Tagung von Experten und Rhein-Anliegern

Rhein-Niedrigwasser: Worauf wir in Zukunft achten müssen

So wenig Wasser wie in diesem Sommer führte der Rhein noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. In Koblenz haben am Donnerstag Fachleute und Rheinanlieger über Konsequenzen beraten.

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Stand

Von Autor/in Jeanette Schindler

Am 14. August 2026 fiel der Rhein am Pegel Kaub - dem Nadelöhr der Rheinschifffahrt - auf unter 10 Zentimeter, so niedrig wie nie. Inzwischen ist der Pegel auf 60 Zentimeter gestiegen (2. September), Frachtschiffe können aber noch immer nicht mit voller Ladung fahren. Und nicht nur die Schifffahrt leidet unter dem Niedrigwasser, sondern auch Unternehmen, Gemeinden und Landwirte. Der 8. BWK Rheintag hat sich deshalb am Donnerstag mit dem Thema "Wasserkonkurrenz im Rheingebiet(?)" befasst. Die Frage war: Worauf müssen wir in Zukunft bei der Nutzung des Rheins achten? Wir konnten schon vorab mit Teilnehmern sprechen:

Rheinschifffahrt muss umrüsten
Flächen für Wasser schaffen
Wasserentnahme regeln
Trinkwasserversorgung anpassen

Die Rheinschifffahrt muss ihre Schiffe umrüsten

Wissenschaftliche Daten zeigen, dass insgesamt nicht weniger, sondern mehr Wasser den Rhein hinunter fließt, allerdings übers Jahr ungleichmäßiger verteilt. Im Winter und Frühjahr drohen Hochwasser, im Sommer und Herbst Niedrigwasser. Und: Extreme Niedrigwasserphasen wird es den Daten zufolge wahrscheinlich häufiger geben.

"Darauf müssen sich Reedereien einstellen und kleinere, leichtere Schiffe mit weniger Tiefgang einsetzen", erklärt der Koblenzer Hochschul-Professor Lothar Kirschbauer, der beim Rheintag einen Vortrag gehalten hat. Werften müssten Schiffe mit breiterem Rumpf und speziellem Antrieb bauen.

Flächen schaffen, die Wasser aufnehmen und speichern

In Hochwasserphasen könnte Wasser an den Zuflüssen des Rheins und - wo es möglich sei - auch in den Rheinauen gespeichert werden, schlägt Kirschbauer vor. Man lässt es nicht abfließen, sondern hält es für Phasen von Niedrigwasser vor.

Auch Thomas Schmid fordert, die Rheinauen mehr in den Fokus zu nehmen. Er ist Landesvorsitzender des BWK Hessen/Rheinland-Pfalz: "Um Niedrigwasser im Rheineinzugsgebiet zu beheben, müssen wir eigentlich die Flussauen wieder renaturieren, das Wasser in den Auen halten - auch bei den Zuflüssen. Um gerade in Niedrigwasserperioden dann Wasser zur Verfügung zu haben, was den Rheinpegel wieder anhebt."

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Wer wie viel Rheinwasser entnehmen darf, muss geregelt werden

"Im Moment entnimmt jeder im Promille-Bereich Wasser aus dem Rhein, ohne die Summenwirkung zu beachten", kritisiert Kirschbauer. "Das muss länderübergreifend koordiniert werden." Das sei auch für die Anlieger rheinabwärts wichtig, damit für sie noch genügend sauberes Wasser übrig bleibe.

Trinkwasserversorgung muss angepasst werden

Die Trinkwasserversorgung in Deutschland ist gesichert. Nach Angaben de Umweltbundesamtes sind die Wasserresourcen um ein vielfaches größer als die Mengen, die wir verbrauchen. Fraglich ist aber, ob an jedem Ort und zu jeder Zeit ausreichend Wasser vorhanden sein wird. Und durch die Klimaerwärmung werden wir voraussichtlich mehr Wasser verbrauchen, müssen aber gleichzeitig verantwortungsvoller und sparsamer mit Wasser umgehen.

Kirschbauer plädiert dafür, einzelne Trinkwassernetze und -speicher untereinander zu verbinden. "Damit können in Dürrezeiten Gebiete mit Wassermangel aus anderen Gebieten mit einem ausreichenden Wasservorkommen versorgt werden." Denkbar wäre auch Überleitungen zu schaffen, mit deren Hilfe bei Hochwasser Wasser in andere Gebiete geleitet und dort gespeichert werden könnte. Eine solche Planung gebe es zum Beispiel in der Nordeifel, sagt Kirschbauer.

"Aktionsplan Niedrigwasser Rhein" gibt es seit 2018

Für Fachleute und auch die Bundesregierung sind diese Aspekte nicht neu. Schon die Niedrigwasser von 2003 und 2018 haben Untersuchungen angestoßen. Entstanden ist daraus der "Aktionsplan Niedrigwasser Rhein". Der 8-Punkte-Plan habe dazu beigetragen, dass das Niedrigwasser 2026 besser gehandhabt wurde, meint Kirschbauer.

Der BWK hat aus aus den Erkenntnissen des Rheintags vier Thesen abgeleitet, die der rheinland-pfälzischen und hessischen Landesregierung vorgelegt werden sollen. Konkret geht es den Wasserbauingenieuren um einen Ausbau der Retentionsräume, eine bessere Koordination der Entnahme von Rheinwasser sowie mehr Sorgfalt bei der Trinkwassernutzung. Außerdem plädieren sie für einen Ausbau des Rheins, aber nicht um jeden Preis. Thomas Schmid fordert, dass dabei "ökologische Gesichtspunkte Berücksichtigung finden.“

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