Insgesamt 800 Kilometer Kanäle liegen unter Mainz. Würde man sie gerade hintereinander legen, würden sie bis nach Kopenhagen reichen. Eine digitale Landkarte zeigt alle Kanäle, Hausanschlüsse und Schächte.
"Ein Schacht endet bei einem Kollegen im Garten", lacht Christian Ahl vom Wirtschaftsbetrieb Mainz. "Wenn wir dort den Kanal kontrollieren, kriegen wir manchmal Kaffee und Kuchen."
"Darknet Inspektoren" - die Kanalinspekteure von Mainz
Er und Salim Habib sind Kanalinspekteure. Ihr Job ist es, zu kontrollieren, dass auf den 800 Kanalkilometern nichts beschädigt ist. Die beiden Freunde arbeiten schon sieben Jahre zusammen beim Wirtschaftsbetrieb Mainz.
Seit einem Jahr fahren sie zusammen mit dem Kanal-TV-Fahrzeug durch Mainz. Mit an Bord: die beiden Kamera-Roboter "Pano" und "Lizzy". Mit ihren dicken Rädern sehen sie aus wie langgezogene Monster-Trucks.
Wie Computerspielen - Kanalkontrolle neben Mainzer Dom
Salim und Christian öffnen einen Gullydeckel auf dem Liebfrauenplatz, direkt neben dem Mainzer Dom, und dann wird "Pano" in die dunkle Tiefe hinabgelassen.
Er vermisst und filmt die Kanäle, während Salim und Christian in der Schaltzentrale ihres Autos sitzen. Drei Bildschirme vor der Nase und den Joystick in der Hand steuert Salim "Pano" durch die Mainzer Unterwelt.
Es hat was von Computerspielen.
Ein bisschen wie beim guten alten Super Mario muss Salim schauen, dass "Pano" nicht unverhofft abstürzt. Deswegen hat er immer den Blick konzentriert auf den Bildschirm gerichtet.
Baumwurzeln und Wasserverschmutzung im Blick
Seit Oktober testen die beiden Kanalinspekteure ihre Roboter und mittlerweile sind sie in den Normalbetrieb übergegangen. Die Kameraaugen haben schon so einiges aufgespürt: gebrochene Stellen im Kanal oder in den Kanal eingedrungene Baumwurzeln.
"Was wir auch schon viel gesehen haben, sind Fehlanschlüsse", erzählt Salim. "Da ist das Schmutzwasser aus Hausleitungen in den Regenwasserkanal geflossen. Und das darf natürlich nicht sein."
Gerade zeigt "Pano" ein Stück Kanal mit Ziegelwand. "Bisher ist alles tiptop", meint Salim. Aber er und Christian filmen heute nur. Ausgewertet wird das Filmmaterial dann am Schreibtisch. Wenn ein Schaden gefunden wird, repariert das meist eine externe Firma.
Vom Kanalinspekteur zum Stadt-Promi in Mainz
Christian und Salim waren auch selbst schon oft "unten" - angegurtet und mit Spezialausrüstung. Und der Geruch? "An den gewöhnt man sich", lachen die beiden. Trotzdem ist es auch angenehm, dass sie zur Kanalinspektion jetzt "über Tage" bleiben können.
Jeden Tag fahren sie mit ihrem "Kanal-TV-Fahrzeug durch Mainz - und sind sogar schon mal auf der Straße erkannt worden. Auf ihrem Auto prangt ein großes Foto der beiden. "Nachdem wir mal in der Zeitung waren, hat eine Passantin uns direkt angesprochen."