Zwischen Euren und Zewen, hinter dichten Brombeerhecken, hat sich Ralf Schumacher sein - wie er sagt - "Paradies" geschaffen. Der Frührentner kommt fast jeden Tag mit Frau und Hund in sein kleines Häuschen im Grünen. Hier genießt er die Stille und die Natur. Fraglich ist aber wie lange das noch möglich ist.
Es wäre eine Schande das alles zu verlieren.
Noch ist der Höhenrücken im sogenannten Hospitienwald von dichtem Laubwald bedeckt. Mehrere Hektar sollen in den kommenden Monaten für den bereits genehmigten Windpark Stahlem gerodet werden. Nur wenige hundert Meter von der Wochenendhaussiedlung entfernt, könnten bald drei 270 Meter hohe Windräder stehen.
"Es wäre eine Schande das alles zu verlieren. Der Lärm, die zerstörte Natur. Wir haben hier Fledermäuse und Uhus - die würden alle vertrieben", fürchtet Ralf Schumacher.
Auch seine Frau Anka erwartet, dass es mit Ruhe und Erholung bald vorbei sein könnte, wenn sich oberhalb der Wochenendhaussiedlung Windräder drehen werden. Neben dem Lärm fürchtet Anka Schumacher die optische Wirkung der riesigen Anlagen: "Man hat regelrecht Angst vor den Windrädern, weil die so mächtig sind, dass man das Gefühl hat erdrückt zu werden."
Zukunft der Wochendhäuser steht auf dem Spiel
Mit ihren Sorgen ist Familie Schumacher nicht alleine: 95 Lauben und Wochenendhäuser stehen zwischen Euren und Zewen. So langsam wird den Kleingärtnern bewusst, welche Konsequenzen der genehmigte Windpark "Stahlem" für ihre Parzellen haben könnte.
Nachbar Dieter Wengler befürchtet, dass das Wochenendhaus-Gebiet für viele dann uninteressant wird: "Hier wird keine Erholung mehr möglich sein. Die Windräder stehen doch viel zu nah. Die Leute hier werden alle noch sehr traurig werden."
Genehmigungsbehörde sieht Mindestabstand eingehalten
Die zuständige Struktur und Genehmigungsdirektion Nord hat den Bau der drei Windräder im Frühjahr genehmigt. Die Entfernung des Wochenendhausgebiets zwischen Euren und Zewen zur nächstgelegenen Anlage betrage ca. 500 Meter.
Der durch das Landesentwicklungsprogramm festgelegte Mindestabstand von 500 Metern zu Einzelhöfen und Splittersiedlungen werde damit eingehalten, so die Behörde in ihrer Genehmigung.
Das Erholungsbedürfnis der Menschen wird ignoriert.
Der Ortsvorsteher von Euren-Herresthal, Hans-Alwin Schmitz, sieht den Mindestabstand von 500 Metern zwischen Windpark und der großen Wochenendhaus-Siedlung sehr kritisch. "Hier leben im Sommer ständig Menschen über mehrere Wochen. Bei 95 Häusern kann man auch nicht, wie es in der Genehmigung heißt, von einer Splittersiedlung sprechen."
Schmitz bezweifelt auch, dass der Mindestabstand von 500 Metern richtig gemessen wurde. Weiter oben am Hang und damit noch näher zum geplanten Windpark seien weitere Gärten und Häuser. "Das Erholungsbedürfnis der Menschen wird ignoriert, es geht nur ums Geld", beklagt Schmitz.
Siedlung ist im Laufe der Jahrzehnte stetig gewachsen
Im Flächennutzungsplan der Stadt Trier ist das Gebiet als Grünfläche mit dem Zusatz "Schwerpunktbereich zur Sicherung und Entwicklung von Natur und Landschaft" ausgewiesen. Faktisch stellt sich die Situation vor Ort etwas anders da. Im Laufe der Jahrzehnte sind am Hang immer mehr Gärten mit Häusern gebaut worden.
Wochenendhaussiedlung war auch als Baugebiet im Gespräch
Es ist nicht das erste Mal, dass die Kleingärtner um ihre Grundstücke bangen müssen. Vor mehr als zehn Jahren waren große Teile der Wochenendhaussiedlung bereits als Baugebiet im Gespräch.
Das hat die Stadt nach eigenen Angaben aber nur noch als langfristige Entwicklungsreserve im Blick. Zu mehr würde es nach derzeitigem Planungsstand auch nicht reichen. Denn für ein reguläres Wohngebiet wären zwischen Häusern und Windrädern 900 Meter Abstand vorgeschrieben. Das könne in diesem Fall nicht eingehalten werden.
Kleingärtner wollen sich wehren
Die Kleingärtner und Wochenendhaus-Eigentümer wollen um die Zukunft ihrer Parzellen kämpfen. Ralf Schumacher versucht jetzt so viele Betroffene wie möglich zu mobilisieren: "Eins ist klar, wenn der Windpark kommt, dann ist es mit der Ruhe in unserem Paradies vorbei!"