „Es gibt dafür kein Publikum mehr“, sagt Autor Frank Goosen – in seinem Roman „Lovely Rita“ schildert er die letzten Tage einer Eckkneipe im Ruhrgebiet. Ein nostalgischer Ort? Ja, sagt Goosen: „Früher hat man an diesem Ort Leute kennengelernt.“

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Debattenkultur in Kneipen und Social Media Hasnain Kazim: Es lebe der Stammtisch

Stammtischparolen? Gibt es nicht mehr in der Kneipe – sondern im Netz. Dabei ist der Stammtisch besser als sein Ruf. Und wichtig für die Demokratie, findet der Autor Hasnain Kazim.

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Georg Brandl
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