"Marvin Rößner ist heute der Mann des Tages", sagt sein Professor, Dr. Georg Rock von der Hochschule Trier, und grinst. Der Informatikstudent ist 25 Jahre alt. Und er ist der Kopf hinter der neuen VR-Brille für die Justizvollzugsanstalt (JVA) Wittlich. Jetzt wurde sein Projekt zum ersten Mal am Berufs- und Infostand der Anstalt vorgestellt.
Gefängnis zum Durchlaufen - per VR-Brille
Brille auf, orientieren, loslegen: Mit zwei kleinen weißen Controllern in der Hand und einer VR-Brille auf dem Kopf geht es direkt in eine Gefängniszelle der JVA Wittlich. Virtuell. Die neue Technologie zeigt den Raum aber realitätsgetreu: eine zehn Quadratmeter große Zelle mit Bett, Tisch und Toilette. "Sogar der Blick aus dem Fenster ist wie bei uns", sagt Jörn Patzak, Leiter der JVA Wittlich.
Die VR-Brille soll zeigen, wie es im Gefängnis wirklich aussieht. Keine aufgehübschten Werbevideos, sondern der Alltag mit Zellentüren, Gitterfenstern und allem, was für die Mitarbeitenden dazu gehört.
Suche nach Nachwuchs macht erfinderisch
Für Gefängnisleiter Patzak und sein Team ist das aber mehr als eine technischer Spielerei. Denn wie viele andere Branchen auch kämpft die JVA mit Fachkräftemangel und zu wenig Nachwuchs. Die VR-Brille soll ein Einstieg sein, um bei jungen Menschen ein Interesse für die Berufe im Gefängnis zu wecken. "Wir gehen zwar regelmäßig auf Berufs- und Informationsmessen, aber am Ende ist es immer schwer, zu zeigen, was wir wirklich machen", so Patzak.
Üben an Patienten-Avataren Virtuelles Krankenzimmer in Worms: Pflegeausbildung mit VR-Brillen
Für Pflegeschülerinnen und -schüler im Klinikum Worms öffnet sich eine neue Welt: Mit sogenannten VR-Brillen können sie nun alles üben, was in der Pflege notwendig ist.
Mit der neuen VR-Brille im Gepäck könnte sich das ändern. Denn "Interessierte können damit zum Beispiel Gegenstände suchen, die Häftlinge versteckt haben. Es ist eine Möglichkeit, das Arbeitsumfeld spielerisch kennenzulernen", erklärt Gefängnisleiter Patzak. Statt langer Vorträge gibt es einen reellen Eindruck in den Job.
Und wie das dann aussieht, ist hier zu sehen:
Wirkt VR-Brille auf Bewerber?
Begleitet wird das Pilotprojekt von der Universität Trier. Dort wird wissenschaftlich untersucht, wie die VR-Technik bei potentiellen Bewerberinnen und Bewerbern ankommt. "Wenn wir den Menschen schon früh einen Eindruck geben, was auf sie zukommt und ihnen ein realistisches Tätigkeitsbild vermitteln, kann das Ausbildungskosten sparen und Frustration verringern", sagt Professor Thomas Ellwart von der Universität Trier.
Seine Hoffnung: Es bewerben sich mehr Menschen, die wirklich zum Job im Justizvollzug passen. Und dann auch bleiben.
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JVA Wittlich als Vorbild für andere Gefängnisse?
Am ersten Tag lief noch nicht alles perfekt. Kleinere technische Haker, ein bisschen Nachjustieren. Normal bei einem Pilotprojekt. Marvin nimmt’s locker: "Ich bin froh, dass alles so gut geklappt hat und werde das Projekt sicherlich auch in meine Masterarbeit mitnehmen“, sagt er.
Mit der VR-Brille geht die JVA Wittlich neue Wege im Personalmanagement. Wenn das Projekt ankommt, könnte es bundesweit zum Vorbild werden - für die moderne Suche nach Fachkräften im Gefängnis.