Ein zwei Meter hoher Stahlkasten, in dem Kupferdrähte hängen. Mit Spulen, Sicherungen und Schaltern. Ein Tastentelefon ist daran angeschlossen. "Das ist eine Telefonanlage aus den 1940er-Jahren. Sie hat früher in St. Augustin in einem Kloster gestanden", erzählt Heribert Schirmer, der Betreiber des privaten Rundfunk- und Telefonmuseums in Gerolstein.
Bis zu 50 Telefone lassen sich laut Schirmer an das Gerät anschließen, das Anrufer und Angerufenen miteinander verbindet. Die Telefonanlage aus Nordrhein-Westfalen ist nicht das einzige Highlight in seinem Fundus.
Über 1.000 alte Radios und Telefone
Besonders stolz ist Schirmer auch auf einen braun-grünen Holzkasten mit Drehscheibe, mehreren Steckkabeln und durchnummerierten Buchsen - einen Telefonvermittler aus einem Hotel in Koblenz aus den 1940er-Jahren. Darüber konnte ein Hotelgast zum Beispiel beim Zimmerservice etwas bestellen. "Wenn er dann morgens geweckt werden wollte, dann wurde er auch geweckt", sagt Schirmer.
Der frühere Fernmeldetechniker hat Jahrzehnte lang alte Telefone, Radios und andere Geräte aus mehr als 20 Ländern gesammelt. Fast 1.300 Geräte sind es am Ende geworden. Von Telefonen, die wie Micky Maus und Winnie Puuh aussehen, bis zu Feldtelefonen aus dem Ersten Weltkrieg. Einige Exponate sind bis zu 150 Jahre alt.
Da habe ich schon viel Herzblut reingesteckt.
Schirmer stellt seine Sammlung seit 2003 auf knapp 50 Quadratmetern im Gerolsteiner Museum aus. Für den heute 90-Jährigen ein echtes Lebenswerk: "Da habe ich schon viel Herzblut reingesteckt. Ich bin froh damit. Das hat mich auch aufgebaut und ich bilde mir ein, dass ich dadurch so alt geworden bin", erzählt der Museumsbetreiber.
Sammlung bislang in Gebäude von Stadt
Das Museum befindet sich derzeit in einem städtischen Gebäude, das verkauft werden soll. Daher soll das Rundfunk- und Telefonmuseum umziehen. Die Stadt will eigenen Angaben nach dafür ein leer stehendes Geschäft in der Innenstadt anmieten. Bevor der Mietvertrag unterschrieben werden kann, muss laut Stadt zuvor noch der städtische Haushalt genehmigt werden.
"Die Kommunalaufsicht in Daun hat uns schon mündlich zugesichert, dass das klappt. Wir warten aber noch auf den schriftlichen Bescheid", sagt Frank Kerner, 1. Beigeordneter der Verbandsgemeinde Gerolstein und CDU-Fraktionsmitglied im Stadtrat. Die Stadt will den 90-jährigen Betreiber beim Umzug mit zwei Mitarbeitern unterstützen.
Telefonmuseum soll attraktiver werden
Es gibt große Pläne für das kleine Museum im künftigen Zuhause: "Wir wollen außen einen Glaskasten hinstellen, in dem Telefone zu sehen sind", sagt Kerner. Besondere Exponate sollen in Zukunft im Schaufenster zu sehen sein. Im bisherigen Museum gibt es keine Schaufenster.
Das Museum soll interaktiver werden.
"Im Gebäude werden wir versuchen, einige Telefone zu verdrahten, dass man mit einer Wählscheibe ein Telefon anwählen und hin- und her telefonieren kann. Das Museum soll interaktiver werden", so Kerner weiter. Allerdings ist geplant, dass im neuen Gebäude insgesamt weniger alte Telefone, Radios und andere Geräte als bisher zu sehen sein werden. Der Bestand müsse verkleinert werden, so Kerner weiter.
Suche nach neuem Betreiber läuft
Selbst wenn der bisherige Betreiber Heribert Schirmer aufgrund seines hohen Alters irgendwann aus gesundheitlichen Gründen das Museum nicht mehr weiterführen kann, will die Stadt dieses erhalten.
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Laut Kerner gibt es sogar schon eine Idee, wie das gehen kann: "Wir haben das Glück, dass wir die Eifelkaserne hier haben. Mit vielen Soldaten, die auch Rundfunk- und Fernsehtechnik gelernt haben. Deshalb sind wir auf der Suche nach einem ehemaligen Soldaten, der das auch mitbetreut", berichtet der 1. Beigeordnete der Verbandsgemeinde Gerolstein.
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Der 90-jährige Schirmer sieht dem neuen Kapitel für sein geliebtes Museum mit all seiner Lebenserfahrung entspannt entgegen. "Ich lasse es mal auf mich zukommen". Bis dahin will er sich um seine historischen Schätze weiter kümmern.