Neue Heimat für alte Radios und Telefone

Telefonmuseum in Gerolstein soll moderner und interaktiver werden

Kofferradios und Telefone mit Wählscheibe - das Rundfunk- und Telefonmuseum in Gerolstein lässt seit 20 Jahren Nostalgie aufleben. Jetzt soll das Museum umziehen.

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Von Autor/in Daniel Novickij

Ein zwei Meter hoher Stahlkasten, in dem Kupferdrähte hängen. Mit Spulen, Sicherungen und Schaltern. Ein Tastentelefon ist daran angeschlossen. "Das ist eine Telefonanlage aus den 1940er-Jahren. Sie hat früher in St. Augustin in einem Kloster gestanden", erzählt Heribert Schirmer, der Betreiber des privaten Rundfunk- und Telefonmuseums in Gerolstein.

Heribert Schirmer tüftelt so oft es geht an seinen alten Telefonen, Radios und anderen Geräten.
Heribert Schirmer tüftelt so oft es geht an seinen alten Telefonen, Radios und anderen Geräten. Seine Sammlung ist über die Jahre immer größer geworden.

Bis zu 50 Telefone lassen sich laut Schirmer an das Gerät anschließen, das Anrufer und Angerufenen miteinander verbindet. Die Telefonanlage aus Nordrhein-Westfalen ist nicht das einzige Highlight in seinem Fundus.

Über 1.000 alte Radios und Telefone

Besonders stolz ist Schirmer auch auf einen braun-grünen Holzkasten mit Drehscheibe, mehreren Steckkabeln und durchnummerierten Buchsen - einen Telefonvermittler aus einem Hotel in Koblenz aus den 1940er-Jahren. Darüber konnte ein Hotelgast zum Beispiel beim Zimmerservice etwas bestellen. "Wenn er dann morgens geweckt werden wollte, dann wurde er auch geweckt", sagt Schirmer.

Im Hotel früher Alltag: Steckkabel mit Buchsen verbinden, um mit dem Hotelgast telefonieren zu können.
Im Hotel früher Alltag: Steckkabel mit Buchsen verbinden, um mit dem Hotelgast telefonieren zu können. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Telefonvermittler aus einem Kloster in St. Augustin.
Ein Telefonvermittler aus einem Kloster in St. Augustin. Wenn Mönche miteinander telefonieren wollten, haben sie das Gerät genutzt. Bild in Detailansicht öffnen
Dieses Telefon stand früher in einer Wetterstation in Traben-Trarbach an der Mosel.
Eine schnelle Leitung zum früheren Bundeskanzler Helmut Kohl: Dieses Telefon stand früher in einer Wetterstation in Traben-Trarbach an der Mosel. Bild in Detailansicht öffnen
Röhrenradios mit Holzgehäuse aus den 1960er-Jahren im Gerolsteiner Museum.
Röhrenradios mit Holzgehäuse aus den 1960er-Jahren. Sie sind Teil der über 400 Radios, die im Gerolsteiner Museum ausgestellt sind. Bild in Detailansicht öffnen
Ein roter Doppeldeckerbus aus London als Telefon für Zuhause.
Ein roter Doppeldeckerbus aus London als Telefon für Zuhause. Ein Sammlerstück von 1997 aus England. Bild in Detailansicht öffnen
Winnie Puuh als Telefon: Ein Schmucktelefon aus Deutschland aus den 1980er-Jahren.
Winnie Puuh als Telefon: Ein Schmucktelefon aus Deutschland aus den 1980er-Jahren. Bild in Detailansicht öffnen
Im Gerolsteiner Museum sind alte Telefone, Radios und andere Geräte aus der ganzen Welt zu sehen.
Ob Korea, Dänemark oder England - im Gerolsteiner Museum sind alte Telefone, Radios und andere Geräte aus der ganzen Welt zu sehen. Bild in Detailansicht öffnen

Der frühere Fernmeldetechniker hat Jahrzehnte lang alte Telefone, Radios und andere Geräte aus mehr als 20 Ländern gesammelt. Fast 1.300 Geräte sind es am Ende geworden. Von Telefonen, die wie Micky Maus und Winnie Puuh aussehen, bis zu Feldtelefonen aus dem Ersten Weltkrieg. Einige Exponate sind bis zu 150 Jahre alt.

Da habe ich schon viel Herzblut reingesteckt.

Schirmer stellt seine Sammlung seit 2003 auf knapp 50 Quadratmetern im Gerolsteiner Museum aus. Für den heute 90-Jährigen ein echtes Lebenswerk: "Da habe ich schon viel Herzblut reingesteckt. Ich bin froh damit. Das hat mich auch aufgebaut und ich bilde mir ein, dass ich dadurch so alt geworden bin", erzählt der Museumsbetreiber.

Sammlung bislang in Gebäude von Stadt

Das Museum befindet sich derzeit in einem städtischen Gebäude, das verkauft werden soll. Daher soll das Rundfunk- und Telefonmuseum umziehen. Die Stadt will eigenen Angaben nach dafür ein leer stehendes Geschäft in der Innenstadt anmieten. Bevor der Mietvertrag unterschrieben werden kann, muss laut Stadt zuvor noch der städtische Haushalt genehmigt werden.

Frank Kerner ist 1. Beigeordneter der Verbandsgemeinde Gerolstein.
Frank Kerner ist 1. Beigeordneter der Verbandsgemeinde Gerolstein. Er geht davon aus, dass das Rundfunk- und Telefonmuseum den Menschen in Gerolstein auch in Zukunft erhalten bleibt.

"Die Kommunalaufsicht in Daun hat uns schon mündlich zugesichert, dass das klappt. Wir warten aber noch auf den schriftlichen Bescheid", sagt Frank Kerner, 1. Beigeordneter der Verbandsgemeinde Gerolstein und CDU-Fraktionsmitglied im Stadtrat. Die Stadt will den 90-jährigen Betreiber beim Umzug mit zwei Mitarbeitern unterstützen.

Telefonmuseum soll attraktiver werden

Es gibt große Pläne für das kleine Museum im künftigen Zuhause: "Wir wollen außen einen Glaskasten hinstellen, in dem Telefone zu sehen sind", sagt Kerner. Besondere Exponate sollen in Zukunft im Schaufenster zu sehen sein. Im bisherigen Museum gibt es keine Schaufenster.

Das Museum soll interaktiver werden.

"Im Gebäude werden wir versuchen, einige Telefone zu verdrahten, dass man mit einer Wählscheibe ein Telefon anwählen und hin- und her telefonieren kann. Das Museum soll interaktiver werden", so Kerner weiter. Allerdings ist geplant, dass im neuen Gebäude insgesamt weniger alte Telefone, Radios und andere Geräte als bisher zu sehen sein werden. Der Bestand müsse verkleinert werden, so Kerner weiter.

Suche nach neuem Betreiber läuft

Selbst wenn der bisherige Betreiber Heribert Schirmer aufgrund seines hohen Alters irgendwann aus gesundheitlichen Gründen das Museum nicht mehr weiterführen kann, will die Stadt dieses erhalten.

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Laut Kerner gibt es sogar schon eine Idee, wie das gehen kann: "Wir haben das Glück, dass wir die Eifelkaserne hier haben. Mit vielen Soldaten, die auch Rundfunk- und Fernsehtechnik gelernt haben. Deshalb sind wir auf der Suche nach einem ehemaligen Soldaten, der das auch mitbetreut", berichtet der 1. Beigeordnete der Verbandsgemeinde Gerolstein.

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Der 90-jährige Schirmer sieht dem neuen Kapitel für sein geliebtes Museum mit all seiner Lebenserfahrung entspannt entgegen. "Ich lasse es mal auf mich zukommen". Bis dahin will er sich um seine historischen Schätze weiter kümmern.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Daniel Novickij
Daniel Novickij arbeitet als Korrespondent im Regionalbüro in Gerolstein in der Vulkaneifel.

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