Ob im Saargau, entlang der Mosel oder in der Eifel: Streuobstwiesen gehören seit Jahrhunderten zur Kulturlandschaft rund um Trier.
Auch in Thörnich an der Mosel. Eine der Wiesen bewirtschaftet Christine Müller. Gemeinsam mit ihrer Familie und zwei weiteren haben sie eine rund vier Hektar große Streuobstwiese gepachtet, auf der Äpfel, Birnen, Kirschen, Mirabellen und Quitten wachsen.
Die Motivation von Christine Müller ist klar: "Uns ist besonders wichtig, dass wir die Wiese am Leben erhalten - kulturell und für die Artenvielfalt - und das auch an die nächste Generation weiterzugeben."
Warum Streuobstwiesen verschwinden
Menschen wie Christine Müller werden immer wichtiger. Denn: Viele Streuobstwiesen sind laut Lydia Hoff-Güdelhöfer aus dem Naturpark Saar-Hunsrück in den vergangenen Jahrzehnten verschwunden. Gründe dafür seien unter anderem Flächenverbrauch durch Neubaugebiete und die Umstellung auf intensivere Landwirtschaft.
Das ist viel Arbeit und braucht Zeit.
Hinzu kommt der hohe Pflegeaufwand: "Das ist viel Arbeit und braucht Zeit", sagt Müller. Denn die großen Bäume, deren Stamm mindestens 1,80 Meter hoch ist, müssen regelmäßig geschnitten und gegebenenfalls von Misteln befreit werden. Auch die Ernte ist bei hochstämmigen Bäumen viel aufwendiger, das Obst muss geschüttelt oder mit langen Stangen gepflückt werden.
Das Nachbargrundstück von Familie Müller zeigt, wie eine unbewirtschaftete Streuobstwiese aussieht. Hier sind unter anderem die Bäume teilweise abgestorben, die Baumkronen von Misteln durchzogen und das Gras wuchert.
Große Flächen haben Potenzial
Um einen Überblick zu bekommen, wo es in Rheinland-Pfalz überall Wiesen gibt, wie groß sie sind und ob sie betrieben werden oder nicht, kartiert das Umweltamt Rheinland-Pfalz aktuell die gesamte Fläche. Bis dazu aber vollständige Daten vorliegen, wird es noch Jahre dauern, so Kathrin Linnemann vom Umweltamt.
In den Naturparken Nord- und Südeifel gibt es laut Umweltministerium Rheinland-Pfalz rund 500 Streuobstflächen mit etwa 800 Hektar. Zusätzlich gelten mehrere tausend Hektar als potenziell geeignete Flächen für neue Streuobstwiesen.
Streuobstwiesen sind wichtig für Artenvielfalt
Laut dem Naturpark Saar-Hunsrück zählen Streuobstwiesen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Dort können bis zu 5.000 Tier- und Pflanzenarten vorkommen.
Die Kombination aus Wiese, alten Bäumen, Totholz und Baumhöhlen schafft viele unterschiedliche Lebensräume für Bienen und Schmetterlinge, Vögel und Fledermäuse, aber auch Eichhörnchen oder Rehe.
Streuobstwiesen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas.
Auch in der Region Trier zeigt sich diese Vielfalt. "Hier gibt es ganz viele Insekten - auch solche, die man sonst gar nicht sieht", sagt Christine Müller. "Und auch Wildtiere wie Rehe oder Wildschweine kommen regelmäßig vorbei."
Aus Obst entstehen weitere Lebensmittel
Neben der ökologischen Bedeutung spielt auch die Nutzung eine wichtige Rolle. Aus dem Obst entstehen Säfte, Marmeladen, Heu und natürlich auch Viez.
Auch Bienen gehören inzwischen dazu. Sie produzieren Honig und bestäuben die Obstbäume.
Gerade für Kinder seien Streuobstwiesen besonders wertvoll. "Die können hier frei sein, spielen und mithelfen", sagt Müller. "Und sie lernen, dass das, was auf dem Teller liegt, Arbeit und Zeit braucht."
Mehr Aufmerksamkeit für bedrohte Lebensräume
Seit den 1980er-Jahren gibt es verstärkte Bemühungen, Streuobstwiesen zu erhalten. Naturschutzgruppen und Vereine wie der Nabu und der Naturpark Saar-Hunsrück aber auch Privatpersonen wie Frau Müller engagieren sich für Pflege und Neuanpflanzung.
Streuobstwiesen leisten mehr als nur Obstproduktion. Laut Nabu fördern sie die Artenvielfalt, unterstützen die Grundwasserbildung und bieten Erholungsräume. Das weiß auch Frau Müller: "Man bekommt hier eine Ruhe, die man sonst kaum findet".
Aktionstage wie der Tag der Streuobstwiese sollen auf die Bedeutung dieser Flächen aufmerksam machen.
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"Viele nehmen diese Wiesen gar nicht bewusst wahr", sagt Müller. "Deshalb ist es wichtig zu zeigen, wie wertvoll sie sind."
Denn ohne Engagement könnten viele dieser Flächen weiter verschwinden - und mit ihnen ein wichtiger Teil der Kulturlandschaft in der Region Trier.