Der öffentliche Nahverkehr ist auf dem Land selten gut ausgebaut. Busse fahren, wenn überhaupt, nur alle paar Stunden und an manchen Tagen gar nicht. Wer kein eigenes Auto hat, kann sein Ziel häufig nur schwer erreichen. Auch in der Eifel ist das für viele Menschen ein Problem. Das soll sich in Zukunft aber ändern.
Selbstfahrende Taxis in der VG Arzfeld
Und zwar mit einem Pilotprojekt, das eher an Science-Fiction-Filme erinnert. Seit einigen Monaten sind in der Verbandsgemeinde Arzfeld selbstfahrende Taxis unterwegs, die die Menschen kostenlos zum Arzt oder zum Einkauf fahren. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen der Verbandsgemeinde Arzfeld und dem Maschinenbauunternehmen Tesla Automation in Prüm. Ein Tochterunternehmen des US-Elektroautoherstellers Tesla.
Zu den Fahrgästen gehört auch Gabriele Gänßmantel aus Waxweiler. Die 70-Jährige fährt mit dem Tesla-Taxi jede Woche rund 16 Kilometer zum Physiotherapeuten nach Arzfeld. "Es ist toll, dass es so etwas gibt. Ich fahre damit sehr gerne", sagt Gänßmantel.
Hightech-Auto erkennt Umgebung mit Kameras
Das Auto sieht auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Kombi aus. Im Wagen ist Platz für vier Fahrgäste. Außerdem ist ein sogenannter Sicherheitsfahrer dabei. Er beobachtet den Verkehr und greift im Notfall ein. Ansonsten hat der Fahrer seine Hände nicht am Lenkrad. Das Fahrzeug fährt von selbst. Wegen des Sicherheitsfahrers an Bord werden solche Autos teilautonome Fahrzeuge genannt.
Bei der Fahrt des SWR mit dem Auto von Waxweiler nach Arzfeld ging es durch Schnee, Regen, Hagel und Nebel. Das Auto kam ohne Probleme sicher ans Ziel. Am Fahrzeug sind mehrere Kameras angebracht, mit deren Hilfe eine Software die Umgebung erkennt. Die Aufnahmen sind auf einem Bildschirm auf dem Armaturenbrett zu sehen. Wie das Auto konkret funktioniert, dazu will Tesla offiziell nichts sagen.
Verkehr Selbstfahrende Autos – Eine Chance für die Verkehrswende?
Selbstfahrende Autos werden den Verkehr verändern. Sie ermöglichen völlig neue Verkehrskonzepte. Der Experte Steven Peters zeigt an vielen Beispielen, worauf es ankommt.
Das Hightech-Taxi erinnert Gabriele Gänßmantel an die Kultserie "Knight Rider" aus den 1980er-Jahren, in der David Hasselhoff mit einem selbstfahrenden Fahrzeug unterwegs war. "Das Auto kann zwar nicht wie in der Serie reden, aber es fährt und funktioniert. Ich habe auch keine Angst", erzählt die Eifelerin.
Bürgermeister: "Autonomes Fahren ist die Technik der Zukunft"
Derzeit gibt es in der Verbandsgemeinde Arzfeld zwei solcher Taxis. Nach Angaben der Kommune ist die Nachfrage nach dem Angebot aber groß. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arzfeld, Johannes Kuhl (CDU), setzt langfristig auf noch mehr Tesla-Taxis für die Region.
"Zwar haben wir den Busverkehr bei uns in der Vergangenheit bereits verbessert, aber das reicht noch nicht aus", sagt Kuhl. Es gebe viele ältere Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt seien. "Das autonome Fahren ist eine Möglichkeit, um das besser zu gestalten. Die Entwicklung ist rasant. Autonomes Fahren ist die Technik der Zukunft", so der CDU-Politiker weiter.
Landrat will Projekt ausweiten
Bislang fahren die teilautonomen Autos nur in der Verbandsgemeinde Arzfeld. Der Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm, Andreas Kruppert (CDU), will das in Zukunft ändern und das Angebot auf den gesamten Landkreis ausweiten.
"Ich kann mir das sehr gut vorstellen. Der Eifelkreis ist sehr ländlich. Mobilität ist bei jungen und alten Menschen ein dringendes Thema", sagt Kruppert. Das Pilotprojekt sei eine Chance, um den ÖPNV auf Dauer zu entlasten.
Chance für ländliche Regionen
Doch bis es so weit ist, könnten noch einige Jahre vergehen. Davon geht Jörn Schneider aus, Professor für Informatik an der Hochschule Trier. Sein Forschungsbereich ist die Sicherheit von selbstfahrenden Autos. Bevor sie flächendeckend eingesetzt werden können, müssten die Fahrzeuge ohne Sicherheitsfahrer klarkommen. Denn schon heute seien Busfahrer schwer zu finden. Das dürfte bei den selbstfahrenden Taxis nicht anders sein.
Das wäre natürlich eine Bereicherung, gerade für ländliche Regionen
"Der Einsatz von Sicherheitsfahrern ist in der Regel nur eine Übergangsstufe. Danach könnte ich mir vorstellen, dass es auch bei uns vollautonome Fahrzeuge geben wird. Das wäre natürlich eine Bereicherung, gerade für ländliche Regionen", sagt Schneider.
Ein Blick in die USA zeigt, dass so etwas grundsätzlich möglich ist. "In Arizona und Kalifornien sind solche Systeme schon im Einsatz", berichtet der Forscher. In Deutschland sei die Technik aber noch nicht so weit. Zunächst müssten Daten gesammelt und die Systeme verbessert werden.
Autonome Autos in der Eifel - eine Tesla-Strategie?
Bei diesem Prozess könnte das Pilotprojekt in der Verbandsgemeinde Arzfeld eine wichtige Rolle spielen. Der Grund dafür dürfte im 20 Kilometer entfernten Prüm liegen. Dort befindet sich das Werk von Tesla Automation. In dem Werk in der Eifel werden die Fertigungsroboter für die Tesla Autoproduktion hergestellt. Der Prümer Standort wird derzeit massiv ausgebaut.
Die ländliche Region rund um Prüm ist ein interessanter Anwendungsfall
"Es gehört zu einer größeren Strategie von Tesla, autonome und teilautonome Autos produzieren zu wollen und da ist die ländliche Region rund um Prüm ein interessanter Anwendungsfall", sagt Jörn Block, Professor für Unternehmensführung an der Universität Trier.
Für eine Region wie die Eifel, in der es sich nicht lohne, Bus- und Bahnlinien flächendeckend zu betreiben, könnten autonome Autos kostengünstige Alternativen sein. "Und das probiert man halt jetzt aus", so Block.