Ein typischer Eindruck derzeit im Wald: Der Boden ausgetrocknet, viele Pflanzen und Bäume verdorrt. Das gilt nicht nur für die Eifel oder den Hunsrück. Auch an der Mosel sieht es nicht besser aus. Immer wieder brennt es daher im Wald. Oder auf einem Feld. Jörg Teusch ist Katastrophenschutzinspekteur im Kreis Bernkastel-Wittlich. Allein in diesem Kreis kommt die Feuerwehr wegen Bränden auf Feldern und in Wäldern auf fast 200 Einsätze seit Jahresbeginn. Das sind fast dreimal so viele wie im gesamten vergangenen Jahr.
Brand am Kloster bei Bengel
Jörg Teusch führt das natürlich auf die lange Hitze zurück. Aber auch schon die Jahre davor war es einfach zu trocken. Er spricht von einer ausgetrockneten Vegetation: "Wir haben sehr viele Bäume, die das nicht überstanden haben, die natürlich für Brände dann noch wesentlich empfänglicher sind."
Zuletzt war das vor einigen Tagen am Kloster Springiersbach der Fall. Ein schwieriger Einsatz in unwegsamem Gelände. Fünf Hektar haben gebrannt.
Die meisten Waldbrände durch Menschen verursacht
Teusch geht wie andere Experten davon aus, dass die meisten Brände im Wald durch Menschen verursacht werden, nämlich fast 95%. Zum Beispiel durch Menschen, die unachtsam mit Zündmitteln oder Zigaretten umgehen. Nur ein sehr kleiner Teil der Brände entstehe in der Natur selbst wie beispielsweise durch Gewitter.
Jörg Teusch ist froh, dass der Brand am Kloster in Springiersbach relativ zügig unter Kontrolle war. Eine Ausdehnung eines Feuers wie im Hohen Venn sei eine Größe, wie es sie bisher in diesem Teil von Europa kaum gab. Er führt das auch auf die Bewaldung, die Geographie und den Wind zurück. Es gebe viele Faktoren, die begünstigt hätten, dass der Brand sich ausdehnte.
Warnung vor Rauch aus dem Hohen Venn
Von außen sei das aber schwer zu beurteilen. Für ihn stelle sich die Frage, ob die Ausdehnung des Rauchs nicht eher hätte entdeckt werden können. Damit hätten Menschen in der Eifel oder im Hunsrück eher gewarnt werden können, um sich in ihre Häuser zurückzuziehen. Und es seien möglicherweise weniger Notrufe eingegangen. Denn viele Leute hatten durch den starken Rauchgeruch den Eindruck, dass es in ihrer unmittelbaren Umgebung brennt.
Ausrüstung der Feuerwehr: Europaweit denken
Ihn beschäftigt auch, wie man die Feuerwehren nicht nur in Deutschland besser ausstatten könnte. Denn natürlich sei es für ein Bundesland wie Rheinland-Pfalz zu teuer, Löschflugzeuge vorzuhalten. Sinnvoll wäre in jedem Fall, wenn es europaweit einheitliche Systeme gebe, meint Teusch.
Gerade bei Vegetationsbränden auf großen Flächen würden Löschflugzeuge oft viel leisten. In Rheinland-Pfalz arbeite man eher mit Hubschraubern. Diese könnten aber maximal 800 Liter Wasser pro Flug abwerfen. Ein Löschflugzeug schaffe es dagegen, mehrere tausend Liter auszubringen. Insgesamt müsste die Feuerwehr mehr Optionen haben, um Feuer in der Natur zu löschen.
Kleidung für Waldbrände anpassen
Auch die Kleidung für die Feuerwehren sollte angepasst werden. Die klassische Feuerwehreinsatz-Kleidung sei für den "Innenangriff" gedacht. Das heißt, um bei sehr hohen Temperaturen einen Hausbrand zu löschen. Für einen Einsatz im Wald sei spezielle Kleidung besser. Sie ist zum einen leicht, damit kein Hitzestau entsteht. Aber sie schützt auch vor Flammen., sagt Teusch. Damit die Feuerwehrleute da besser gewappnet sind, müsste mehr Geld in den Katastrophenschutz investiert werden.
Ehrenamtler bei der Feuerwehr besser ausstatten
Teusch fordert da, auch aus der "Verwaltungslethargie" herauszukommen. Denn solche Lagen, die kommen nach seiner Beobachtung immer häufiger vor. Damit die Feuerwehren nicht an Grenzen kommen, müsse zügig reagiert werden. Das hieße eben: Nicht erst drei Jahre evaluieren, bevor man dann irgendwo die richtigen Schritte geht. Da sollte man sich auf die fachliche Expertise derer verlassen, die jeden Tag an der Front der Feuerwehreinsätze stehen. Und auf deren Bedarf schnell reagieren.